Im Juni 2026 wurde Wien zum Dreh- und Angelpunkt der internationalen Immobilienszene. Rund 800 Teilnehmende aus 51 Nationen reisten an, um Märkte zu analysieren, neue Projekte anzustoßen und das engmaschige Netzwerk der FIABCI (Fédération Internationale des Administrateurs de Biens Conseils et Agents Immobiliers) zu feiern.
Gegründet im Jahr 1951 von fünf Ländern, darunter Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland und die USA, ist der Verband heute die älteste globale Plattform für alle Disziplinen der Bau- und Immobilienwirtschaft. Dass die 76. Ausgabe des Weltkongresses nach 37 Jahren wieder in Wien stattfand, verlieh der Veranstaltung eine ganz besondere historische Note – pünktlich zum 75-jährigen Bestehen des Weltverbandes.
Die Zukunftsfragen der Branche
Unter dem Leitmotiv "ACT – Action. Collaboration. Transformation." widmete sich das Kongressprogramm den großen Zukunftsfragen der Branche. Auf der Agenda standen unter anderem Wohnbau, Stadtentwicklung, Finanzierung, geopolitische Entwicklungen, makroökonomische Rahmenbedingungen, Leadership sowie die wachsende Bedeutung neuer Technologien.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Künstlicher Intelligenz und Entrepreneurship. In seiner Keynote zeigte Florian Gschwandtner auf, welchen Einfluss AI bereits heute auf Geschäftsmodelle, Entscheidungsprozesse und die Geschwindigkeit von Unternehmen hat. Seine Botschaft an die Immobilienbranche war eindeutig: Wer Künstliche Intelligenz lediglich beobachte, verliere an Tempo – wer sie gezielt einsetze, könne Prozesse, Skalierung und Zusammenarbeit grundlegend weiterentwickeln.
Vertieft wurden diese Themen in insgesamt 15 parallelen Break-out-Sessions. Internationale Expert:innen diskutierten dort praxisnahe Beispiele aus den Bereichen Investment, Finanzierung, Nachhaltigkeit, PropTech, Stadtentwicklung und Markttrends. Gerade die kleineren Formate boten Raum für intensive Diskussionen und persönlichen Austausch.
Viele informelle Highlights
Mindestens ebenso wichtig wie das fachliche Programm war jedoch das internationale Netzwerk selbst. Viele Begegnungen entstanden nicht während der Vorträge, sondern zwischen den Programmpunkten wie beim gemeinsamen Essen, auf Ausflügen oder beim Wiedersehen langjähriger Wegbegleiter. Genau diese Mischung aus fachlichem Austausch und persönlicher Verbundenheit prägt den Weltverband seit Jahrzehnten.
Auch die Förderung des Branchennachwuchses spielte in Wien eine zentrale Rolle. Beim Young Professionals Evening im Wien Museum, unterstützt von Generali, wurden im Rahmen der Auszeichnung "100 under 40" junge Talente der österreichischen Immobilienwirtschaft geehrt und mit internationalen Gästen vernetzt. Der Abend machte deutlich, dass Innovation nicht allein durch neue Technologien entsteht, sondern ebenso durch neue Perspektiven und starke Netzwerke.
Zu den Höhepunkten der Kongresswoche zählte außerdem die FIABCI World Prix d’Excellence Awards Ceremony in der Wiener Hofburg. Mit dem international renommierten Preis werden in 16 Kategorien Immobilienprojekte ausgezeichnet, die sowohl architektonisch als auch gesellschaftlich und nachhaltig überzeugen.
Dabei konnte auch Österreich einen internationalen Erfolg verbuchen: Das "House of Strauss" in Wien-Döbling wurde in der Kategorie "Heritage" als "WORLD SILVER WINNER 2026" ausgezeichnet. Europaweit erhielten in diesem Jahr lediglich zwei Projekte eine Auszeichnung – neben dem House of Strauss auch die Old Town Hall im ungarischen Debrecen.
Gewürdigt wurde damit die denkmalgerechte Restaurierung des Casino Zögernitz, des letzten original erhaltenen Konzertsaals weltweit, in dem die gesamte Strauss-Dynastie musiziert hat. Ziel des Projekts war es, die historische Substanz zu bewahren, ihre ursprüngliche Qualität wiederherzustellen und das Gebäude als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Kultureller Gastgeber
Neben den fachlichen Programmpunkten präsentierte sich Wien auch kulturell als Gastgeber. Wiener Sängerknaben, ein traditioneller Heurigenabend, ein Orgelkonzert im Stephansdom, Walzer-Tanzkurse, die Gala in der Hofburg sowie ein Sommernachtsball zum Abschluss sollten den internationalen Gästen die Stadt auch abseits der Konferenzräume näherbringen.
"Gute Organisation ist die unsichtbare Kunst, Räume für Erfahrungen, Begegnungen und Möglichkeiten zu erschaffen. Wenn daraus ein Kongress-Erlebnis entsteht, von dem Teilnehmer noch Jahre später erzählen, ist etwas Wunderbares gelungen", so Sandra Nova, die den Kongress gemeinsam mit Matthias Gass organisierte.
Das Farewell Dinner stand zugleich im Zeichen eines besonderen Jubiläums: FIABCI feierte weltweit sein 75-jähriges Bestehen. Im Rahmen des Sommernachtsballs erfolgte außerdem die Übergabe der internationalen Präsidentschaft. Antonio Compagnoni aus Italien übergab sein Amt an die neue FIABCI World Präsidentin Lily Chang aus Taiwan, die mit einer rund 150-köpfigen Delegation nach Wien gereist war.
Auch für Gastgeber Matthias Gass bleibt der Kongress weit über die Veranstaltungswoche hinaus von Bedeutung: "Der 76. Weltkongress in Wien hat gezeigt, dass FIABCI eine globale Community ist, in der fachlicher Austausch, Vertrauen und persönliche Freundschaften Platz haben. ACT war für uns kein Motto, sondern ein Auftrag: ins Handeln kommen, Partnerschaften stärken und Transformation möglich machen. Ich bin froh, dass wir den Kongress nach 37 Jahren wieder nach Wien bringen und gemeinsam erfolgreich veranstalten konnten. Es zeigt, was möglich wird, wenn ein engagiertes Team an eine Idee glaubt und sie mit voller Kraft realisiert", so der Präsident von FIABCI Austria.
Mit der symbolischen Übergabe der FIABCI-Flagge an das nächste Gastgeberland endete der Weltkongress in Wien. 2027 übernimmt Toronto die Ausrichtung der internationalen Veranstaltung.
www.fiabci.at/congress