Potenzial der KI regt Phantasie von Investoren an

| Tobias Seifried 
| 26.06.2023

Die jüngsten Höchststände an den Börsen sind zu einem guten Teil der Künstlichen Intelligenz geschuldet, laut Expert:innen jedoch anders als gedacht.

Der Grund für die Kursrallyes der letzten Wochen an vielen großen internationalen Börsen liegt nicht daran, dass KI so viel besser investieren würde, sondern laut Finanzexpert:innen eher, weil die Phantasie der Investoren durch das Potenzial der Künstlichen Intelligenz angeregt wird. Untermauert auch von handfesten Zahlen einiger weniger Tech-Konzerne. Kein Wunder, dass sich in diesem Jahr auch der "Kathrein Talk" diesem Thema widmete.  

Künstliche Intelligenz ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Technologie-Trends geworden. Seit einigen Monaten überschlagen sich - ChatGPT und ähnlichen Sprachprogrammen sei Dank - aber die Medienberichte über KI und deren Einsatzmöglichkeiten regelrecht. Aus diesem Grund hat die Kathrein Privatbank eine hochkarätige Expert:innenrunde ins Bundesrechenzentrum eingeladen. Dabei schilderten Sabine Köszegi, Professorin an der TU Wien, Sabine Walch, CEO von danube.ai, einem Start-up, dass KI-Applikationen entwickelt und Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Transformation, ihre Sicht auf Potenziale, aber auch Risiken von KI. Moderiert wurde die Diskussion von Jakob Zirm, Leiter "Economist" in der Presse.

Imposante Beschleunigung

"Wo wir früher eine Woche gebraucht haben, produzieren wir jetzt einen Prototyp an einem Tag", schildert Sabine Walch ihre Erfahrung mit KI. Das zeigt wiederum das disruptive Potenzial von KI, einerseits in Bezug auf Arbeitsplätze, die ersetzt werden, als auch Effizienzgewinn und Wettbewerbsvorteile. Matthias Lichtenthaler ist überzeugt, dass KI vor allem Jobs ersetzen werde, die viel Wiederholungen beinhalten, dass aber Schätzungen, wonach 50 Prozent aller Jobs weltweit bedroht seien, deutlich überzogen sind. "KI hat enormes Potenzial natürliche Intelligenz, also den Menschen, im Job zu unterstützen und repetitive Aufgaben zu übernehmen." Aber, wie Köszegi erklärte, es werde nicht wirtschaftlich sein, alle Jobs, die man automatisieren könnte auch tatsächlich zu automatisieren. Es könne weiterhin sein, dass Menschen günstiger seien, dass Daten fehlten oder das Programmieren eine KI extrem aufwändig wäre, so die Expertin.

Wie intelligent ist KI wirklich?

Die Frage, ob Künstliche Intelligenz überhaupt intelligent sei, beantwortete Sabine Köszegi so: "Nein, denn sie scheitert an einfachen Aufgaben." Lichtenthaler stimmte dieser Einschätzung zu: "Letztlich ist es eine Wahrscheinlichkeitsmaschine und keine Intelligenz an sich." Die derzeitigen Large Language-Modelle nehmen einen riesigen Datensatz und generieren durch Rechenleistung die wahrscheinlichste Antwort auf eine Frage. Sabine Walch schlug im Rahmen des Kathrein Talks vor, sich in der Diskussion auf die Aufgaben zu konzentrieren, die KI übernehmen kann und nicht auf die Frage, ob man KI als "intelligent" bezeichnen könne oder nicht. Laut ihr sollte der Maschine freigestellt werden, wie sie die gestellten Aufgaben erfülle.

Braucht es eine Regulierung

Einig sind sich Expertinnen, dass die Einsatzgebiete von KI vielfältig sein, vor allem dort wo große Datenmengen verarbeitet werden müssen und Fehlerfreiheit notwendig ist. So funktioniere KI zum Beispiel in der Medikamente-Entwicklung bereits jetzt sehr gut. Allerdings, stellte Köszegi die Frage, wie können Menschen noch Expertise aufbauen, wenn KI die meisten Aufgaben übernehme. Ebenso kontrovers die Frage nach der Rolle des Menschen als Aufsichtsperson über die Ergebnisse, die Künstliche Intelligenz liefert. Dabei wäre die Expertise ebenso notwendig wie die Nachvollziehbarkeit, wie die KI zu ihren Schlüssen kommt. Die EU arbeitet bereits an Regularien, die genau auf diese Nachvollziehbarkeit abzielen.

Über den Grad der Regulierung, die notwendig sei, waren sich die Expert:innen uneins. Im Wettbewerb sei Regulierung definitiv ein Nachteil, so Walch. Sie forderte Unternehmen auf, an einer KI-Strategie zu arbeiten. Köszegi bremste die Euphorie: "Erfahrungswissen lässt sich nicht abbilden. Wenn wir nur mehr Maschinen denken lassen, kommen wir zu uniformen Ergebnissen."

www.kathrein.at

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