Beim WKNÖ-Branchentreff im Schloss Luberegg drehte sich alles darum, wie Menschlichkeit und Leichtigkeit auch in fordernden Zeiten erhalten bleiben können. LEADERSNET.tv fragte die Speaker:innen, welche Rolle Persönlichkeit, Austausch und neue Technologien dabei spielen.
Unter dem Motto "Die Leichtigkeit des Seins als Elixier für Lebensglück" lud die Fachgruppe der persönlichen Dienstleister der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) vergangenen Freitag, den 25. September, zum Tag der persönlichen Dienstleister:innen NÖ ins Schloss Luberegg in Emmersdorf an der Donau. Zahlreiche Mitglieder nutzten den Nachmittag für Vorträge, Diskussionen und den persönlichen Austausch untereinander. Viele von ihnen führen ein Ein-Personen-Unternehmen und tragen die gesamte unternehmerische Verantwortung allein. Durch das Programm führte Paul Leitenmüller, CEO von Opinion Leaders Network.
Ein Netzwerk für Einzelkämpfer
Warum das diesjährige Motto gut in die Zeit passt, erklärte Fachgruppenobfrau Birgit Streibel-Lobner im Gespräch mit LEADERSNET.tv: "Die Leichtigkeit des Seins ist ein geflügeltes Wort. Man kann damit vielleicht Oberflächlichkeit verbinden, aber es ist ein sehr starkes Thema. Wir leben in einer Welt der Schnelllebigkeit, der Informationsflut, des Leistungsdrucks und der ständigen Erreichbarkeit. Da gilt es für mich, dass jeder Mensch einen Weg findet, um sich gut durchs Leben zu navigieren."
Eine zentrale Rolle spiele für sie dabei der Austausch untereinander: "Wir sind soziale Wesen, wir sind Menschen, wir unterstützen einander", so die Obfrau. Zudem betont sie im Hinblick auf die Fachgruppe: "Wir haben acht verschiedene Berufsgruppen und einen gemeinsamen Nenner: persönlich und mit Kompetenz, Sicherheit und Vertrauen für unsere Kund:innen präsent zu sein und gute Dienstleistung zu liefern."
Auch Maria Gindl, Direktor-Stellvertreterin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, hob gegenüber LEADERSNET.tv die Bedeutung des persönlichen Austauschs hervor. Trotz der zunehmenden Rolle von Künstlicher Intelligenz bleibe der Mensch im Mittelpunkt. "Darum ist es ganz wichtig, unser Netzwerk weiterzuspinnen und in den Dialog mit den Menschen zu gehen", so Gindl.
Warum wir so sind, wie wir sind
Den inhaltlichen Auftakt der Veranstaltung gestaltete der Mediziner und Autor Johannes Huber. Unter dem Titel "Warum bin ich, wie ich bin?" nahm er das Publikum in seiner Keynote mit auf eine Reise durch Epigenetik, Persönlichkeitsstrukturen und die Prägungen des Lebens. Gerade für Menschen, die beruflich Dienstleistungen am Menschen erbringen, sei diese Frage von grundlegender Bedeutung, so Huber gegenüber LEADERSNET.tv: "Früher glaubten wir immer, es sind die Gene, die uns so machen, wie wir sind. Das hat die Medizin in der Zwischenzeit korrigiert. Es gibt nicht nur diese Hardware des Genoms, sondern es gibt auch Softwareprogramme. Diese Softwareprogramme sind einerseits die Epigenetik, andererseits die Mikro-RNA. Sie prägen die Hardware. Und wir werden so, wie uns letzten Endes auch die Umgebung, die Umwelt und die anderen Menschen mitformen – ob wir es wollen oder nicht."
Ein weiteres Thema war, wie sich Künstliche Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag der Fachgruppenmitglieder einsetzen lässt. Ob die Technologie den Menschen einmal überholen werde, beantwortete Huber im LEADERSNET.tv-Interview so: "Künstliche Intelligenz kann lediglich das besser verwalten, was der Mensch mehr oder weniger bereits gespeichert hat. Dementsprechend sehe ich sie nicht als kritisch, sondern eher als Vorteil. Und ich glaube auch nicht, dass KI selbst ein Bewusstsein entwickeln kann. Denn dann müsste sie in einen Mechanismus hineingehen, der letzten Endes den neurologischen Aktionspotenzialen unseres Denkens vorbehalten ist. Und das kann die KI nach dem derzeitigen Wissensstand nicht."
Appell an alle Frauen
Nach einer Netzwerkpause gehörte die Bühne Chris Lohner. Die Autorin, Moderatorin und Schauspielerin erzählte in ihrem Vortrag unter dem Motto "schräg, witzig, komisch" Geschichten aus ihrem Leben und richtete dabei auch einen Appell an die Frauen im Saal. Wie sie gegenüber LEADERSNET.tv betonte, sei besonders wichtig, "dass man bei sich selbst bleibt und vor allem auch anderen Frauen auf Augenhöhe begegnet". Weiter sagte sie: "Stutenbissigkeit muss weg. Man sollte sich freuen, dass es viel mehr Frauen als Männer gibt. Und wir sollten es genauso schaffen, Seilschaften aufzubauen, wie Männer das tun."
Zum Abschluss griff ein Round Table noch einmal zentrale Fragen des Nachmittags auf. Diskutiert wurde unter anderem darüber, was Lebensglück ausmacht, wie viel Raum die eigene Persönlichkeit haben darf und ob Leichtigkeit mit einem verantwortungsvollen Miteinander vereinbar ist.
Im Anschluss ließen die Gäste den Abend bei einem Buffet und musikalischer Unterhaltung von Benjamin Führer alias SaxoBen ausklingen.
Unsere Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte Birgit Streibel-Lobner (Fachgruppenobfrau der Persönlichen Dienstleister, WKNÖ), Johannes Huber (Mediziner, Autor & Keynote-Speaker), Chris Lohner (Autorin, Moderatorin, Schauspielerin) und Maria Gindl (Direktor:in-Stellvertreterin, Wirtschaftskammer NÖ) vor die Kamera.
Eindrücke vom Event finden Sie zudem in unserer Galerie.
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