"Ghost Jobs"
Jede zweite Personalabteilung schreibt Stellen aus, die sie gar nicht besetzen will

| Larissa Bilovits 
| 09.07.2026

Wer sich schon einmal beworben und danach nie wieder etwas gehört hat, war vielleicht gar nicht zu schlecht qualifiziert. Möglicherweise gab es die Stelle schlicht nie.

Die Jobsuche ist heutzutage oft ein zähes Geschäft. Endlose Formulare, Bewerbungsverfahren, die sich über Wochen ziehen, generische Absagemails und immer wieder dieselbe Frage, warum es diesmal wieder nicht gepasst hat. Im schlimmsten Fall erhält man nach dem Abschicken der Bewerbung sogar überhaupt keine Antwort. Dieses Phänomen, das inzwischen immer häufiger auftritt, nennt sich "Ghosting". Eine Erhebung des Karriereportals LiveCareer unter 918 Personalfachleuten in den USA (siehe Infobox) zeigt nun, dass hinter dem großen Schweigen ein System steckt – und viele Bewerber:innen aus einem ziemlich unerwarteten Grund leer ausgehen.

Wenn die Stelle nur auf dem Papier existiert

Dass Jobsuchende oft vergeblich auf eine Antwort warten, könnte nämlich auch daran liegen, dass manche Stellen nie wirklich offen waren. So geben 45 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen in der Studie zu, regelmäßig Stellen auszuschreiben, die sie gar nicht zu besetzen gedenken. Weitere 48 Prozent tun das zumindest gelegentlich, etwa um für Saisonspitzen gewappnet zu sein oder eine Reserve an Kandidat:innen aufzubauen. Fünf Prozent setzen solche "Ghost Jobs" nur unter besonderen Umständen ein. Wer grundsätzlich darauf verzichtet, ist mit zwei Prozent klar in der Minderheit.

Beachtlich ist auch, dass 43 Prozent die Stellenanzeigen ihrer sogenannten "Ghost Jobs" zwischen ein und vier Wochen online lassen, weitere 37 Prozent ein bis drei Monate. Und fünf Prozent gaben sogar an, dass solche Anzeigen im Zweifel zeitlich unbegrenzt sichtbar bleiben dürfen.

Auch beim Ghosting sind die Rollen klar verteilt

Aber nicht nur viele Inserate führen ins Leere, oft auch der Kontakt danach – selbst wenn die Stellen tatsächlich echt sind. Laut Studie geben 69 Prozent der Personalverantwortlichen zu, eine Ausschreibung häufig einfach zu schließen und sich bei den Bewerber:innen nie wieder zu melden. Nur drei Prozent behaupten von sich, konsequent Bescheid zu geben, selbst wenn eine Position längst vergeben ist.

Die Gründe für das plötzliche Schweigen sind so banal wie ernüchternd. 37 Prozent verloren schlicht das Interesse, wollten aber keine offizielle Absage aussprechen. Bei 28 Prozent wurde die Stelle auf Eis gelegt, bei 27 Prozent hatten sich die Prioritäten verschoben. Die Bewerbung selbst ist also nicht unbedingt schlecht, wenn man keine Antwort erhält.

Der Frust der Abgewiesenen bleibt nicht ungehört

Ganz spurlos geht das Ghosting an den Betroffenen nicht vorbei. 47 Prozent der Unternehmen berichten, mehrfach Beschwerden über ihre Ghost Jobs kassiert zu haben, weitere 49 Prozent hören zumindest hin und wieder Kritik. Nur vier Prozent geben an, keine Beschwerden von Bewerber:innen zu kennen.

"Personalverantwortliche stehen unter enormem Druck, Spitzenkräfte zu gewinnen, und ich verstehe, dass dies die Strategien zur Einstellung negativ beeinflussen kann. Doch der weitverbreitete Einsatz von Ghost Jobs birgt die Gefahr, das Vertrauen der Bewerber:innen zu untergraben und das Ökosystem der Personalbeschaffung zu stören", erklärt Jasmine Escalera, Karriereexpertin bei LiveCareer, und ergänzt: "Um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, müssen Arbeitgeber:innen sich zu mehr Transparenz und klarerer Kommunikation während des gesamten Rekrutierungsprozesses verpflichten."

www.livecareer.de

Über die Studie

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Umfrage unter 918 Personalfachleuten in den USA am 25. März 2025 erhoben. Die Teilnehmer:innen wurden zu ihren Erfahrungen mit der Veröffentlichung von Stellenanzeigen befragt, die sie nicht zu besetzen beabsichtigen, zum Abbruch des Kontakts mit potenziellen Bewerber:innen sowie dazu, während des Einstellungsprozesses von Bewerbern ignoriert zu werden. Sie beantworteten verschiedene Arten von Fragen, darunter Ja/Nein-Fragen, offene Fragen, Fragen mit Bewertungsskala, bei denen die Befragten angaben, inwieweit sie den Aussagen zustimmen, sowie Multiple-Choice-Fragen, bei denen sie aus einer Liste vorgegebener Optionen auswählen konnten.

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Über die Studie

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Umfrage unter 918 Personalfachleuten in den USA am 25. März 2025 erhoben. Die Teilnehmer:innen wurden zu ihren Erfahrungen mit der Veröffentlichung von Stellenanzeigen befragt, die sie nicht zu besetzen beabsichtigen, zum Abbruch des Kontakts mit potenziellen Bewerber:innen sowie dazu, während des Einstellungsprozesses von Bewerbern ignoriert zu werden. Sie beantworteten verschiedene Arten von Fragen, darunter Ja/Nein-Fragen, offene Fragen, Fragen mit Bewertungsskala, bei denen die Befragten angaben, inwieweit sie den Aussagen zustimmen, sowie Multiple-Choice-Fragen, bei denen sie aus einer Liste vorgegebener Optionen auswählen konnten.

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