Schwerpunkt Nudeln, Sugo, Saucen
Wie viel Zaster bringt die Pasta?

| Johannes Lau 
| 27.05.2026

Der Nudelmarkt ist derzeit nicht wirklich al dente: Die Zahlen der einzelnen Produzenten schwanken deutlich und auch sonst bekommt KEYaccount derzeit von den Herstellern ganz verschiedene Lageberichte. 

Auch wenn die Konsumzurückhaltung weiter anhält: Nudeln sind weiterhin sehr gefragt – etwa beim Marktführer: "Barilla Österreich konnte 2025 ein erfolgreiches Geschäftsjahr verzeichnen", berichtet Österreich-Geschäftsführer Matthias Spiess. Ab- wie Umsatz haben sich mit einem Plus von elf Prozent bzw. fünf Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt überdurchschnittlich verbessert. "Wir konnten unsere Marktführerschaft im Absatz weiter ausbauen und auch den Umsatzmarktanteil um 0,8 Prozentpunkte."

Pesto als Hoffnungsmarkt

Ähnlich sieht es bei den Saucen aus: "Bei ungekühlten Sughi und Pesti entwickelt sich vor allem Pesto sehr dynamisch und wächst sowohl in Umsatz auch als im Absatz mit sieben und vier Prozent." Auch beim Sugo habe sich 2025 eine stabile Entwicklung gezeigt, sodass in diesem Produktbereich ebenso Marktanteile ausgebaut und der oberste Platz auf dem Podest weiter verteidigt werden konnte. Daher blickt Spiess optimistisch auf das aktuelle Geschäftsjahr: "Für 2026 erwarten wir eine weiterhin positive Entwicklung, getrieben durch mehrere zentrale Faktoren: Wir sehen bereits ein stark dynamisch wachsendes Pesto-Segment. Gleichzeitig setzen wir auf Neueinführungen, die gezielt auf Konsumententrends eingehen und neue Kaufanreize schaffen." Die guten Zahlen bedeuten aber nicht, dass die Krise an Barilla spurlos vorbei geht: "Die gestiegene Preissensitivität führt dazu, dass Konsument:innen stärker auf Aktionen achten und gezielter einkaufen. Der enorme Preis-Fokus und gestiegene Aktionsanteil nimmt stetig zu, was zusätzlichen Druck auf Industriemarken sowie den Handel ausübt. Insgesamt agieren wir in einem herausfordernden Umfeld, das hohe Flexibilität und klare Mehrwertkommunikation erfordert."

Da die Nachfrage bei Barilla jedoch zuletzt offenbar nicht nachgelassen hat, fragt sich, wozu die Konsument:innen trotz schmalerem  Geldbörserl  vor allem greifen. Spiess antwortet: "Konsument:innen fragen aktuell verstärkt Produkte nach, die Genuss mit einem ausgewogenen Ernährungsprofil verbinden." Neben dem anhaltenden Proteintrend rücke zudem das Thema Ballaststoffe stärker in den Fokus. Darauf habe man zuletzt etwa mit glutenfreien und veganen Risoni auf Hülsenfruchtbasis reagiert. "Gleichzeitig sehen wir, dass Premium-Teigwaren, etwa aus italienischem Hartweizengrieß oder Bronze-Matrizen, weiterhin klar wachsen." Die entsprechenden Premium-Linien wurden daher gezielt um neue Formen erweitert. "Auch das Thema Veganismus gewinnt weiter an Bedeutung." Ebenso wie nachhaltigere Produkte:  "Nachhaltigkeit spielt entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine zentrale Rolle, von ausgewählten Rohstoffen über verantwortungsvolle Lieferketten bis hin zu Verpackung und Produktion. Unser Anspruch ist es, Konsument:innen Produkte anzubieten, die sowohl geschmacklich überzeugen als auch einen bewussteren Konsum unterstützen."

