Forderung nach besseren Bedingungen
Immobilienwirtschaft warnt vor Verlust von Betriebsstandorten in Wien

| Redaktion 
| 24.08.2026

Angesichts knapper Grundstücke und eines hohen Sanierungsbedarfs im Gebäudebestand werden schnellere Genehmigungsverfahren, verlässlichere rechtliche Rahmenbedingungen und gezielte Förderungen für Modernisierung und Dekarbonisierung gefordert.

Für Gewerbe-, Industrie- und Produktionsbetriebe stehen in Wien derzeit rund 2.127 Hektar gewidmete Betriebsflächen zur Verfügung. Das entspricht etwa fünf Prozent der gesamten Stadtfläche. Die aktuelle Studie "Zukunftstraum Produktion – Strategie für Gewerbestandort in Wien" sieht die Stadt bei der Entwicklung dieser Flächen an einem entscheidenden Punkt. 

Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, betont deren wirtschaftliche Bedeutung. "Flächen für Industrie-, Gewerbe- und Produktionsbetriebe sind kein Nischenthema, sondern zentrale Infrastruktur der Stadtwirtschaft. An ihnen hängt rund ein Drittel der Wertschöpfung", sagt Pisecky. 

Ohne zeitnahe Gegenmaßnahmen seien nach Einschätzung des Fachgruppenobmanns weitere Flächenverluste, erschwerte Investitionen und eine zunehmende Abwanderung von Unternehmen zu befürchten. 

Entwicklungspotenzial liegt vor allem im Bestand 

Eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung spielt der bestehende Gebäudebestand. Rund zwei Drittel der Gebäude entsprechen laut der Fachgruppe nicht mehr den aktuellen Anforderungen und weisen Sanierungsbedarf auf. Gleichzeitig werden unbebaute Grundstücke zunehmend knapp und dürften mittelfristig weitgehend ausgeschöpft sein.

Die Fachgruppe sieht deshalb insbesondere in der Nachverdichtung sowie in der Revitalisierung und funktionalen Umnutzung bestehender Immobilien Potenzial. Parallel dazu nehme der Bedarf an energetischen und technischen Modernisierungen deutlich zu. Investitionen in Sanierungen und Dekarbonisierung würden damit wesentlich darüber mitentscheiden, wie zukunftsfähig bestehende Betriebsstandorte bleiben.

Verfahren sollen schneller und Regeln klarer werden 

Als wesentliches Hindernis für Investitionen nennt die Interessenvertretung die derzeitigen rechtlichen und behördlichen Rahmenbedingungen. "Komplexe und langwierige Genehmigungsverfahren, unklare rechtliche Rahmenbedingungen – insbesondere beim Bestandsschutz – sowie ein stark auf Neubau ausgerichtetes Baurecht bremsen Investitionen massiv und verhindern oft notwendige Erneuerungen", sagt Pisecky.

Aus Sicht der Fachgruppe müssten insbesondere Umbauten im Bestand erleichtert werden. "Was es braucht, sind schnellere Verfahren, mehr Rechtssicherheit und angepasste Regeln für Umbauten", fordert Pisecky.

Die Studie sieht die Immobilienwirtschaft dabei nicht ausschließlich in der Rolle des Flächenanbieters. Vielmehr komme ihr auch eine wesentliche Funktion bei der wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Stadt- und Standortentwicklung Wiens zu.

Produktionsbetriebe weichen ins Wiener Umland aus

Der Druck auf den Standort zeige sich bereits bei größeren Produktionsbetrieben. Großflächige Produktionsanlagen würden zunehmend ins Wiener Umland verlagert, wo günstigere Flächen zur Verfügung stünden. Für Pisecky geht die Frage deshalb über die Entwicklung des Immobilienmarktes hinaus. "Es geht nicht nur um Immobilienmärkte, sondern um die Sicherung von Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und letztlich um die wirtschaftliche Zukunft Wiens", so der Fachgruppenobmann.

Fachgruppe nennt fünf zentrale Maßnahmen

Um produktive Betriebsflächen langfristig zu erhalten und Investitionen zu ermöglichen, fordert die Fachgruppe klarere Widmungen und mehr Rechtssicherheit. Dadurch solle für Eigentümer:innen und Unternehmen eine verlässlichere Planungsgrundlage geschaffen werden.

Darüber hinaus sollen Genehmigungsverfahren insbesondere bei Um- und Ausbauten bestehender Gebäude beschleunigt werden. Gefordert werden zudem gezielte Förderungen für Sanierungs- und Dekarbonisierungsmaßnahmen sowie transparentere Informationen über verfügbare Flächen für Eigentümer:innen, Entwickler:innen und Betriebe.

Als weiteren Schwerpunkt nennt die Fachgruppe den Schutz produktiv genutzter Flächen. Diese sollten vor einer Verdrängung durch Nutzungen bewahrt werden, die nicht betrieblichen Zwecken dienen.

www.wko.at

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