Konjunkturprognose für Österreich
OeNB rechnet für 2024 mit Inflationsrückgang auf rund 3,5 Prozent

| Tobias Seifried 
| 21.03.2024

Weiters geht die Nationalbank davon aus, dass die Wirtschaft heuer auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrt und die Inflationsdifferenz Österreichs zum Euroraum in den kommenden Jahren nicht komplett geschlossen werden kann.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat die Ergebnisse ihrer März-Interimsprognose für Österreich veröffentlicht. Darin geht sie von einer Inflationsrate von 3,6 Prozent im Jahr 2024 aus. In den Jahren 2025 und 2026 soll die Teuerungsrate weiter auf 2,7 Prozent sowie 2,3 Prozent sinken. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate werde über den gesamten Prognosehorizont über der harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI)-Inflation liegen.

Zudem geht die Notenbank davon aus, dass fallende Inflationsraten und steigende Realeinkommen zu einer moderaten Konjunkturbelebung führen werden. Das Wirtschaftswachstum werde im Jahr 2024 mit 0,5 Prozent wieder ins Plus drehen so die OeNB in ihrer Prognose. Für 2025 rechnet sie mit einer Beschleunigung auf 1,8 Prozent. Das Wohnbaupaket der Bundesregierung, dessen erste Teile am Mittwoch (20. März) beschlossen wurden, dürfte die Konjunktur um jeweils rund 0,1 Prozentpunkte in den Jahren 2024 und 2025 stützen.

HVPI-Inflationsrate stark rückläufig

Nachdem die österreichische HVPI-Inflationsrate im Jänner 2023 mit 11,6 Prozent einen Höchstwert erreichte, ging sie bis Februar 2024 auf 4,2 Prozent zurück. Fiskalische Maßnahmen wie die Strompreisbremse und der Netzkostenzuschuss hätten die Inflation im Energiesektor erheblich gedämpft. Aber auch der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln und Industriegütern ohne Energie habe sich verlangsamt. Bis 2026 erwartet die OeNB einen weiteren Rückgang der HVPI-Inflation auf 2,3 Prozent

Laut OeNB-Interimsprognose vom März 2024 wird die HVPI-Inflationsrate 2024 auf 3,6 Prozent sinken und sich damit gegenüber dem Vorjahr mehr als halbieren. In den Folgejahren sei mit einem weiteren, aber nur noch schwächerem Rückgang zu rechnen. Gegenüber der Dezember-Prognose bedeutet das eine Abwärtsrevision in allen drei Jahren. Besonders im Jahr 2024 würden die geänderten Annahmen für Energiepreise inflationsdämpfend werken, da die Energiepreise im gesamten Prognosehorizont sinken dürften.

Auch die Teuerung im Dienstleistungssektor geht laut der Notenbank zurück, bleibe aber auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Die gute Entwicklung der Tourismusnachfrage sei dafür mit ausschlaggebend. Hinzu komme ein steigender Lohndruck aufgrund der verzögerten Inflationsabgeltung. Während die auslaufenden fiskalpolitischen Maßnahmen 2025 und 2026 den Rückgang der Inflationsrate bremsen werden, soll die Auflösung der Lieferengpässe und die unterdurchschnittliche wirtschaftliche Entwicklung zu einem raschen Rückgang der Inflationsrate im Industriegütersektor (ohne Energie) beitragen.

Inflationsdifferenz zum Euroraum

Die Inflationsdifferenz Österreichs zum Euroraum belief sich 2023 auf etwas mehr als zwei Prozentpunkte. Anfang 2024 hat sich der Inflationsabstand auf rund 1,5 Prozentpunkte verringert. Bis 2026 werde er auf 0,6 Prozentpunkte zurückgehen. Eine vollständige Schließung des Inflationsabstandes wird von der OeNB nicht erwartet, da die Inflationsentwicklung im österreichischen Dienstleistungssektor auch mittelfristig über jener im Euroraum liegen dürfte.

Wenig Revisionsbedarf zur BIP-Prognose 

Beginnend mit dieser Veröffentlichung wird die OeNB laut eigenen Angaben ab sofort jeweils Anfang März und September nicht nur eine detaillierte Inflationsprognose, sondern auch ein Update der Konjunkturaussichten veröffentlichen. Dabei werden auf Basis der internationalen Rahmenbedingungen der aktuellen EZB- Prognose und der OeNB-Kurzfristprognose die Entwicklung der Arbeitslosenquote und des Wirtschaftswachstums in Österreich prognostiziert.

Laut aktueller OeNB-Kurzfristprognose werde die österreichische Volkswirtschaft in den ersten beiden Quartalen 2024 um 0,2 Prozent bzw. 0,4 Prozent wachsen. Die Wirtschaft soll somit nach der Rezession im Jahr 2023 wieder auf einen moderaten Wachstumspfad einschwenken. Stützend würden die hohen Zuwächse bei den Nettorealhaushaltseinkommen wirken. Hier machen sich der Prognose zufolge die fallenden Inflationsraten bei gleichzeitig steigenden Nominallöhnen bemerkbar. Für das Gesamtjahr 2024 ergibt sich demnach ein Wachstum von 0,5 Prozent. 2025 beschleunigt sich die Entwicklung und das Wachstum steigt auf 1,8 Prozent. Damit wird die OeNB-Prognose vom Dezember 2023 im Wesentlichen bestätigt (2024: 0,6 Prozent; 2025: 1,7 Prozent). 

www.oenb.at

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