Die berufliche Ausbildung soll stärker an die Anforderungen der Betriebe angepasst werden und jungen Menschen zugleich mehr Möglichkeiten für ihren weiteren Bildungs- und Karriereweg bieten. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner stellten diese Schwerpunkte bei einem Besuch der Konditorei Jindrak in Linz in den Mittelpunkt.
Hattmannsdorfer betonte dabei die Bedeutung der Lehre als eigenständigen Karriereweg. "Die Lehre ist kein Plan B, sondern ein Karriereweg mit Zukunft", so Hattmannsdorfer. Mit dem Lehrberufspaket seien 14 Lehrberufe modernisiert und an aktuelle Anforderungen angepasst worden. Ab 2027 soll zudem die Lehrabschlussprüfung im Bereich Konditorei praxisnäher gestaltet werden.
Zahl der Meisterabschlüsse deutlich gestiegen
Eine positive Entwicklung zeigt sich bei den Meisterprüfungen im Konditorengewerbe. 2025 wurden österreichweit 112 Meisterprüfungen erfolgreich absolviert. Ein Jahr zuvor waren es 95 gewesen. Damit erhöhte sich die Zahl innerhalb eines Jahres um rund 18 Prozent. Auffällig ist dabei der hohe Frauenanteil: Von den insgesamt 112 ausgestellten Meisterprüfungszeugnissen gingen 104 an Frauen.
Die Meisterprüfung ist seit 2018 der Stufe 6 des Nationalen Qualifikationsrahmens zugeordnet und befindet sich damit auf derselben Qualifikationsstufe wie ein Bachelorabschluss. Der Abschluss ermöglicht unter anderem den Schritt in die Selbstständigkeit und berechtigt dazu, selbst Lehrlinge auszubilden.
Hattmannsdorfer verwies auf die damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten. Das Plus bei den Meisterabschlüssen zeige, dass Lehrlingen unterschiedliche Wege bis hin zur Meisterprüfung, zur Übernahme eines Betriebs oder in die Selbstständigkeit offenstünden.
Konditorenprüfung wird ab 2027 neu gestaltet
Zu den 14 modernisierten Lehrberufen des Lehrberufspakets 1/2026 zählt auch Konditorei/Zuckerbäckerei. Mit 1. Jänner 2027 soll dafür eine neue Lehrabschlussprüfung in Kraft treten.
Die Prüfung soll sich künftig stärker an den tatsächlichen Aufgaben im Berufsalltag orientieren. Kandidat:innen müssen zunächst ein schriftliches Planungskonzept erstellen und dieses anschließend praktisch umsetzen.
Auch die geforderten Produkte werden konkret festgelegt. Das Spektrum reicht von Aufschnitt- und Festtagstorten über Petits Fours, Pralinen und Teegebäck bis zu Tellerdesserts im Schwerpunkt Patisserie. Zusätzlich müssen die Prüflinge ihre Erzeugnisse präsentieren. Dadurch sollen neben handwerklichen Fähigkeiten auch Kundenorientierung und Verkaufskompetenz stärker in die Bewertung einfließen.
Weniger Lehrlinge erhöhen Druck auf Betriebe
Die Maßnahmen stehen vor dem Hintergrund rückläufiger Lehrlingszahlen. Ende 2025 waren österreichweit 102.878 Lehrlinge in Ausbildung. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 3,4 Prozent. Auch im Konditorenhandwerk verringerte sich die Zahl: Nach 963 Lehrlingen im Jahr 2024 waren es 2025 noch 917.
Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter erreichte den Angaben zufolge 2024 mit 5,57 Millionen ihren Höchststand. Bis 2040 werde sie voraussichtlich um rund 256.000 Personen zurückgehen.
Für Unternehmen werde der Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte dadurch weiter zunehmen, erklärte Hattmannsdorfer. "Wir stehen vor der größten Pensionierungswelle unserer Geschichte", so der Wirtschaftsminister. Berufliche Ausbildungswege müssten deshalb ebenso attraktiv gestaltet werden wie akademische Bildungswege. Eine Stärkung der Lehre unterstütze aus seiner Sicht Fachkräfte, Unternehmertum und Wertschöpfung und damit letztlich auch den Wirtschaftsstandort.
Zehn Millionen Euro zusätzlich für "Lehre mit Matura"
Neben der Modernisierung einzelner Lehrberufe soll auch die Verbindung von Berufsausbildung und weiterführender Bildung gestärkt werden. Für das Programm "Lehre mit Matura" werden zusätzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt stehen für den Bereich Erwachsenenbildung 51 Millionen Euro bereit.
Das vom Wissenschaftsministerium geförderte Programm ermöglicht Lehrlingen in Österreich eine kostenlose Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung. In spezialisierten Lehrgängen werden unter anderem Kompetenzen in Deutsch und Mathematik vermittelt beziehungsweise vertieft. Die Berufsreifeprüfung soll anschließend zusätzliche Möglichkeiten für eine weiterführende höhere Bildung eröffnen.
Holzleitner unterstrich, dass die Wahl einer Lehre spätere Bildungsentscheidungen nicht einschränken solle. "Eine Lehre darf keine Sackgasse sein", so Holzleitner. Junge Menschen sollten unabhängig von ihrem gewählten Bildungsweg Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zum beruflichen Aufstieg erhalten.
Mit der zusätzlichen Finanzierung soll dieser Ansatz weiter ausgebaut werden. Holzleitner erklärte, man investiere weitere zehn Millionen Euro in "Lehre mit Matura", weil Bildungschancen nicht von der Herkunft oder dem gewählten Ausbildungsweg abhängig sein dürften. Ziel sei ein Bildungssystem ohne Sackgassen, das Weiterbildung und Aufstieg in unterschiedlichen Lebensphasen ermögliche.
www.bmwet.gv.at
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