Otto Immobilien-Investment Markt-Update
Österreichischer Immobilienmarkt zwischen Zurückhaltung und Chancen

| Redaktion 
| 25.08.2026

Während einzelne Segmente wie Handel durch eine Großtransaktion zulegen konnten, entwickelten sich insbesondere Wohnen, Büro sowie Industrie und Logistik rückläufig.

Der österreichische Immobilieninvestmentmarkt zeigte im ersten Halbjahr 2026 eine deutlich zurückhaltende Entwicklung. Das Transaktionsvolumen belief sich auf rund 1,08 Milliarden Euro und lag damit um 34 Prozent unter dem Vergleichswert des ersten Halbjahres 2025, in dem 1,65 Milliarden Euro umgesetzt wurden. 

Dabei zeigt sich laut dem Investment Markt-Update von Otto Immobilien ein differenziertes Bild zwischen den einzelnen Assetklassen. Während mehrere Segmente deutliche Rückgänge verzeichneten, konnte der Bereich Handel aufgrund einer Großtransaktion in Parndorf deutlich zulegen. Das Volumen im Segment Wohnen ging um 74 Prozent zurück, gefolgt von Sonstigen Immobilien mit minus 61 Prozent, Industrie/Logistik mit minus 47 Prozent, betreibergeführtem Wohnen mit minus 47 Prozent, Büro mit minus 39 Prozent sowie Hotel mit minus 19 Prozent. Der Handel verzeichnete hingegen einen Anstieg von 287 Prozent.

Diese Entwicklung führte zu einer Verschiebung der Marktanteile. Der Anteil des Handels am gesamten Transaktionsvolumen stieg von acht Prozent im Jahr 2025 auf rund 31 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Gleichzeitig reduzierte sich der Anteil von Wohnen von 33 Prozent auf rund 16 Prozent. Angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen bleibe abzuwarten, ob sich die Marktdynamik im zweiten Halbjahr 2026 verbessern werde.

Unterschiedliche Entwicklung bei den Spitzenrenditen

Die Entwicklung der Spitzenrenditen verlief je nach Immobiliensegment unterschiedlich. Philipp Maisel, Abteilungsleiter Investment bei Otto Immobilien, beschreibt die aktuelle Situation: "Während Core-Objekte im Büro- und Wohnbereich im Wesentlichen stabil sind, geraten Industrie/Logistik Projekte leicht unter Druck."

Für 2026 werden Spitzenrenditen von 4,00 Prozent für Wohnimmobilien, 4,75 Prozent für Büro sowie 5,20 Prozent für Industrie und Logistik prognostiziert.

Büromarkt bleibt von Zurückhaltung geprägt

Im Bürosegment setzte sich der Rückgang der Transaktionstätigkeit fort. Das Volumen lag im ersten Halbjahr 2026 bei rund 211 Millionen Euro und damit um rund 39 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums mit 344 Millionen Euro. Der Anteil von Büro am Gesamtvolumen sank von 28 Prozent im Jahr 2025 auf 20 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

Der Fokus der Investor:innen liege weiterhin auf Bestandsobjekten in zentralen Lagen mit langfristig abgesicherten Mieteinnahmen. Besonders gefragt seien hochwertige, ESG-konforme Core-Objekte in gut angebundenen und etablierten Wiener Bürolagen.

"Der Fokus liegt weiterhin auf erstklassigen, ESG-konformen Core-Objekten in gut angebundenen, zentralen und etablierten Wiener Bürolagen", sagt Anthony Crow, Prokurist und Abteilungsleiter Immobilienvermarktung Gewerbe bei Otto Immobilien. Trotz einer aktuell zurückhaltenden Vermietungssituation und selektiver Nachfrage würden gut positionierte Büroimmobilien weiterhin Chancen bieten.

Wohnimmobilienmarkt mit stärkstem Rückgang

Der institutionelle Wohnimmobilienmarkt verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen besonders deutlichen Rückgang. Das Transaktionsvolumen erreichte rund 171 Millionen Euro und lag damit um etwa 74 Prozent unter dem Vergleichswert des ersten Halbjahres 2025 mit 656 Millionen Euro.

Ein großer Teil des Volumens entfiel weiterhin auf stark vermietete Bestandsimmobilien in Wien und den Landeshauptstädten. Insbesondere offene Immobilienfonds hätten weiterhin Objekte aus ihren Portfolios verkauft. Forward-Deals spielten aufgrund der aktuellen Marktbedingungen weiterhin keine Rolle.

Georg Kretschmer, Teamleiter Investment, erklärt: "Die Nachfrage der Anleger:innen nach modernen, hochwertigen und ESG-konformen Wohnobjekten ist nach wie vor gegeben, wird jedoch aktuell durch das geringe Angebot – sowohl an Bestands- als auch an neu fertiggestellten Objekten – ausgebremst."

Industrie und Logistik nach starkem Vorjahr unter Druck

Auch das Segment Industrie und Logistik entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 rückläufig. Mit rund 112 Millionen Euro lag das Transaktionsvolumen um etwa 47 Prozent unter dem Vergleichswert des ersten Halbjahres 2025 mit 209 Millionen Euro. Der Anteil des Segments am Gesamtvolumen reduzierte sich von rund 14 Prozent im Jahr 2025 auf rund zehn Prozent im ersten Halbjahr 2026.

Dabei folgte der Rückgang auf ein starkes Vorjahr. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Assetklasse mit rund 580 Millionen Euro und einem Plus von 29 Prozent gegenüber 2024 den zweithöchsten Wert der vergangenen fünf Jahre erzielt. Aufgrund der hohen Bautätigkeit im Logistik-Hotspot Wien und Umgebung könnte das Transaktionsvolumen im Jahresverlauf wieder steigen, sofern wichtige Neubauten vollständig vermietet werden.

Alexandra Fischer, Teamleiterin Industrie/Logistik, beschreibt die aktuelle Nachfrage: "Investor:innen fokussieren sich weiterhin auf moderne, vollvermietete Core-Objekte in etablierten Logistiklagen, während ältere Bestandsobjekte angesichts steigender Leerstände zunehmend unter Preisdruck geraten." Erst mit einer fortschreitenden Vermietung neuer Flächen dürfte sich das Transaktionsgeschehen wieder beleben.

Markt bleibt selektiv

Der österreichische Investmentmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 von einer stärkeren Differenzierung zwischen hochwertigen und weniger gefragten Immobilien geprägt, so die Expert:innen. Während die Nachfrage nach modernen, gut positionierten Core-Objekten weiterhin vorhanden ist, wirken sich die aktuellen Rahmenbedingungen auf die Transaktionstätigkeit aus.

Die weitere Entwicklung wird laut Otto Immobilien davon abhängen, ob sich die Marktbedingungen in der zweiten Jahreshälfte verbessern und wieder mehr Dynamik bei Immobilieninvestments entsteht.

www.otto.at

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