Zwischen Albertina Modern und Wien Museum liegt nur ein kurzer Weg über den Karlsplatz. Am 5. November verband die beiden Häuser auch ein gemeinsamer Ausstellungsauftakt für Franz West. Während die Albertina Modern unter dem Titel "Die Revolution der Skulptur" eine Retrospektive eröffnete, rückte das Wien Museum mit "Franz West und Wien" die Beziehung zwischen dem Künstler und seiner Heimatstadt in den Mittelpunkt. Anlass war ein Geburtstag, den West selbst nicht mehr erleben konnte. Am 16. Februar 2027 wäre der 2012 verstorbene Künstler 80 Jahre alt geworden.
Die räumliche Nähe bringt dabei zwei Zugänge zusammen, die einander ergänzen. Auf der einen Seite steht Wests Auseinandersetzung mit der Skulptur und dem Körper, auf der anderen die Frage, wie seine Lebensumstände und sein Wiener Umfeld in die Arbeiten eingingen. Der gemeinsame Auftakt eröffnete damit einen Blick auf das Werk und auf jene alltäglichen Dinge, aus denen es entstand.
Wenn der Körper zur Kunst gehört
In der Albertina Modern führen die "Passstücke" zu einem zentralen Gedanken seines Schaffens. Die seit den 1970er-Jahren entwickelten Gebilde waren zum Halten, Tragen und Anlegen gedacht. Ihre Formen erschließen sich auch durch die Beziehung zum menschlichen Körper. Das Publikum wird in diesem Kunstverständnis selbst zum Gegenüber des Objekts, dessen Gebrauch neue Haltungen und Situationen hervorbringen kann.
Die Retrospektive widmet sich damit einem Künstler, der die Grenzen zwischen Kunst und Leben durchlässig machte. West war mehrfach auf der documenta und der Biennale von Venedig vertreten. 2011 erhielt er in Venedig den Goldenen Löwen.
Ein Stück Wien unter Zinnfolie
Welche Rolle seine Herkunft dabei spielte, lässt sich im Wien Museum an einem besonders persönlichen Gegenstand nachvollziehen. In "Zitat" aus dem Jahr 1985 verbirgt sich unter Zinnfolie Wests Jugendbett aus dem Karl-Marx-Hof. In einer frühen Collage taucht wiederum die Kinderzimmertapete seines Halbbruders Otto Kobalek auf. Was zunächst wie privates Erinnerungsmaterial erscheint, wurde Teil einer künstlerischen Arbeit. Die Ausstellung konzentriert sich auf die prägenden Jahre von den späten 1960er- bis in die frühen 1980er-Jahre und verbindet Werke mit biografischen und stadtgeschichtlichen Hintergründen. Wien wird so über konkrete Materialien, Lebensräume und geistige Bezugspunkte im Schaffen des Künstlers greifbar.
"Um Franz West zu verstehen, muss man auch das Wien der 1970er kennenlernen", erklärt Vincent Weisl, Kurator des Wien Museums. Gemeinsam mit Judith Nicka-Stöckl von der Franz West Privatstiftung kuratierte er die Schau.
Unter den Gästen
Unter den Gästen der Eröffnung waren Peter Kogler (Künstler), Agnes Essl (Kunstsammlerin), Soli Kiani (Künstlerin), Erich Joham (Friseur und Aktionskünstler), Lilli Hollein (Generaldirektorin des MAK), Bettina Leidl (Geschäftsführerin des MuseumsQuartiers Wien) und Elise Mougin (Künstlerin und Grafikdesignerin). Ebenfalls dabei waren Andrea Mayer (Kabinettsdirektorin der Präsidentschaftskanzlei), Wolfgang Köchert (Geschäftsführer von A. E. Köchert Juweliere), Stella Rollig (Generaldirektorin des Belvedere), Karola Kraus (ehemalige Direktorin des mumok), Hans Kupelwieser (Künstler) und Matti Bunzl (künstlerisch-wissenschaftlicher Direktor des Wien Museums). Hinzu kamen Rudolf Schicker (ehemaliger Wiener Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr), Susanne Schicker (ehemalige Wiener Stadtschulratspräsidentin und designierte Geschäftsführerin der DDSG Blue Danube), Peter Klien (Kabarettist und Moderator), Sylvia Eisenburger-Kunz (Generalsekretärin der Gesellschaft der Freunde der bildenden Künste) sowie Hans Mahr (Medienmanager und Berater) und viele mehr.
Einen Eindruck von den Ausstellungen können Sie mittels Galerie gewinnen.
www.albertina.at
www.wienmuseum.at
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