Die Oper Graz erhält mit der Spielzeit 2028/29 eine neue geschäftsführende Intendantin. Der Aufsichtsrat der Bühnen Graz hat Marlene Hahn bestellt und folgt damit der einstimmigen Empfehlung der Hearing-Kommission. Dem Beschluss war ein mehrstufiges Auswahlverfahren vorausgegangen, das von der Personalberatungsagentur "Kulturexperten" begleitet wurde. Insgesamt bewarben sich 26 Personen um die Leitung des Opernhauses. Nach einer Longlist, einer ersten Vorstellungsrunde und einem abschließenden Hearing sprach sich die Kommission einstimmig für Marlene Hahn aus.
Klare Anforderungen an die künftige Intendanz
Für die Eigentümer:innen standen bei der Besetzung der Intendanz drei wesentliche Ziele im Mittelpunkt. Die Oper Graz soll ihre hohe künstlerische Qualität und internationale Sichtbarkeit sichern, ihre Bedeutung innerhalb der Stadt weiter ausbauen und verstärkt jüngere Besucher:innen ansprechen. Gleichzeitig gelte es, angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln und neue Wege zu gehen. Die Hearing-Kommission und der Aufsichtsrat seien überzeugt, mit Marlene Hahn eine Persönlichkeit gefunden zu haben, die diese Anforderungen erfülle. Sie verbinde künstlerische Kompetenz mit gesellschaftlicher Offenheit und wirtschaftlichem Verantwortungsbewusstsein und bringe aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit in Leipzig beste Voraussetzungen mit, die Oper Graz in die nächste Entwicklungsphase zu führen.
Rückkehr an eine bekannte Wirkungsstätte
Für Hahn bedeutet die Bestellung zugleich eine Rückkehr an ein Haus, das sie bereits bestens kennt. Von 2015 bis 2022 war sie als Musik- und Ballettdramaturgin an der Oper Graz tätig. In dieser Zeit gestaltete sie zahlreiche Produktionen mit, entwickelte neue Vermittlungsformate und baute Kooperationen mit regionalen Institutionen auf. Als Autorin und Regisseurin verantwortete sie unter anderem die Produktionen "Hotel Elefant" und "The Corridor", mit denen sie Musiktheater an außergewöhnlichen Orten und in neuen Erzählformen umsetzte.
Erfahrung aus Leipzig und Augsburg
Seit Beginn der Spielzeit 2022/23 ist Hahn Chefdramaturgin der Oper Leipzig und Mitglied des dortigen Leitungsteams. Dort war sie maßgeblich am konzeptionellen Neustart des Hauses beteiligt und verantwortete strategische sowie dramaturgische Entwicklungen. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Sparte 360°, die neue Zugänge zum Musiktheater schaffen soll. Dazu gehören inklusive Angebote wie Live-Audiodeskriptionen, Relaxed Performances oder Konzerte für Menschen mit Demenz ebenso wie Projekte mit Schulen und sozialen Einrichtungen. Ziel sei es, neue Publikumsschichten für das Musiktheater zu gewinnen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
Darüber hinaus entwickelte Hahn innovative Aufführungsformate. Produktionen wie "Majesty and Madness" oder der immersive Parcours "Unterwelten" verließen bewusst den klassischen Bühnenraum und bezogen neue Orte in das künstlerische Geschehen ein. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Organisationsentwicklung prägten ihre Arbeit. Gemeinsam mit Marketing und Vertrieb führte sie an der Oper Leipzig ein Corporate-Newsroom-Modell ein, das die Zusammenarbeit innerhalb des Hauses neu strukturierte. Nach dem Ausscheiden von Intendant Tobias Wolff übernahm sie zusätzliche Verantwortung und begleitete die strategische Stabilisierung der Oper Leipzig in einer Übergangsphase.
Vor ihrem Wechsel nach Graz war Hahn am Staatstheater Augsburg tätig, zunächst als Regieassistentin, später als Dramaturgin für Musiktheater, Konzert und Ballett. Dort verantwortete sie unter anderem die künstlerische Leitung des Opernballs. Internationale Erfahrung sammelte sie außerdem während eines beruflichen Aufenthalts in New York im Bereich Sales und Marketing.
Breites künstlerisches Profil
Die neue Intendantin studierte Germanistik, Kunstgeschichte sowie Ethik der Textkulturen an der Universität Augsburg. Neben ihrer dramaturgischen Arbeit ist sie als Regisseurin und Autorin eigener Musiktheaterprojekte tätig. Außerdem engagiert sie sich als Mentorin an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig und war Mitglied der Jury des RING Awards. Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere Auszeichnungen, darunter den Österreichischen Theaterpreis sowie den Augsburger Theaterpreis. Mit Projekten der Oper Leipzig wurden zudem unter ihrer Mitwirkung unter anderem der ICMA Award und ein Red Dot Award vergeben.
Eigentümer:innen sehen Oper gut aufgestellt
Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl bezeichnete die Oper Graz als kulturelles Aushängeschild der Steiermark, das weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genieße. Mit Marlene Hahn übernehme eine Persönlichkeit die Verantwortung, die "künstlerische Qualität, Offenheit für neue Zielgruppen und wirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein miteinander verbindet". Er zeigte sich überzeugt, dass sie die Oper Graz "mit neuen Impulsen erfolgreich in die Zukunft führen wird", und sprach zugleich dem bisherigen Intendanten Ulrich Lenz seinen Dank für dessen engagierte Arbeit der vergangenen Jahre aus.
Auch Beteiligungsstadtrat Manfred Eber hob hervor, dass die Bestellung das Ergebnis eines transparenten Auswahlverfahrens sei. Die fachliche Beurteilung habe bei einer unabhängigen Kommission gelegen, deren Vorschlag nun auch politisch mitgetragen werde. Marlene Hahn wünsche er "alles Gute für ihre neue Aufgabe und viel Erfolg bei der Weiterentwicklung der Bühnen Graz".
Kulturstadträtin Claudia Unger würdigte zunächst die Arbeit von Ulrich Lenz, der die Oper Graz noch durch die kommenden beiden Spielzeiten führen werde. Gleichzeitig betonte sie, Marlene Hahn kenne sowohl die Stadt als auch das Opernhaus aus ihrer früheren Tätigkeit. Trotz zunehmend schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen sei sie überzeugt, dass Hahn die Erfolgsgeschichte der Grazer Oper fortschreiben werde. Mit den Worten "Willkommen zurück!" begrüßte sie die künftige Intendantin.
www.buehnen-graz.com
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