"Es gibt einen großen Unterschied zwischen Ikone und Designobjekt"

Chopard Österreich Geschäftsführer Mag. Thomas Koblmüller im exklusiven Interview über die Zukunft der Uhrenbranche, den Standort Wien und das neueste Highlight.

Chopard hat kürzlich im exklusiven Rahmen die sportlich schicke Uhrenkollektion Alpine Eagle, eine hochmoderne Neuinterpretation des Modells St. Moritz, präsentiert. Luxury News hat die Gelegenheit genutzt, um Chopard Österreich Geschäftsführer Mag. Thomas Koblmüller zum Interview zu treffen.

Luxury News: Sie feiern die Wiedergeburt einer Ikone: Der ersten 1980 von Karl-Friedrich Scheufele, dem heutigen Co-Präsidenten von Chopard, entworfenen Uhr. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den neuen Zeitmesser?

Koblmüller: 40 Jahre ist ein langer Zeitraum, aber für die Schaffung von Kunstwerken für die ganze Welt ein kurzweiliges unterfangen. Die dritte Generation arbeitet jetzt im Unternehmen mit und hat sozusagen die Ikone wachküsst. Die Entscheidung ist also weniger eine strategische, sondern viel mehr eine Familienentscheidung:  Mit dem Modell Alpine Eagle wiederholt sich die Geschichte. Diesmal ist es aber nicht Karl-Friedrich, sondern sein Sohn Karl-Fritz, der – insgeheim von seinem Grossvater unterstützt – seinen Vater dazu bringt, sich über eine Neuauflage der St. Moritz den Kopf zu zerbrechen. Zu Beginn skeptisch, kann ihn die Überredungskunst seines Sohns schliesslich überzeugen, so wie er selbst vor vierzig Jahren seinen Vater hatte überzeugen können.

Luxury News: An welchen Handgelenken sehen Sie die neue  Alpine Eagle?

Koblmüller: Marketingtechnisch gesprochen an einem Mann zwischen 35 und 65 ähnlich einem Porschefahrer. Für mich ist es einfach ein Mann jeden Alters, der einen sehr guten Stil hat und nach einer sportlich eleganten Uhr sucht, die sowohl zum Anzug als auch in der Freizeit passt.

Das Modell ist den modernen Adlern gewidmet, jenen ehrgeizigen Menschen, die in ihrem täglichen Leben Herausragendes leisten, und deren Visionen andere inspirieren und leiten. Sie kümmern sich mit Weitsicht und Entschlossenheit um die Herausforderungen von morgen und wissen deshalb um die Wichtigkeit der Umweltproblematik.

Luxury News: Hat die Alpine Eagle auch das Zeug, zur Ikone zu werden?

Koblmüller: Wenn ich eine Uhr sehe, kann ich sofort erkennen, ob sie einen Trend verkörpert, der nach zwei Jahren langweilig wird oder ob ihr  Zeitlosigkeit und Langlebigkeit beschieden sind.

Die besonders umfassende Kollektion Alpine Eagle wird von Beginn an in zehn Referenzen in Stahl, Gold, bicolor sowie Gold mit Diamanten angeboten. Die Unisex-Modelle sind in zwei Größen, 41mm für die Variante Large und 36mm für die Variante Small erhältlich.Das Design der Alpine Eagle ist schick und am Punkt, ich bin mir sicher, dass es in zehn Jahren auch noch so wirkt. Das ist für mich der große Unterschied zwischen Ikone und vergänglichem Designobjekt.

Luxury News: Wie lässt sich die Faszination der ersten Stahl Uhr in den 1980er Jahren erklären, wie kam es zum Namen und warum wurde nun ein anderer Name kreiert?

Koblmüller: Für Chopard, damals der Spezialist für Golduhren und diamantbesetzte Uhren, war diese erste Sportuhr und gleichzeitig erste Stahluhr des Hauses eine grundlegende Neuerung. Ein ernst zu nehmendes, aber sorgfältig durchkalkuliertes Risiko. Karl-Friedrich Scheufele verhalf der Uhr zum Erfolg: die St. Moritz wurde im folgenden Jahrzehnt zu einem der Bestseller des Hauses.

