Im 19. Jahrhundert war das Klavier das Statussymbol schlechthin – fixer luxuriöser Bestandteil großbürgerlicher Haushalte und prägend für Salons, Kaffeehäuser und Hotels etc. Heute ist Hausmusik selten geworden, und auch in der Öffentlichkeit sieht man das Instrument deutlich weniger. Luxury News stellte der Geschäftsführerin des Klavier-Herstellers Bösendorfer, Sabine Grubmüller, die Frage: Welche Zukunft hat das "königliche Instrument"?

Bösendorfer Concert Grand 290 Imperial © Bösendorfer
Fast 200 Jahre Tradition
"Die Bösendorfer Klavierfabrik gibt es seit fast 200 Jahren – und sie wird wohl noch lange bestehen“, beginnt Sabine Grubmüller unser Gespräch. "Gegründet 1828 von Ignaz Bösendorfer in Wien, gehört das Unternehmen seit 2008 zum japanischen Musikinstrumentenerzeuger Yamaha und ist damit wirtschaftlich gut abgesichert. In zwei Jahren feiern wir unser 200-jähriges Jubiläum."
Das Klavier hat keinesfalls an Bedeutung in der Gesellschaft verloren, versichert Sabine Grubmüller, seine Anziehungskraft ist nach wir vor riesengroß, als Instrument ist es überhaupt unbestritten. "Es hat sich einiges geändert, die Rahmenbedingungen generell sind anders als früher, aber die Einzigartigkeit und die Faszination des Klaviers sind unverändert. Die Qualität einzelner Teile hat sich sogar deutlich verbessert."
Mit rund 250 bis 300 Instrumenten jährlich ist Bösendorfer der letzte größere Hersteller in Österreich und zählt weltweit zu den Top-Playern. "Unsere wichtigsten Märkte sind Europa sowie Nordamerika, während geopolitische Krisen zuletzt den Absatz gebremst haben. Am österreichischen Markt verkaufen wir jährlich zirka sieben Prozent." Die Preise starten bei etwa 100.000 Euro, Konzertflügel liegen mit zirka 200.000 Euro deutlich darüber, es geht aber nicht selten noch weiter nach oben.
Wer kauft heute Klaviere?
"Rund 80 Prozent der Instrumente gehen an private Haushalte, der Rest an Institutionen wie Konzertsäle, Eventlocations oder Hotels, Bars etc.", beschreibt Sabine Grubmüller den Vertrieb. "Trotz verändertem Lebensstil, vor allem bei den Jugendlichen, bleibt die Nachfrage im privaten Bereich vergleichsweise immer noch sehr hoch."
Instrumente für Generationen
Das Bösendorfer-Sortiment umfasst zehn Modelle – von klassischen Klavieren bis zu großen Konzertflügeln. "Besonders gefragt sind heute Instrumente mit kraftvollerem, brillanterem Klang, die sich auch in großen Konzertsälen behaupten können. Seit Einführung neuer Modelle verkauft Bösendorfer mehr große Flügel als je zuvor."
"Während Klaviere im Privatbesitz oft Generationen überdauern, werden sie im professionellen Einsatz etwa alle fünf Jahre ersetzt", so Sabine Grubmüller über die Lebenserwartung der Instrumente. "Flügel aus Konzerthäusern sind durchaus begehrt – vor allem, wenn bekannte Künstler darauf gespielt haben."

Donka Angatscheva, Ambassador von Bösendorfer © Michael Kobler
Europäische Handwerkskunst
Bösendorfer setzt ausschließlich auf europäische Materialien, viele davon aus Österreich. "Wir verwenden mehrere Holzarten aus den österreichischen Alpen, deren Besonderheiten zum Klangfarbenreichtum unserer Instrumente beitragen", erklärt Sabine Grubmüller. "Der Gussrahmen kommt aus einer Gießerei in Oberösterreich, die Mechanik und die Klaviatur beziehen wir aus Deutschland. Die einzigartige Saitenaufhängung, 'Single Strining', stellen wir selbst her."
Gefertigt wird ausschließlich in Wiener Neustadt, mit viel Handarbeit und spezialisierten Fachkräften, derzeit 125. Auch die Ausbildung spielt eine große Rolle – vom Lehrling bis zum Konzerttechniker. "Wir tauschen auch international Volontäre aus und darüber hinaus beschäftigen wir auch Tischler, Lackierer, Schlosser usw. Auch Künstlerinnen und Künstler wirken aktiv an der Weiterentwicklung der Instrumente mit und bringen wertvolle Impulse aus der Praxis ein."

Schwebende Anmut des Klavierdeckels, Concert Grand 230VC Performance © Bösendorfer
Blick nach vorn
Für das Jubiläumsjahr 2028 plant das Unternehmen neue Modelle und limitierte Editionen mit modernem Design. Aktuell wird intensiv an Prototypen gearbeitet. Ziel ist es, Tradition mit Innovation zu verbinden – technisch wie optisch. "Das zukunftsweisende Erscheinungsbild folgt konsequent dem Prinzip 'Form Follows Function' und verbindet technische Präzision mit virtuoser Eleganz – sichtbar zum Beispiel in der schwebenden Anmutung des Deckels, den klar geführten Linien, dem visuell und akustisch optimierten Notenpult sowie in harmonisch ausgeführten Details.
Sabine Grubmüller sieht die Zukunft des populärsten Tasteninstruments durchaus optimistisch. "Es gibt seit Jahrhunderten ein ständiges Auf und Ab. Auch wenn das wirtschaftliche Umfeld derzeit nicht besonders gut dasteht und sich die Welt in einer Ausnahmesituation befindet, wird es wieder aufwärts gehen – das Klavier ist und bleibt ein fixer Bestandteil unserer Kultur."
www.boesendorfer.com