Neue Fotoserie
Franz Josef Baur rechnet mit dem Kult der Perfektion ab

In der fotografischen Performance "The Cult of Perfection" hinterfragt der Konzeptkünstler gesellschaftliche Körperideale und erklärt sich selbst zum Teil jenes Systems, das seine Arbeit kritisiert.

Makellose Körper, sorgfältig inszenierte Identitäten und die Erwartung, einem bestimmten Ideal zu entsprechen: Mit "The Cult of Perfection" setzt sich der Künstler Franz Josef Baur mit ebendiesem gesellschaftlichen Streben nach Perfektion auseinander. Im Zentrum der fotografischen Serie steht der menschliche Körper. Jedoch nicht nur als Projektionsfläche für Schönheitsnormen, sondern auch als Ort persönlicher und gesellschaftlicher Veränderung.

Dabei richtet Baur den kritischen Blick nicht allein nach außen. Die Arbeit sei auch aus einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zu Körperbildern und Selbstoptimierung entstanden. "Ich war und bin selbst Teil dieses Kults. The Cult of Perfection ist kein Urteil über andere – sondern eine Abrechnung mit mir selbst", erklärt der Konzeptkünstler.

Zwischen Stärke und Verletzlichkeit

Die Serie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen äußerer Erscheinung und innerer Wahrnehmung. Baur verwischt darin die Grenzen zwischen Stärke und Verletzlichkeit sowie zwischen traditionell männlich oder weiblich gelesenen Ausdrucksformen. Zugleich hinterfragt er gesellschaftliche Rollen, die Menschen bewusst übernehmen oder unbewusst erfüllen.

Der Körper erscheint dabei sowohl als Symbol vermeintlicher Makellosigkeit als auch als wandelbares Medium. Statt ein bestimmtes Ideal abzubilden, soll die Arbeit den Blick auf jene Erwartungen richten, die beeinflussen, wie Menschen sich präsentieren und beurteilen. Wie stark das eigene Selbstbild von gesellschaftlichen Normen geprägt ist, bleibt als zentrale Frage bewusst offen. Baur formuliert seine Kritik als Plädoyer für das Unvollkommene: "Vielleicht ist der radikalste Akt unserer Zeit, nicht perfekt werden zu wollen. Vielleicht besteht die größte Freiheit darin, den Mut zu haben, einfach Mensch zu bleiben."

Der Körper als künstlerisches Medium

Baur beschäftigt sich in seinen performativen Arbeiten mit Körperpolitik, Identität, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Erwartungen. An der Schnittstelle von Performance, Fotografie und Body Art verwendet er dabei den menschlichen Körper zugleich als Ausdrucksmittel und Metapher.

"The Cult of Perfection" setzt diese Auseinandersetzung in einer fotografischen Serie fort. Die Arbeit versucht allerdings nicht, eindeutige Antworten auf Fragen nach Schönheit, Zugehörigkeit oder Authentizität zu geben. Vielmehr stellt sie zur Diskussion, welche Bilder und Machtstrukturen die Wahrnehmung des eigenen Körpers prägen – und was hinter einer bewusst konstruierten Fassade sichtbar werden kann.

Hilde van Mas setzt die Performance fotografisch um

Fotografisch umgesetzt wurde die Serie von Hilde van Mas. Die in Wien und Paris tätige Fotografin verbindet in ihren Arbeiten Modefotografie mit künstlerischen Inszenierungen. Für "The Cult of Perfection" übertrug sie Baurs Performance in eine Bildsprache, die den Körper zugleich exponiert und verfremdet. Damit ist die Fotografie nicht lediglich Dokumentation einer Performance, sondern ein eigenständiger Bestandteil des Projekts. Inszenierung und Beobachtung lassen sich in den Bildern ebenso wenig klar voneinander trennen wie Stärke und Verletzlichkeit.

Am Ende steht Baurs Arbeit weniger für eine Absage an Schönheit als für die Kritik an einem verpflichtenden Ideal. Der Künstler verbindet diese Haltung mit dem Gedanken der Selbstakzeptanz: "Die radikalste Form der Liebe ist die Selbstliebe. Der schönste Mensch ist nicht der perfekte, sondern der, der den Mut hat, er selbst zu sein."

www.fjbaur.net

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