Schlechte Kauflaune

Solche großen Sprünge wie die italienische Konkurrenz konnten die heimischen Mitbewerber nicht machen. Bei Recheis zeigt man sich dennoch zufrieden. Marketing- und Verkaufsleiter Peter Dellemann: "Recheis hat einen Markanteil von 30,8 Prozent und ist damit auf einem stabilen hohen Niveau." Angesichts der aktuell gesamtsituationsbedingten schlechten Kauflaune, die auch Recheis als Markenartikelhersteller spüre; würde sich Dellemann freuen, wenn der Umsatz heuer zumindest gleichbliebe. Schließlich habe Recheis zuletzt schon einen leichten Konsumrückgang um zwei Prozent verzeichnen müssen. Positiv dagegen entwickelt sich aber vor allem unter anderem das glutenfreie Sortiment: Mit einem Segmentsanteil von 30,5 Prozent und einem Umsatzplus von 23 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres sei man hier die Nummer 1 auf dem Markt. Weniger gut entwickeln sich jedoch Teigwaren aus Hülsenfrüchten, was andere Mitbewerber ja eigentlich derzeit als ihr Trendsegment benennen. Auf die Frage nach den derzeitigen Herausforderungen bekommt man aber eine ähnliche Antwort, wie auch anderswo in der Branche: "Definitiv die Konsumzurückhaltung bzw. geringe Kauflaune, sowie steigende Kosten bei Personal, Energie, Logistik etc."

In die Nischen

Bei Wolf Nudeln wird Geschäftsführer Joachim Wolf noch deutlicher und benennt zusätzlich ein seiner Meinung nach heimisches Problem: Die Lage habe sich vor allem im vergangenen Jahr im Zuge der Diskussion um den "Österreich-Aufschlag" verschärft. Nachdem im vergangenen Jahr vor allem die heimischen Hersteller für die hohen Preise verantwortlich gemacht wurden, habe sich die Verunsicherung der Konsument:innen in den eigenen Bilanzen sofort spürbar sichtbar gemacht: "Die ersten Monate hat alles so weit gepasst. Dann haben aber viele Hersteller Marktanteile verloren, sodass es nur gerauscht hat." Seitdem greifen Konsument:innen noch einmal mehr zu günstigeren ausländischen Produkten und Eigenmarken. Sein Unternehmen selbst habe rund 0,7 Prozent Anteil am Markt (derzeit rund neun Prozent) verloren, was einen entsprechenden Umsatzrückgang – nämlich um 4,5 Prozent bedeutet. Im aktuellen Geschäftsjahr sehe es derzeit nicht besser aus: "Leider setzt sich die Talfahrt fort. In den Köpfen der Konsumenten ist weiter drin: ‘Wir müssen billig einkaufen, weil wir sonst verhungern.’"

Die Lebensmittelproduzenten für die hohen Preise verantwortlich zu machen, hält Wolf jedoch für äußerst unfair: Die Branche sei schließlich nicht für die Inflation verantwortlich und regionale Qualitätsprodukte haben eben ihren der Marktsituation geschuldeten Preis: "Die gesamte Wertschöpfung unserer Produkte, die wir in den Handel bringen, stammt aus Österreich. Es wird überall propagiert, dass die österreichische Wirtschaft gestärkt und österreichische Produkte verarbeitet werden sollen. Dann sollte die Politik auch einmal für uns Werbung machen."

Auf die Mehrwertsteuersenkung ist Wolf ebenso nicht gut zu sprechen: "Das bringt für uns nichts. Das kann ich jetzt schon sagen." Die Lage ist in Güssing also gerade nicht besonders rosig: Personal wurde bereits reduziert. Ans Aufgeben denkt Wolf aber keineswegs und gibt sich kämpferisch. Wie gedenkt er konkret auf diese Krise zu reagieren?  Gegen die Produktionsmengen internationaler Firmen komme man nicht an, das etablierte Sortiment decken auch die Handelsmarken schon fast zur Gänze ab und weniger preisbewusste Konsument:innen kaufen entsprechende Premiumartikel als Original – ergo z. B. aus Italien. Sich auf seinen gut etablierten Markennamen zu verlassen, reiche da eben längst nicht aus: "Entscheidend ist der Marktanteil und den muss man sich erarbeiten. Wir versuchen daher noch mehr in die Nischen zu gehen. Premium-Produkte haben wir ja schon immer produziert."   

www.barilla.com

www.recheis.com

www.wolfnudeln.at

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