Rolls Royce zeigt mit dem Spectre, wie echter Elektro-Luxus geht

| Tobias Seifried 
| 19.10.2022

Das erste rein elektrische Serienmodell der Marke läutet eine neue Ära ein.

Nachdem Rolls Royce im Februar einige offizielle Informationen zum Spectre veröffentlicht hat (LEADERSNET berichtete), feierte das erste rein elektrische Modell der Marke nun seine Weltpremiere. Mit dem Newcomer wird auch eine neue Ära eingeläutet. Denn bis zum Jahr 2030 will Rolls Royce eine reine Elektromarke werden.

Für den Spectre, der auch als Nachfolger des Wraith gilt, greifen die Briten auf ihre Plattform "Architecture of Luxury" zurück. Dabei handelt es sich um einen Vollaluminium-Spaceframe, der zwar für den Elektroantrieb maßgeschneidert wurde, aber auch die Basis für die aktuellen Verbrenner-Modelle Phantom, Cullinan und Ghost bildet. Kund:innen, die aufgrund des Elektroantriebs Einschränkungen in Sachen Luxus und Komfort befürchten, können beruhigt sein. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Rolls Royce SpectreRolls Royce Spectre © Rolls Royce

Antrieb

Beim Antrieb kann Rolls Royce auf das Know-How seiner deutschen Mutter BMW zurückgreifen, die bereits mehrere Elektroautos im Programm hat – darunter auch die brandneue Luxus-Limousine i7 und das SUV-Flaggschiff iX. Da die finale Homologation noch aussteht, stehen die endgültigen Daten für Reichweite, Leistung und Beschleunigung noch nicht fest. Die vorläufigen Angaben können sich jedoch sehen lassen. Demnach leisten die beiden E-Motoren des Spectre, die ihn zu einem Allradler machen, 430 kW und stellen ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmeter zur Verfügung. Damit sprintet der Wagen in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Spitze von 250 km/h. Der 108 Kilowattstunden (kWh) große Akku soll mit den serienmäßigen 23-Zoll-Rädern bis zu 520 Kilometer Reichweite nach WLTP ermöglichen. Zur Ladeleistung wurden noch keine Informationen veröffentlicht.

Design und Abmessungen

Optisch ist der Spectre eine imposante Erscheinung. Und nicht nur deshalb, weil er fast drei Tonnen (2.975 kg) auf die Waage bringt. Denn obwohl es sich beim Elektro-Erstlingswerk um ein zweitüriges Coupé handelt, ist das Fahrzeug stolze 5,45 Meter lang, 2,08 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Wie bei anderen Modellen der Marke werden die vier Sitze auch hier über hinten angeschlagene Türen geentert. Weitere typische Merkmale von Rolls Royce, die auch beim Spectre nicht fehlen dürfen, sind der markante, steil stehende Grill und die legendäre Kühlerfigur. Beide wurden jedoch an das Elektrozeitalter angepasst. So ist der Grill hier erstmals völlig geschlossen und die versenkbare "Spirit of Ecstasy" stemmt sich windschlüpfriger gegen den Wind, was jeweils der Aerodynamik und der Reichweite zugutekommen soll. Gleiches gilt für das sanft auslaufende Heck, die speziell designten Felgen und den Unterboden. Der lange Radstand von 3,21 Metern sorgt für ausgewogene Proportionen. Am Heck setzen die stehenden Leuchteinheiten Akzente.

Leise und schwebend

Beim Fahren sollen die Passagiere so gut wie gar nichts mehr von der Außenwelt mitbekommen. Obwohl bereits die bisherigen Modelle in Sachen Geräuschkulisse Maßstäbe setzen, soll der Spectre die Messlatte noch ein Stück weit höher legen. Neben der ohnehin umfangreichen Dämmung sollen der nahezu lautlose Elektroantrieb, die um 30 Prozent steifere Karosserie sowie der rund 700 Kilo schwere Akku im Unterboden zur Ruhe im Innenraum beitragen. Hinzu kommt das sogenannte "Planar-Fahrwerk", das auf Wunsch ein Fahrgefühl wie auf einem fliegenden Teppich ermöglichen soll. So können die aktiven Querstabilisatoren bei Geradeausfahrt zugunsten des Komforts entkoppelt werden. Bei Kurvenfahrt werden sie hingegen wieder zusammengekoppelt, um die Querneigung zu verringern.

Rolls Royce SpectreRolls Royce Spectre © Rolls Royce

Sternenshow im Innenraum

Der Innenraum ist ebenfalls voll und ganz auf Luxus getrimmt, ohne dabei auf modernste Technik wie alle gängigen Konnektivitätsfunktionen sowie Assistenzsysteme zu verzichten. Ein völliges Novum sind die sogenannten Starlight Doors, die 5.876 sanft beleuchtete "Sterne" (kleine LEDs) zeigen. Von solchen "Sternen" umgeben ist auch der Spectre-Schriftzug rechts am Armaturenbrett. Hier sind es 4.796. Bisher gab es bei Rolls Royce "nur" einen Sternenhimmel, der natürlich auch hier verfügbar ist. Alle fahrrelevanten Informationen werden am individuell anpassbaren digitalen Kombiinstrument angezeigt. Die Bedienung erfolgt über den großen Touchscreen in der Mitte, per Sprachbefehl oder über eine Reihe an mechanischen Bedienelementen wie den praktischen Dreh-/Drücksteller auf der Mittelkonsole. Diesbezüglich bleibt Rolls Royce also verhältnismäßig klassisch.

Rolls Royce SpectreRolls Royce Spectre © Rolls Royce

Verfügbarkeit und Preis

Solvente Interessent:innen müssen sich noch etwas gedulden. Denn der Spectre soll erst ab dem vierten Quartal 2023 ausgeliefert werden. Den Netto-Preis gibt Rolls Royce mit 318.500 Euro an. Hierzulande wird es inklusive Steuern also knapp unter 400.000 Euro losgehen.

www.rolls-roycemotorcars.com