Sophie Karmasin will stupsen statt strafen

Die Meinungsforscherin hat untersucht, warum die Österreicher eigentlich wissen was zu tun ist, sich aber systematisch anders verhalten.

Warum gehen wir bei rot über die Ampel wenn wir wissen, dass es strafbar und gefährlich ist? In vielen Bereichen weiß der Mensch, was gut für ihn oder die Umwelt ist. Dennoch handeln wir nicht immer danach. Mit der Lücke zwischen Einstellung und Verhalten, dem sogenannten "Mind Behaviour Gap", hat sich die Meinungsforscherin Sophia Karmasin auseinandergesetzt.

Die Lücke zwischen Einstellung und Verhalten

Um die Lücke zwischen Einstellung und Verhalten zu schließen, führen Verbote meist nicht zum Ziel und freiwillige Verhaltensänderungen gehen auch nicht weit genug. Um mehr Anreize für Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, greift die Politik mittlerweile auch auf Erkenntnisse der Verhaltensökonomie zurück. "Nudging“ – das sanfte Anstupsen in die gewünschte Richtung – soll Politik und Verwaltung zukunftstauglicher machen.

Das "Nuding" kann auch mit Hilfe von psychologischen Tricks erreicht werden, etwa indem gesunde Lebensmittel im Supermarkt im Regal so eingeräumt werden, dass sie für die Kunden leicht erreichbar sind, während die ungesunden Lebensmittel an schwerer erreichbaren Stellen gelagert werden.

"Politik für Menschen muss Menschen verstehen"

Karmasin hat in ihrer Studie herausgefunden, dass etwa 57 Prozent der Österreicher glauben, dass es wichtig sei einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Jedoch gehen am Ende nur 32 Prozent hin. Weitere 67 Prozent finden, dass es wichtig wäre im Alltag Strom zu sparen. Nur 39 Prozent folgen dieser Maxime jedoch. Auch die Themen Zeit für die Familie, Gewaltprävention und Rauchen sind zwar im Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreich präsent, werden jedoch noch immer zu wenig gelebt. Andererseits ist es auch so, dass die Mülltrennung nicht nur fest im Bewusstsein verankert ist, sondern auch tatsächlich umgesetzt wird.

Karmasin schließt aus ihren Studien, dass Verhaltensökonomie als neuer Ansatz in der Politikgestaltung etabliert werden sollte. "Es lässt sich nicht alles über Gesetze und finanzielle Anreize bzw. Strafen regeln", ist die Ex-Ministerin überzeugt. "Politik für Menschen muss Menschen verstehen." (as)

www.karmasin-research.at

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