Der IT-Sektor zählt zu den kräftigsten Wachstumsmotoren des Landes. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Branchenstudie des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sowie des Verbands Österreichischer Software Innovationen (VÖSI), durchgeführt vom Institut Economica unter der Leitung von Christian Helmenstein. Demnach steuert die IT-Wirtschaft 8,85 Prozent zur gesamten Wertschöpfung bei und legt damit doppelt so schnell zu wie die österreichische Gesamtwirtschaft.
Stärker als die Energiewirtschaft
Mit einem Anteil von 8,85 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung liegt der Beitrag der Branche im weiteren Sinn nahezu doppelt so hoch wie jener der Baubranche, in der Kerndefinition erreicht er das Niveau der Energiewirtschaft. Seit 2019 ist die Wertschöpfung des Sektors weit gefasst um 54 Prozent gewachsen. Der Kernbereich der IT übertrifft mittlerweile sogar die direkte Wirtschaftsleistung der Energieversorgung.
"Die IT-Branche bildet das Rückgrat der digitalen Transformation. Unsere Studie macht dies nun zum zweiten Mal in ihrem vollen Umfang sichtbar: Der IT-Sektor im weiteren Sinn erwirtschaftet 40,5 Mrd. Euro an Bruttowertschöpfung – das sind 8,85 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Schon der Kernbereich der IT (z. B. Softwareentwicklung, Programmierung und IT-Beratung) übertrifft mit 16,5 Mrd. Euro die direkte Wirtschaftsleistung der Energieversorgung. Die IT ist längst eine Schlüsselindustrie. Sie wächst seit 2019 real um 18 Prozent und wirkt damit in herausfordernden Zeiten expansiv", erklärt Studienleiter Helmenstein.
Mehr IT-Beschäftigte als Graz Einwohner:innen hat
In IT-Berufen arbeiten 6,63 Prozent aller Erwerbstätigen des Landes, direkt oder indirekt – das sind mehr Menschen, als die Stadt Graz Einwohner:innen zählt. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre ist die Beschäftigung in der Branche um 38 Prozent gestiegen. 50 Prozent der IT-Wertschöpfung und 43 Prozent der Beschäftigung entfallen dabei auf Wien. Auch fiskalisch fällt der Sektor ins Gewicht. Die 14,7 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben entsprechen dem gesamten Körperschaftsteueraufkommen Österreichs und 10,2 Prozent des Abgabenaufkommens 2025.
Für VÖSI-Präsidentin Doris Lippert bestätigt die Studie eine langjährige Beobachtung des Branchenverbands: "Österreichs IT-Branche ist ein zentraler Pfeiler unserer wirtschaftlichen Zukunft. Mit 8,85 Prozent Anteil an der gesamten Wertschöpfung und 322.513 Beschäftigten ist die IT ein Schwergewicht der österreichischen Wirtschaft. Jeder Euro, der in IT fließt, erzeugt überdurchschnittliche Effekte – direkt, indirekt und induziert."
Auf die regionale Konzentration in Wien und die hohe Investitionsintensität verweist auch Helmenstein: "31.500 Beschäftigte sichern mit überdurchschnittlichen Löhnen ein leistungsfähiges IT-Ökosystem."
Ruf nach aktiver Standortpolitik
Martin Puaschitz, IT-Sprecher des Fachverbands UBIT, rückt wiederum die standortpolitische Dimension in den Vordergrund: "Österreichs IT ist ein zentraler Wertschöpfungsmotor, denn jeder elfte Euro in Österreich wird durch IT erwirtschaftet. Damit schafft unsere Branche Wohlstand, Einkommen und öffentliche Einnahmen, und das direkt in den Unternehmen und über Zulieferer, Investitionen und Konsum. Wer über digitale Transformation spricht, muss daher über Standortpolitik sprechen."
Dieselbe Stoßrichtung verfolgt Lippert – für sie seien diese Zahlen ein Auftrag: "Österreich braucht eine aktive Standortpolitik, die digitale Souveränität stärkt, Fachkräfte sichert und Innovation beschleunigt. Die IT-Branche ist bereit – und sie ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Digitale Souveränität ist kein Luxus, sie ist eine Voraussetzung für den Wirtschaftsstandort Österreich."
"Unternehmen bewerten digitale Souveränität sehr hoch und prüfen Alternativen zu nicht-europäischen Lösungen. Genau hier braucht es faire Rahmenbedingungen, mehr öffentliche Nachfrage nach heimischen und europäischen IT-Lösungen, Fachkräfte- und Innovationspolitik, ein klares Standortbekenntnis", appelliert Puaschitz, und ergänzt: "Österreichs IT produziert nicht nur Technologie: Sie produziert Wertschöpfung, Sicherheit und Handlungsfähigkeit."
Die Rolle der Software als Innovationsmotor betont schließlich VÖSI-Vizepräsident Peter Lieber: "Software ist heute weit mehr als eine eigene Branche. Sie ist die Innovationskraft hinter Industrie, Gesundheit, Energie und Verwaltung." Der Erfolg der Branche sei allerdings nicht selbstverständlich und erfordere aktives Handeln, so Lieber abschließend.
www.voesi.or.at
www.wko.at/ubit
www.economica.eu
Kommentar veröffentlichen