EY Klimaschutz Barometer 2026
Klimaschutz verliert gegen Teuerung und Gesundheit an Priorität

| Redaktion 
| 03.09.2026

Eine deutliche Mehrheit der Österreicher:innen sorgt sich um die Folgen der klimatischen Veränderungen. Gleichzeitig fordert die Bevölkerung mehr Engagement von der Politik.

Der heiße und trockene Sommer 2026 hat die Klimadebatte in Österreich begleitet. Dennoch ist nicht die gesamte Bevölkerung davon überzeugt, dass der Klimawandel existiert. Laut EY Klimaschutz Barometer 2026 ist jede:r sechste Österreicher:in nicht vor Klimawandel überzeugt. Zehn Prozent der Befragten halten ihn für nicht existent, weitere sechs Prozent sind unentschieden.

Sorgen vor Auswirkungen bleiben groß 

Unter jenen Menschen, die den Klimawandel für real halten, ist die Besorgnis deutlich ausgeprägt. 73 Prozent dieser Gruppe machen sich sehr oder eher große Sorgen darüber, welche Folgen die Veränderungen für Österreich haben werden. 

Besonders hoch ist dieser Anteil bei den 16- bis 29-Jährigen und bei Personen mit Matura mit jeweils 80 Prozent. Unter Frauen liegt er bei 77 Prozent, unter Wiener:innen bei 78 Prozent. Auch der Blick auf die kommenden Jahre erwartet eine deutliche Mehrheit spürbare Konsequenzen. 79 Prozent jener Befragten, die vom Klimawandel überzeugt sind, gehen davon aus, dass Österreich in den nächsten zehn Jahren stark oder sehr stark davon betroffen sein wird. Bei Frauen beträgt dieser Anteil 82 Prozent. Lediglich ein Prozent der Befragten rechnet mit keinen starken Auswirkungen. 

Klimaschutz landet im Themenranking auf Platz fünf 

Die ausgeprägte Sorge bedeutet allerdings nicht, dass Klima- und Umweltschutz derzeit an der Spitze der politischen Prioritäten steht. 28 Prozent zählen den Bereich zu den drei wichtigsten politischen Themen. Damit erreicht er im Ranking Platz fünf. 

An erster Stelle steht die Bekämpfung von Teuerung und Inflation mit 51 Prozent. Es folgen der Ausbau des Gesundheits- und Pflegesystems mit 43 Prozent, die Reduktion von Zuwanderung mit 40 Prozent und leistbares Wohnen mit 33 Prozent. "Dass Klimaschutz im Themenranking hinter Teuerung, Gesundheit und Wohnen liegt, bedeutet nicht, dass er den Menschen weniger wichtig wäre", sagt Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY denkstatt.

Das Ergebnis zeige vielmehr ein bekanntes Muster, so Kaltenbrunner weiter. Unmittelbare finanzielle Sorgen würden ein Thema in den Hintergrund drängen, dessen Auswirkungen viele Menschen erst mittelfristig im eigenen Alltag wahrnehmen würden. Die große Zustimmung zu stärkerem politischen Engagement zeige zugleich, dass die Erwartungen an eine konsequente Klimapolitik weiterhin hoch seien. 

Wasserknappheit wird als größte Gefahr gesehen 

Bei den konkreten Auswirkungen des Klimawandels steht ein Thema besonders im Vordergrund. 75 Prozent betrachten Dürre und Wasserknappheit als große oder sehr große Gefahr für Österreich. Extreme Hitze folgt mit 63 Prozent. 

Jeweils 49 Prozent nennen steigende Lebenshaltungskosten infolge klimabedingter Entwicklungen sowie Waldbrände. Die Ergebnisse zeigen damit, dass die Befragten neben ökologischen Gefahren auch wirtschaftliche Konsequenzen und Auswirkungen auf den Alltag mit dem Klimawandel verbinden. 

Unterschiedliche Einschätzungen gibt es bei dessen Ursachen. 55 Prozent führen den Klimawandel überwiegend auf menschliches Handeln zurück. Weitere 38 Prozent sehen sowohl natürliche als auch menschliche Faktoren als Ursache, während sechs Prozent überwiegend natürliche Einflüsse dafür verantwortlich machen. 

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung die Folgen des Klimawandels zunehmend konkret wahrnimmt", sagt Kaltenbrunner. Vor allem Wasserverfügbarkeit, Infrastruktur und Versorgungssicherheit würden stärker ins Blickfeld rücken. Die Diskussion verschiebe sich damit seiner Einschätzung nach vom abstrakten Klimaschutz zunehmend zur Frage, wie Österreich auf die Folgen des Klimawandels reagieren könne. 

Politik wird am stärksten in der Verantwortung gesehen 

Die größte Verantwortung für Klima- und Umweltschutz schreiben die Befragten der Politik zu. 44 Prozent betrachten sie als wichtigsten Akteur. Unternehmen folgen mit 24 Prozent, während 21 Prozent die Bevölkerung selbst an erster Stelle sehen.

Dazu passt der Wunsch nach einem höheren politischen Stellenwert des Themas. 73 Prozent sprechen sich dafür aus, Klima- und Umweltschutz künftig stärker zu priorisieren. 22 Prozent sind eher oder grundsätzlich dagegen. 

Bei den gewünschten Maßnahmen steht die Anpassung der Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels mit 59 Prozent an erster Stelle. 49 Prozent sprechen sich für eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien aus. 46 Prozent wünschen sich klare und langfristig planbare Rahmenbedingungen für Unternehmen. 

"Bemerkenswert ist, dass die Bevölkerung nicht nur mehr Engagement fordert, sondern sehr konkrete Erwartungen hat", so Kaltenbrunner. Gefordert seien Investitionen in Infrastruktur, ein Ausbau erneuerbarer Energien und verlässliche Bedingungen für Unternehmen. Klimapolitik werde damit zunehmend auch unter dem Gesichtspunkt von Standort und Wettbewerbsfähigkeit betrachtet. 

Politische Präferenz zeigt deutliche Unterschiede 

Die Ergebnisse des Barometers weisen außerdem auf einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung des Klimawandels und der politischen Präferenz hin. Von jenen Befragten, die dessen Existenz verneinen, geben 68 Prozent an, bei einer Nationalratswahl die FPÖ wählen zu wollen. Unter den Befragten, die den Klimawandel für real halten, beträgt dieser Anteil 25 Prozent.

Auch das Ausmaß der Sorge unterscheidet sich. In der Gruppe jener, die sich sehr große Sorgen machen, entfallen 28 Prozent auf die Grünen und elf Prozent auf die FPÖ. Bei Personen mit geringen oder keinen Sorgen nennen hingegen 50 Prozent die FPÖ und ein Prozent die Grünen. Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei der Frage, welchen Stellenwert Klima- und Umweltschutz künftig erhalten sollte. Eine höhere Priorität wünschen sich 97 Prozent der Befragten mit Präferenz für die Grünen, 88 Prozent mit SPÖ-Präferenz und 80 Prozent mit ÖVP-Präferenz. Unter den Befragten mit FPÖ-Präferenz sprechen sich 52 Prozent für einen höheren Stellenwert aus. Damit befürwortet laut EY Klimaschutz Barometer auch in dieser Gruppe eine Mehrheit eine stärkere Priorisierung von Klima- und Umweltschutz.

www.ey.com

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