Fieldfisher-Report
Österreich zählt zu Europas stärksten Batteriespeichermärkten

Langwierige Genehmigungsverfahren, fehlende regulatorische Klarheit und eine nationale Speicherstrategie könnten jedoch den weiteren Ausbau bremsen. Das geht aus dem aktuellen BESS-Report der internationalen Anwaltskanzlei Fieldfisher hervor. 

Batteriespeicher entwickeln sich zu einem zentralen Baustein der Energiewende in Europa. Sie sollen helfen, erneuerbare Energie besser in das Stromsystem zu integrieren, Schwankungen im Netz auszugleichen und zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten für Energieprojekte zu schaffen. Entsprechend rechnet die internationale Anwaltskanzlei Fieldfisher in ihrem aktuellen Bericht "The European Battery Energy Storage System (BESS) Economy" mit einem kräftigen Wachstum des europäischen Marktes.

Bis 2030 soll die großskalige Batteriekapazität auf mehr als 100 Gigawatt steigen. Dafür wären Investitionen von rund 68 Milliarden Euro erforderlich. Entscheidend werde allerdings sein, welche Länder günstige Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen. Neben Genehmigungen und Netzanschlüssen spielen dabei auch regulatorische Vorgaben sowie Anforderungen an die Cybersicherheit eine wichtige Rolle. In neun der elf untersuchten Länder gelten Netzengpässe bereits heute als wesentliches Hindernis für neue Projekte. 

Österreich nimmt eine starke Position ein 

Im europäischen Vergleich verfügt Österreich bereits über eine beachtliche Marktposition. Laut Bericht liegt die installierte Batteriespeicherkapazität bei knapp einem Gigawatt. Damit belegt Österreich unter den analysierten Staaten den vierten Platz hinter Deutschland (2,4 GW), Irland (1,2 GW) und Frankreich (1,07 GW). Länder wie die Niederlande (250 MW), Spanien (rund 60 MW), Polen (rund 32 MW) oder Portugal (13 MW) weisen derzeit deutlich geringere Kapazitäten auf.

Gleichzeitig verfolgt Österreich ambitionierte energiepolitische Ziele. Bis 2030 soll der Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, bis 2040 möchte das Land klimaneutral sein. Nach Einschätzung von Fieldfisher fehlt es jedoch bislang an den notwendigen rechtlichen und regulatorischen Voraussetzungen, um Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie konsequent voranzubringen.

Thomas Ruhm, Country Managing Partner von Fieldfisher Österreich, beschreibt die Situation so: "Die größte Herausforderung liegt derzeit im Spannungsfeld zwischen ambitionierten Zielen und praktischer Umsetzung. Genehmigungsverfahren dauern oft länger als vorgesehen, regulatorische Unsicherheiten bremsen Investitionen, und ein klarer nationaler Speicher-Fahrplan fehlt weiterhin."

Lange Verfahren bremsen Projekte 

Als eines der größten Hindernisse nennt der Report die Genehmigungsverfahren. Nach den Vorgaben der EU-Richtlinien RED III sollten diese grundsätzlich nicht länger als 24 Monate dauern. In Österreich liegen die Verfahren derzeit im Durchschnitt bereits bei mehr als 18 Monaten. Zusätzliche Herausforderungen entstehen laut Bericht durch unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern, Projektstaus sowie lange Warteschlangen bei Netzanschlüssen, Projektentwickler:innen seien deshalb gefordert, Genehmigungsprozesse frühzeitig vorzubereiten und Projekte rechtlich solide aufzusetzen. 

Ruhm betont, Österreich müsse nun rasch die richtigen Voraussetzungen schaffen. Schnellere und bundesweit einheitliche Genehmigungsverfahren, klare Marktregeln und attraktive Investitionsbedingungen könnten nach seiner Einschätzung dazu beitragen, die bestehende Wettbewerbsposition langfristig zu sichern. 

Milliardeninvestitionen sollen Netze stärken 

Neben den regulatorischen Fragen misst der Report dem Ausbau der Stromnetze große Bedeutung bei. Laut Fieldfisher plant Austrian Power Grid (APG) bis 2034 Investitionen von rund neun Milliarden Euro in das Übertragungsnetz. Die Maßnahmen seien Teil einer umfassenden Modernisierung der Infrastruktur und könnten insbesondere in Regionen mit chronischer Netzüberlastung neue Möglichkeiten für Batteriespeicher schaffen. Dort könnten Speicheranlagen zur Stabilisierung und Flexibilisierung des Stromsystems beitragen. 

Ruhm sieht darüber hinaus wirtschaftliches Potenzial: "Es entstehen erhebliche Chancen: Der zunehmende Ausbau von Solar- und Windenergie wird den Bedarf an Flexibilitätslösungen deutlich erhöhen. Batteriespeicher können hier nicht nur zur Netzstabilität beitragen, sondern auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen – von Arbitrage über Systemdienstleistungen bis hin zu hybriden Projekten."

Wettbewerb entscheidet sich an den Rahmenbedingungen

Der Bericht kommt insgesamt zu dem Schluss, dass Europas Batteriespeichermarkt vor einem dynamischen Wachstum steht. Ob einzelne Länder davon profitieren, werde jedoch nicht allein vom verfügbaren Kapital abhängen. Ebenso ausschlaggebend seien effiziente Genehmigungsverfahren, leistungsfähige Netzanschlüsse, verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen sowie belastbare Cybersecurity-Konzepte. Besonders attraktiv dürften jene Märkte werden, die diese Voraussetzungen möglichst rasch schaffen.

Ruhm ist überzeugt, dass frühzeitiges Handeln Wettbewerbsvorteile bringen könne. "Aus unserer Sicht gilt: Wer jetzt handelt, sichert sich einen strategischen Vorteil in einem Markt, der in den kommenden Jahren stark wachsen wird", sagte Ruhm abschließend. 

www.fieldfisher.com

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