Kampf gegen manipulierte Rezensionen
ÖHV drängt auf Gesetz gegen Fake-Bewertungen im Tourismus

| Larissa Bilovits 
| 17.08.2026

Die Österreichische Hotelvereinigung begrüßt die neuen Hilfsangebote des Ministeriums, fordert aber zusätzlich verbindliche Regeln für Bewertungsplattformen, um Fake-Rezensionen frühzeitig zu verhindern.

In einer Zeit, in der Gäste ihre Buchungsentscheidungen wesentlich an Onlinebewertungen ausrichten, könnten manipulierte, erfundene oder gar gekaufte Negativ-Rezensionen Hotels, Restaurants und Freizeitbetriebe teuer zu stehen kommen. Um heimische Betriebe dagegen möglichst zu wappnen, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) deshalb ab sofort einen praxisorientierten Leitfaden zur Verfügung. Dieser soll die rechtlichen Möglichkeiten aufzeigen und Schritt für Schritt durch das Vorgehen gegen mutmaßlich manipulierte Bewertungen führen. Zusätzlich wurde eine Hotline eingerichtet, über die Betriebe weitere Informationen erhalten sollen.

Umgesetzt werde damit eine konkrete Maßnahme aus der nationalen Tourismusstrategie "Vision T", wie Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in einer entsprechenden Aussendung erklärt. Zudem betont sie, dass Fake-Bewertungen längst kein Randphänomen mehr seien: "Sie können dem Ruf eines Betriebs massiv schaden, Gäste in die Irre führen und jenen einen unfairen Vorteil verschaffen, die mit solchen Methoden arbeiten." Gerade die vielen kleinen und familiengeführten Betriebe hierzulande dürfe man damit nicht alleine lassen. "Wer täglich hart für seine Gäste arbeitet, darf sich seinen guten Ruf nicht durch erfundene Bewertungen zerstören lassen. Entscheidend ist, dass Betriebe wissen, was sie tun können und an wen sie sich wenden können. Genau hier setzen wir mit verständlicher Information und konkreten Hilfestellungen an", so Zehetner.

Branche will früher ansetzen

Vonseiten der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) fällt die Reaktion grundsätzlich positiv aus. "Es ist gut, dass das Ministerium das Thema aufgreift und den Betrieben konkrete Unterstützung bietet", meint ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer, kritisiert jedoch zugleich, dass sowohl der Leitfaden als auch die Hotline erst dann zum Tragen kämen, wenn der Schaden am Ruf eines Hauses längst entstanden sei. "Wir müssen dafür sorgen, dass Fake-Bewertungen möglichst gar nicht erst online gehen", erklärt der Branchenvertreter und appelliert an die Politik, verbindliche gesetzliche Vorgaben für die Bewertungsplattformen selbst zu schaffen. 

Wie groß der Handlungsbedarf ist, untermauert die Vereinigung mit einer bundesweiten Reppublika-Umfrage im Auftrag der ÖHV unter 1.000 Teilnehmer:innen. Demnach haben bereits zwei Drittel der Österreicher:innen Erfahrungen mit gefälschten Rezensionen gemacht. Zudem stehen neun von zehn Befragten hinter der zentralen ÖHV-Forderung, dass nur bewerten darf, wer die jeweilige Leistung tatsächlich in Anspruch genommen hat. "Das Grundprinzip ist einfach: Wer ein Hotel bewertet, muss tatsächlich dort gewesen sein", fasst Gratzer zusammen. Voraussetzung dafür wäre eine verlässliche Echtheitsprüfung durch die Plattformen.

Italien liefert die Vorlage

Als Beleg, dass eine solche Regulierung tatsächlich machbar ist, führt der ÖHV unser Nachbarland Italien an, wo heuer gesetzliche Regeln gegen manipulierte Bewertungen für Tourismus- und Gastronomiebetriebe eingeführt wurden. Zulässig sind dort nur Bewertungen von Personen, die die bewertete Leistung tatsächlich genutzt haben, zusätzlich sind Kauf und Verkauf von Rezensionen untersagt.

Für Österreich verlangt die Vereinigung entsprechend ebenso klare Vorgaben zur Echtheitsprüfung, nachvollziehbare Prüfmechanismen auf Seiten der Plattformen und wirksame Sanktionen bei Manipulation. Leitfaden, Hotline und freiwillige Selbstverpflichtungen wie der EU-Verhaltenskodex seien wichtige Schritte – ein verbindliches Regelwerk könnten sie nach Einschätzung der ÖHV aber nicht ersetzen.

www.oehv.at

www.bmwet.gv.at

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