In St Moritz tummelten sich damals Reich und Schön, es war der Place to be für die, die es sich leisten konnten – viel mehr als heute. Heute 40 Jahre später ist St Moritz natürlich immer noch schön und interessant, hat aber nicht mehr diesen Stellenwert. Alpine Eagle ist von der Natur inspiriert. Daher der neue Name: Alpine Eagle

Luxury News: Mit dem Launch geht auch die Organisation Eagle Wings an den Start. Was hat es damit auf sich?

Koblmüller: Die Familie  Scheufele hat seit jeher einen starken Bezug zu den Schweizer Bergen, besitzt unter anderem ein Haus in Gstaad. Karl Friedrich ist ein echter Bergfex: Mit den Fellen einen Gipfel zu besteigen, das ist für ihn Entspannung pur, der perfekte Ausgleich zum stressigen Alltag.

Eagle Wings ist ein innovatives und multidisziplinäres Umweltprogramm, das von fünf bergaffinen Personen rund um Karl Friedrich Scheufele ins Leben gerufen wurde. Es soll die Bevölkerung für die Wichtigkeit, Schönheit und Zerbrechlichkeit der alpinen Biotope sensibilisieren und mobilisieren  sowie eine neue Betrachtungsweise der Alpen durch die Augen des Menschen, eines Satelliten und des Adlers, dem nichts entgeht, ermöglichen. Das erste Projekt dieser Organisation wurde im September 2019 mit dem Alpine Eagle Race lanciert.

Luxury News: Ist die Uhr limitiert?

Koblmüller: Bezüglich Limitierung müssen wir eine Unterscheidung treffen. Es gibt die klassische Limitierung  - man baut nicht mehr Stück – und die Limitierung durch Produktion. Letztere trifft hier zu.

Luxury News: Wie laufen die Geschäfte in Wien? Sie sind seit Jahrzehnten als Geschäftsführer im Einsatz, was hat sich über die Jahre verändert?

Koblmüller: Wien ist die Lieblingsstadt der Senioren, Kultur , so nette Leute und viel Charme -  das war schon immer so. 1989 wurde die erste Chopard Boutique in Wien eröffnet  und der Shop am Kohlmarkt wurde zum Role Model für alle anderen Boutiquen weltweit. Über die Jahre hat sich viel verändert: Galt beispielsweise der Standort am Ende des Kohlmarktes als unspektakulär, gilt dies jetzt als beste Lage. Heute ist  Wien zudem die Drehscheibe für Osteuropa, wir sind in 20 Ländern präsent.

Luxury News: Digitalisierung, Handy statt Uhr: Können Sie uns einen Ausblick in Herausforderungen und Trends der Uhrenbranche geben.

Koblmüller: Die Uhrenindustrie muss es schaffen, die Generation Next zu überzeugen, dass eine mechanische Uhr nicht anachronistisch, ist sondern ein wesentliche Stilelement. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Jungen feststellen werden, dass ein Handy  toll ist, aber man es sich nicht unbedingt aufs Handgelenk schnallen muss. Vor allem Männer bekommen schön langsam das Bewusstsein dafür, dass sie nicht nach Belieben Schmuck tragen können und daher eine Uhr oft das einzig seriöse Stilmittel ist.

Luxury News: Sehen Sie Uhren auch als Investment?

Koblmüller: Auf jeden Fall, denn es ist ein Investment in sich selbst. Wenn ich die Uhr sehe, dann habe ich Freude. Man kann sich auch selbst als Betreiber des Uhrwerks betrachten, sie selbst aufziehen und sich regelmäßig damit auseinandersetzen. Also es ist jedenfalls ein Investment im emotionalen Sinne und Chopard macht ein Leben lang Freude.

Luxury News: Gibt es bei Ihnen auch Wartelisten für bestimmte Modelle?

Koblmüller: Wir produzieren im Dreischichtbetrieb. Wartelisten gibt es nur bei den limitierten Serien, man muss mit drei bis vier Monaten rechnen. Aber wenn man sich anmeldet, bekommt man die Uhr auf jeden Fall.

www.chopard.com

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