Im Gespräch
EnerCube: "Die Technologien sind vorhanden, die Energiewende ist ein Umsetzungsthema"

Die EnerCube-Gründer Laurenz Sutterlüty und David Riedl wollen die Wärmewende im Gebäudebestand mit seriell gefertigten Heizzentralen beschleunigen. Im Interview sprechen sie über starkes Wachstum, die Expansion in neue Märkte und rechtliche Hürden, die Österreich im Vergleich zu Deutschland ausbremsen.

Acht von zehn Wohneinheiten in Österreich heizen noch fossil. Nicht, weil es an Technik fehlt, sondern weil sich Investition und Nutzen auf zwei verschiedene Parteien verteilen. In Deutschland hat das Salzburger Start-up bereits Kaufverträge für über 1.000 seiner seriell gefertigten Wärmepumpen-Heizzentralen abgeschlossen  und wurde dafür sogar von Branchenriese Vonovia als Partner an Bord geholt. Gründer Laurenz Sutterlüty und David Riedl erzählen im Interview, warum ihr Produkt in Deutschland reißenden Absatz findet, während es in Österreich noch hapert, und warum die Wende am Umsetzen scheitert.

Wie entstand die Idee zu EnerCube und wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Sutterlüty: Die Idee entstand während unseres berufsbegleitenden Studiums bzw. dem Job als TGA-Planer und Energieberater. Mein Mitgründer David Riedl und ich haben sehr früh erkannt, dass es für bestehende Mehrparteienhäuser mit fünf bis fünfzig Wohneinheiten keine einfache und vorgefertigte Lösung gibt, um alte Öl- und Gaskessel durch eine klimafreundliche Wärmepumpenanlage zu ersetzen. Die Grundidee war daher, eine standardisierte, seriell vorgefertigte und damit einfach zu installierende externe Luft-Wärmepumpen-Heizzentrale zu entwickeln, die durch Auslagerung der Technik das Platzproblem der engen Kellerräume löst, durch integrierte Schalldämpfer leise arbeitet und mit einem optimierten Anlagenaufbau auch in bestehenden Gebäuden mit alten Heizkörpern Effizienz arbeitet.

Wie ging die Reise dann weiter?

Riedl: Die Planungsphase begann im Jahr 2022 und mündete in der Entwicklung eines ersten Prototyps, an dem wir ein Jahr lang intensiv gearbeitet haben. Im Februar 2023 folgte dann die offizielle Firmengründung und bereits ein Jahr später haben wir den ersten EnerCube bei einem Pilotprojekt mit zwölf Wohneinheiten in Donauwörth für das größte europäische Immobilienunternehmen Vonovia aufgestellt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Nachdem wir 2025 mit der ersten Kleinserie und der Produktion von 30 EnerCubes gestartet sind, folgten Ende 2025 die strategische Kooperation mit Vonovia sowie die Zusage zur Abnahme von über 1.000 EnerCubes in Kombination mit einer Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Mittlerweile haben wir über 70 EnerCubes für unsere Kunden installiert und versorgen damit mehr als 1.000 Wohneinheiten mit sauber produzierter Wärme. Unser Unternehmen ist auf über 30 Mitarbeiter:innen angewachsen und der Produktionshochlauf ist in vollem Gange. Wir haben es geschafft, uns in kurzer Zeit als Technologie- und Marktführer im Bereich vorgefertigter Luft-Wärmepumpen-Heizzentralen für den Mehrfamilienhausbestand im deutschsprachigen Raum zu etablieren.

Was unterscheidet EnerCube von anderen Anbietern am Markt?

Riedl: Wir bauen die vermutlich effizientesten, kompaktesten, leisesten und standardisierten Wärmepumpen-Heizzentralen für Gebäude mit 5 bis 50 Wohneinheiten. Gleichzeitig haben wir das Produkt bereits für die Serienfertigung optimiert und können durch Großaufträge Skaleneffekte in der Fertigung erzielen. Durch weitere Innovationen, unter anderem im Bereich der Sektorenkopplung und Digitalisierung, sowie neue Lösungen für den urbanen Raum, werden wir unseren Vorsprung in den nächsten Monaten weiter ausbauen.

Kathrin Gollackner Fotografie

Wie hat sich die Nachfrage nach Ihren Lösungen in den vergangenen Jahren entwickelt? In welchen Märkten seid ihr bereits aktiv?

Riedl: Gegenwärtig sind wir im DACH-Raum aktiv, arbeiten aber bereits an weiteren Markteintritten, beispielsweise in anderen osteuropäischen Ländern. Die Nachfrage ist sehr stark, da insbesondere große Bestandshalter von Wohnimmobilien erkannt haben, dass unser Produkt nicht nur funktioniert, sondern auch eine echte Lösung für die Umstellung auf eine erneuerbare und klimafreundliche Wärmegewinnung bietet.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Wärmewende in Österreich? Warum können Sie in Deutschland so viel schneller wachsen als in Österreich?

Sutterlüty: Die aktuelle Rechtslage in Österreich bremst die Wärmewende im vermieteten Bestand massiv. Die Investitionskosten liegen bei den VermieterInnen, die Heizkosten bei den MieterInnen. Dadurch fehlen Anreiz und Finanzierungsmöglichkeiten für die höheren Anschaffungskosten einer Wärmepumpe. Die Risiken von Energiekrisen, CO₂-Preisen und steigenden Gasnetzgebühren tragen weiterhin die MieterInnen. Das Ergebnis: Es passiert wenig, in Österreich heizen noch 8 von 10 Wohneinheiten fossil. Bevor wir hier drei Anlagen verkaufen konnten, wurden in Deutschland bereits Kaufverträge für über 1.000 EnerCubes abgeschlossen.

Mit der aktuellen Geschwindigkeit droht die Wärmewende bis 2040 zu scheitern, obwohl technische und wirtschaftliche Lösungen längst verfügbar und in Deutschland bereits in hohen Stückzahlen zum Einsatz kommen.

Welche Bedeutung haben Internationalisierung und neue Märkte für Ihre weitere Wachstumsstrategie?

Sutterlüty: Die Internationalisierung spielt für uns eine zentrale Rolle, nicht nur, weil wir am Heimatmarkt mit den genannten Herausforderungen zu kämpfen haben, sondern auch, weil die benachbarten Märkte wie Deutschland allein aufgrund ihrer Größe hochattraktiv sind. In Deutschland gibt es rund um die Großstädte eine hohe Zahl gleichartiger Wohnquartiere mit Mehrparteienhäusern aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Genau in diesem Segment können wir mit unserem Produkt eine rasche Modernisierung der Wärmeversorgung sicherstellen.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten zwei bis drei Jahre gesetzt?

Sutterlüty: Unsere Ziele sind ambitioniert, aber machbar: Wir wollen die Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren auf über 1.000 EnerCubes pro Jahr anheben und damit jährlich rund 25.000 Wohnungen von Öl- und Gasheizungen auf erneuerbare Wärmegewinnung umrüsten. Gleichzeitig wollen wir den Vorsprung als führender Anbieter für industriell gefertigte Energiezentralen in der Immobilienbranche ausbauen, weitere Märkte erschließen und unser Portfolio um neue Produkte erweitern. Seriell produziert, einfach und schnell implementiert - genau das, was die Wärme- und Energiewende braucht. Die Technologien sind vorhanden, die Energiewende ist ein Umsetzungsthema!

www.enercube.at

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