Österreich hat einen neuen Journalistenpreis – und das sind die Preisträger

Erster "Hans-Ströbitzer-Preis" geht an ORF-Journalistin und eine echte Branchenlegende.

Der Pressverein in der Diözese St. Pölten hatte heuer erstmals den "Hans Ströbitzer-Preis" ausgeschrieben. Benannt ist dieser Journalistenpreis nach dem langjährigen Chefredakteur der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN), Hans Ströbitzer, der 2020 seinen 90. Geburtstag begangen hätte.

Sein Zugang und seine Persönlichkeit geben für diesen Preis die Richtung vor: "Ein Journalismus aus einem christlichen Weltbild heraus, kritisch, aber mit Respekt und stets auf die Würde des Menschen bedacht, nachhaltig wirksam, verantwortungsvoll und letztlich immer konstruktiv", so die ausrichtende Stelle, der nierderösterreichische Pressverein.

Die Preisträger: Verena Gleitsmann und Hugo Portisch

Unter den zahlreichen Nominierungen etlicher Qualitätsmedien wählte eine namhafte Jury Verena Gleitsmann (33) vom ORF auf den ersten Platz. Zweitplatziert wurde Markus Glück (33) von den NÖN Melk und dritter Daniel Seper (34) von Miteinander, der Zeitschrift des Canisius-Werkes.

Die Jury vergab auch einen Ehrenpreis für das Lebenswerk an Journalistenlegende Hugo Portisch. Für den heute 93-jährigen Portisch schließt sich mit dieser Ehrung ein Kreis, da er eine besondere Beziehung zu St. Pölten und zum Pressverein besitzt: Er machte seine ersten journalistischen Gehversuche 1947 als Praktikant in der Wiener Redaktion der St. Pöltner Zeitung, die vom Pressverein herausgegeben wurde. Deren Chefredakteur war sein Vater Emil Portisch, der nach seiner Flucht aus der Slowakei bei Verwandten in St. Pölten unterkam Sein Sohn Hugo Portisch gründete dann 1954 den Kurier mit und war später jahrzehntelang eines der Aushängeschilder des ORF.

"Pressefreiheit endet dort, wo sie in Narrenfreiheit entartet"

Nachdem die Preisverleihung nicht als Festakt im Stift Herzogenburg stattfinden konnte, werden die Preise an die Preisträger jeweils in kleinem Rahmen übergeben.

In seiner Laudatio meinte Heinz Nussbaumer, Herausgeber der Furche und langjähriger Freund Portischs, dieser sei "ein Kompass für Wissen und Gewissen in unserem so oft als windig diskreditierten Beruf". Journalisten hätten einen Auftrag, "den es nicht ohne Verantwortung geben kann. Weil Pressefreiheit dort endet, wo sie in Narrenfreiheit entartet". Von Portisch habe er gelernt, "dass wir Journalisten keine Mitspieler in Politik, Wirtschaft oder Kultur sind und sein sollen, auch keine Drehbuchautoren oder Regisseure des Geschehens, sondern nur Dienstleister am Bürger". 

Über die Preisträger

Verena Gleitsmann wuchs in Gießhübl (NÖ) auf, studierte Jus und Politikwissenschaften und absolvierte die Katholische Medien Akademie. Nach Praktika bei Furche, Kleiner Zeitung und APA arbeitet sie seit 2010 für den ORF. Derzeit ist sie Auslandskorrespondentin in Berlin. Sie überzeugte die Jury durch ihre Kompetenz, ihre ausgewogene und menschlich respektvolle Berichterstattung und sie verlor trotz ihrer internationalen Berichterstattung nie ihr Heimatbundesland aus den Augen. ORF-Auslandschef Roland Adrowitzer hob den unermüdlichen und beharrlichen Arbeitseinsatz hervor, an allen Stätten ihres Wirkens. Schon zu Beginn habe man ihr Talent erkannt und freue sich über eine ebenso liebenswürdige wie hochkompetente Mitarbeiterin.

Verena Gleitsmann betonte in ihrer Dankesrede, sie sehe es als ihre Aufgabe, Dinge zu erklären, die zunächst unverständlich erschienen. Als Beispiel nannte sie den Maisbauern aus Oregon, der den Niedergang der Stahlindustrie und den Preisverfall für seine Produkte erlebt und dann für Trump stimmt. "Ich kann es nicht verstehen, aber ich kann erklären, warum er das tut."

Markus Glück wurde mit 19 Jahren Journalist, neben seinem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften. Mit 29 Jahren übernahm er die Leitung der Lokalredaktion in Melk. Daniel Seper ist promovierter Theologe, unterrichtet an der Uni Wien, ist gebürtiger Kärntner und lebt in Ziersdorf, Niederösterreich. Seit Jahren schreibt er ehrenamtlich für die Zeitschrift Miteinander des Canisiuswerkes.

Insgesamt 5.000 Euro an Preisgeld

Die Preise, die zu einem großen Teil von der Schoellerbank gesponsert wurden, sind insgesamt mit 5.000 Euro dotiert. Förderpreise, gestiftet vom Kuratorium für Journalistenausbildung, gehen an drei junge Nachwuchstalente des St. Pöltner Magazins MfG: Thomas Winkelmüller (22), Johannes Mayerhofer (29) und Sascha Harold (29). (red)

www.pressverein.at

www.noen.at

www.schoellerbank.at

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Die Jury

  • Katharina Brandner (Medienreferentin der Diözese St. Pölten)
  • Michael Prüller (Sprecher Erzbischof Kardinal Schönborn)
  • Michaela Stefan-Friedl (langjährige Sprecherin Raiffeisen NÖ-Wien)
  • Engelbert Washietl (Gründer Initiative Qualitätsjournalismus)
  • Stefan Ströbitzer (Medienberater)
  • Robert Zauchinger (früherer stellvertretender Chefredakteur der NÖN unter Hans Ströbitzer)
  • Rudolf Mitlöhner (ehemaliger Chefredakteur Die Furche und nun Innenpolitik Kurier)
  • Gudula Walterskirchen (Obfrau Pressverein)

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