Laut aktueller Studie
Nur vier von zehn Betrugsopfern in Österreich erstatten Anzeige

Jede:r fünfte Österreicher:in hat durch Zahlungsbetrug bereits Geld verloren. Dennoch wenden sich laut einer aktuellen Visa-Studie viele Betroffene nach einem Vorfall zunächst an ihr privates Umfeld statt an Polizei oder Bank.

Ein falscher Klick auf einen Paketlink, ein Anruf einer angeblichen Bankmitarbeiterin, eine Sekunde Unaufmerksamkeit beim Bestätigen einer Zahlung. Zahlungsbetrug trifft quer durch alle Alters- und Bildungsschichten, und er geht schnell. Trotzdem scheint die Scham bei Opfern nach wie vor hoch zu sein, wie eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Visa (siehe Infobox) zeigt. Demnach erstatten gerade einmal 40 Prozent jener Personen, die durch eine Masche tatsächlich Geld verloren haben, Anzeige – Männer mit 45 Prozent deutlich öfter als Frauen mit 33 Prozent. Wen es noch nicht getroffen hat, schätzt sich dagegen völlig anders ein, denn 92 Prozent dieser Gruppe sind überzeugt, im Ernstfall zur Polizei zu gehen.

Der Bekanntenkreis erfährt es früher als die Bank

An erster Stelle steht nach einem Vorfall das Gespräch im privaten Umfeld. Über ein Drittel (35 %) hat andere Personen gewarnt, Frauen mit 39 Prozent häufiger als Männer mit 30 Prozent. 32 Prozent geben an, schnell reagiert und den Schaden dadurch verhindert oder begrenzt zu haben, gut ein Viertel (27 %) tauschte Passwörter oder Zugangsdaten aus.

Weiter hinten rangieren ausgerechnet jene Adressen, die den Schaden noch abwenden könnten. Knapp ein Viertel (24 %) meldete den Vorfall der betroffenen Plattform oder dem Unternehmen, ein Fünftel (20 %) sicherte Screenshots, Nachrichten oder Zahlungsbelege. An die eigene Bank oder den Zahlungsdienstleister wandten sich 18 Prozent. Rund jede sechste Person (17 %) hatte sich selbst schlicht nicht als mögliches Ziel gesehen, unter Frauen waren es 21 Prozent, unter Männern 13 Prozent.

"Das persönliche Umfeld zu warnen ist eine verständliche erste Reaktion, aber sie ersetzt nicht die wichtige Meldung an Bank und Polizei", erklärt Stefanie Ahammer, Country Managerin von Visa Österreich. "Wer den Verdacht hat, finanziell betrogen worden zu sein, sollte umgehend die Bank kontaktieren, gegebenenfalls Zugangsdaten ändern und eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Je schneller ein Fall der Bank gemeldet wird, desto größer sind in der Regel die Chancen, den Schaden zu begrenzen oder die Zahlung rückgängig zu machen."

Jede fünfte Person hat bereits Geld verloren

Erlebt hat einen solchen Fall hierzulande bereits jede:r Fünfte (21 %). Dahinter stehen zwei Grundmuster: Mal fließt Geld ohne jede Freigabe ab, mal überweisen es die Geschädigten unter einem Vorwand selbst. Beim jeweils schwerwiegendsten Vorfall blieb der Verlust bei 27 Prozent unter 100 Euro und lag bei 21 Prozent zwischen 101 und 500 Euro. Rund jede:r Sechste (16 %) büßte mehr als 1.000 Euro ein, wobei sich diese Angaben auf den Schaden vor möglichen Rückerstattungen beziehen.

Der Druck nimmt zu, und zwar spürbar. Mehr als drei Viertel der Konsument:innen (77 %) registrieren für die vergangenen zwölf Monate mehr Betrugsversuche gegen die eigene Person, bei den über 70-Jährigen sind es mehr als neun von zehn (93 %). Welche Summen im Gesamtsystem verloren gehen, machte zuletzt ein Report der Oesterreichischen Nationalbank sichtbar, der für 2025 einen Schaden von 115,4 Millionen Euro im unbaren Zahlungsverkehr auswies (LEADERSNET berichtete).

Phishing führt die Liste der Maschen klar an

"Die Sicherheit digitaler Zahlungen entwickelt sich laufend weiter. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat Visa weltweit mehr als elf Milliarden Euro in Cybersicherheit investiert. Gleichzeitig verlagern Betrüger:innen ihre Angriffe zunehmend auf Menschen und setzen auf Täuschung statt auf technische Schwachstellen", erläutert Ahammer. Wie dieser Angriffsweg konkret aussieht, zeigt die Rangliste der Maschen. Mehr als die Hälfte der Österreicher:innen (52 %) hat gefälschte Nachrichten angeblicher Lieferdienste im Postfach gehabt, 48 Prozent solche von vermeintlichen Banken oder Zahlungsdienstleistern. Mit dem sogenannten "Enkeltrick" oder mit Schocknachrichten waren 37 Prozent konfrontiert, mit Fake-Shops 30 Prozent.

Dazu kommen jüngere Varianten rund um Finanzprodukte und Kryptowährungen. Knapp ein Viertel (23 %) hatte schon ein betrügerisches Investmentangebot vor sich, Männer mit 29 Prozent klar häufiger als Frauen mit 17 Prozent. Bei den Jüngsten verlagert sich das Geschehen auf Online-Marktplätze und Kleinanzeigenplattformen, etwa in Form gefälschter Zahlungslinks oder nicht gelieferter Ware. Davon berichten 22 Prozent der 14- bis 19-Jährigen.

Regelmäßige Updates stehen ganz oben auf der Wunschliste

Von ihren Banken erwarten sich die Befragten vor allem laufende Warnhinweise zu neuen Maschen (31 %), dicht gefolgt von Tipps zum Schutz der eigenen Zugangsdaten (30 %). Ebenso stark nachgefragt sind Hinweise zum richtigen Verhalten nach einem Betrugsfall (30 %), die bei Frauen mit 32 Prozent den ersten Platz belegen, während sie bei Männern mit 27 Prozent weniger Gewicht haben.

Unterm Strich fällt das Zeugnis für die Institute passabel aus. Sieben von zehn Befragten (71 %) fühlen sich von ihrer Bank gut informiert, bei den über 70-Jährigen sind es 84 Prozent.

www.visaeurope.at

Über die Studie

Die bevölkerungsrepräsentative Befragung wurde im Auftrag von Visa Österreich vom Marktforschungsinstitut Marketagent mittels Onlinebefragung durchgeführt. Im Zeitraum von 29. Juli bis 5. August 2026 wurden 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in Österreich befragt. Die Studie ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Mehrfachnennungen waren möglich. Alle Prozentzahlen wurden gerundet.

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Über die Studie

Die bevölkerungsrepräsentative Befragung wurde im Auftrag von Visa Österreich vom Marktforschungsinstitut Marketagent mittels Onlinebefragung durchgeführt. Im Zeitraum von 29. Juli bis 5. August 2026 wurden 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in Österreich befragt. Die Studie ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Mehrfachnennungen waren möglich. Alle Prozentzahlen wurden gerundet.

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