Der österreichisch-türkische Modeschöpfer Atıl Kutoğlu ist in der internationalen Modewelt längst ein Begriff. Seit den 1990er-Jahren zeigt er seine Modelle auf allen wichtigen Catwalks der Welt, er stattet Damen aus Film, Theater, Politik, Adel und Society mit den schönsten Kreationen aus und erhielt dafür eine große Anzahl von Auszeichnungen. Kürzlich eröffnete Atil Kutoğlu seine neueste Boutique im Herzen Wiens (LEADERSNET berichtete), wo er Luxury News zum Interview traf.
Am Beginn seiner großartigen Karriere, so erzählt Atıl Kutoğlu, konnte er 1990, mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Helmut Zilk und des Modesekretariats der Wirtschaftskammer Österreich, seine erst Kollektion präsentieren. So gesehen war er vom Start weg auch Teil der österreichischen Wirtschaft.
Atıl Kutoğlu: "Mode ist eine Kunstgattung, die einerseits sehr viel mit Kreativität und handwerklichem Geschick zu tun hat, andererseits aber auch mit der Wirtschaft sehr eng verbunden ist. Deshalb ist es meine Philosophie, nicht nur schöne, kreative, traumhafte Roben, feminine Outfits, große Abendkleider und vieles mehr anzubieten, sondern meine Mode muss sich auch mit dem täglichen, normalen Leben verbinden.“

Atıl Kutoğlu mit Models bei der Boutique-Eröffnung © LEADERNSET/D. Mikkelsen
Dahinter steht eine große Industrie
Laut Statista lag der Umsatz mit Luxusmode im Jahr 2025 weltweit bei rund 130,1 Milliarden Euro. Es ist ein riesiger Markt mit großen und kleineren Playern. "Hinter allem stehen große Industrien", erklärt Atıl Kutoğlu, "in denen sehr viele Menschen arbeiten. Deshalb müssen wir mit unseren Kollektionen in die Welt hinausgehen. Auf internationalen Modemessen in Paris, Mailand und New York habe ich erkannt, wie die Branche läuft. Auch aus den Biographien erfolgreicher internationaler Designer, wie Yves Saint Laurent, Valentino, Alaïa oder Karl Lagerfeld habe ich gelernt, wie wichtig zum Beispiel der Schritt über den großen Teich ist."
Mode wird demokratischer
Der Stellenwert der Haute Couture habe sich deutlich verändert, ist Atıl Kutoğlu überzeugt. Durch den massiven Eintritt von großen Modeketten wie Zara oder H&M wäre die Mode nun demokratischer. Modetrends zu verfolgen und für die Massen zu adaptieren ist einfacher geworden.
"Früher gab es gute Qualität, gutes Design nur bei teureren Marken. Wir müssen große Shows veranstalten und unsere Modelle mit professionellen berühmten Models präsentieren und auch in der Produktion steckt sehr viel teures Handwerk. Alles zusammen kostet eine Menge Geld. Dann steigt eine Modekette mit weltweit 1.000 Filialen auf den Zug auf, kopiert unsere Modelle und bietet ein ähnliches Modell um ein Fünfzigstel unseres Preises an. Das hat uns Kreativen das Leben definitiv ein bisschen schwer gemacht.
Aber jetzt gibt es meiner Meinung nach wieder einen Wandel. Die neue Generation hat genug von den kurzlebigen Anbietern, gutes Design, hohe Qualität und Individualität sind wieder gefragt und dadurch gewinnen die Designer wieder an Wertigkeit. Auch der Online-Boom lässt nach, die Damen kommen zurück in die Salons und Boutiquen, sie legen Wert auf persönliche Beratung und Betreuung, sie nehmen sich dafür Zeit und sind gerne bereit, mehr Geld auszugeben."

Atıl Kutoğlu vor der Fashion-Show © Atıl Kutoğlu
Wien ist eine Stadt der Kunst und der Mode
Der in Istanbul geborene Atıl Kutoğlu fühlt sich stark in in der Bundeshauptstadt verwurzelt, er glaubt auch sehr stark an Wien als eine Modestadt. "Schon in der Monarchie, aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Wiener Mode sehr berühmt. Man denke nur an Emilie Flöge oder Fred Adlmüller. Ich finde, die Wienerinnen und auch die Österreicherinnen generell, haben ein Flair und ein besonderes Auge für Mode.
Die Stadt ist sicherlich in Europa mit Paris und Mailand zu vergleichen, Wien ist allgemein ein sehr nährbarer Boden für Künstler. Auch die Schulen sind international sehr angesehen. Das Networking lässt sich von Wien aus gut kontrollieren und entwickeln. Kein Wunder also, dass die namhaftesten Modelabels der Welt in Wien deutlich präsent sind."
Ausgewählte Stoffe und Nachhaltigkeit
Die Stoffe für seine Mode bezieht Atıl Kutoğlu zu 60 bis 70 Prozent von international bekannten Stoffherstellern die auch für große Häuser wie Chanel oder Louis Vuitton tätig sind. Aus Frankreich, Italien, der Türkei und zum Teil auch aus Österreich. Leder bezieht er entweder aus Italien oder aus der Türkei, wo auch konfektioniert wird.
"Als internationale Marke muss ich eine sehr große Palette von Materialien anbieten. Ich persönlich liebe Seide, Seide-Mischungen, aber im Sommer auch Leinen oder Baumwolle, für den Abend dann wieder Seidenbrokat.
Weil Nachhaltigkeit sehr wichtig geworden ist, schauen wir natürlich, dass alle Materialien umweltfreundlich sind und vor allem aus renommierten Häusern kommen, die selbst Umweltmaßnahmen eingeführt haben. Von meinen Kundinnen erfahre ich sogar, dass sie Modelle aktuell tragen, die sie bereits vor zehn bis fünfzehn Jahren gekauft haben und darin nach wie vor bewundert werden. Das ist für mich das beste Beispiel für die Nachhaltigkeit.
Die Kundinnen werfen sie nicht einfach weg, sondern behüten sie wie ihre Juwelen in ihren Kleiderschränken und vererben sie sogar weiter an ihre Töchter. Wir verwenden größtenteils Materialien, die umweltfreundlich verwertet bzw. recycelt werden können."
Am Ende des Interviews gibt Atıl Kutoğlu noch einen Ausblick auf seine Herbst-/Winter-Kollektion.
"Mode war meiner Meinung nach, noch nie so vielfältig, wie jetzt. Alles ist möglich. Von der Opulenz der letzten Jahre abweichend, schwebt man jetzt wieder in klaren geometrischen Linien und ein bisschen zurückgezogenen Silhouetten. Reduktion ist angesagt. War im Sommer 'Italienische Rivera' in, kommt für den Herbst und Winter eine, ein bisschen ruhigere Mode, aber mit sehr hochwertigen Materialien mit Kaschmirwolle, Seide, Leder.
Die Farben sind gedeckt, Bronzebraun für den Herbst und sehr viel Grautöne, Anthrazit und Winterweiß. Im Winter dominieren Dunkelblau, genau genommen als Ersatz für Schwarz und was ich liebend gerne und immer wieder verwende, ist Violett. Ohne Violett gibt es keine Kutoğlu-Kollektion, die Farbe ist bei mir genauso beliebt wie auch im Vatikan, beim Papst“, scherzt Atıl Kutoğlu. Großen Wert legt der Modeschöpfer auch auf, zu seinen Modellen passende Accessoires, die er ebenso mit größter Sorgfalt auswählt.
www.atilkutoglu.com