Interview mit Joji Hattori
Joji Hattori: "Die Zufriedenheit meiner Gäste motiviert mich"

| Ernst Trestl 
| 07.05.2026

Luxury News sprach mit dem vielseitigen Künstler und Unternehmer Joji Hattori über seine Ansprüche bezugnehmend auf Kultur und Gastronomie.

Joji Hattori ist international als Musiker, Dirigent, Intendant aber auch als Gastronom und Vertreter japanischer Kultur bestens bekannt. Überzeugend schafft er den Spagat zwischen liebgewonnenen Traditionen und modernem Zeitgeist. Er arbeitete mit renommierten Orchestern, wie dem Philharmonia Orchestra London sowie an diversen Opernhäusern, unter anderem auch an der Wiener Staatsoper und trägt mit originellen Konzepten zur Verbreitung klassischer Musik bei. Als Intendant und musikalischer Leiter des Wiener Opernsommers verfolgt Hattori bereits zum dritten Mal das Ziel, Wien auch im Sommer als lebendige Kulturmetropole zu stärken.

Mit seiner "World of Shiki" schuf der innovative Gastronom darüber hinaus ein imposantes kulinarisches Refugium.


Joji Hattori, Intendant des Wiener Opernsommers © Jürgen Hammerschmid

Im Interview mit Luxury News spricht Joji Hattori über zeitgemäße Veränderungen in zwei von ihm maßgeblich beeinflussten Branchen.

Luxury News: Herr Hattori, Sie sind mit ihrer "World of Shiki" – Shiki Japanese Cuisine, Shiki Omakase, Shiki Boutique mit Sakethek – und als Intendant des Wiener Opernsommers sowohl in der Luxus- als auch in der Kulturbranche fest verankert. Die Entwicklung der Luxusbranche hat sich, teilweise sehr stark, verändert. Wie ist Ihre Wahrnehmung und wie schätzen Sie die Zukunft der Branche ein?

Joji Hattori: Die zunehmende Bedeutung von Social Media ist wohl die größte Veränderung bzw. Entwicklung in beiden Bereichen. Das neueröffnete Shiki Omakase profitiert von ein paar Influencer-Empfehlungen, deren Videos zum Teil weit über 200.000 Views generierten. Auch der Wiener Opernsommer setzt immer mehr auf die Online Vermarktung. So erweisen sich unsere Instagram Kampagnen viel erfolgreicher als beispielsweise Plakate auf den Straßen.

Luxury News: Wie verändert sich das Konsumverhalten wohlhabender Gäste und Kunden derzeit?

Joji Hattori: Insgesamt sind viele Luxushotels oder Restaurants nicht mehr so exklusiv wie früher, weil es immer weniger gut geschultes Personal gibt. Unlängst wollte ich in einem berühmten 5-Sterne Hotel Olivenöl statt Butter zum Brot. Nach fünf Minuten vergeblichen Wartens fragte ich höflich nach, ob das Öl vergessen wurde, worauf mir der Servicemitarbeiter ganz beleidigt antwortete: "Das Öl kommt schon, entspannen Sie sich."

Also sucht der wohlhabende Kunde nach einem wirklich besonderen Erlebnis – nach einem 6-Sterne-Erlebnis. Wenn man das bietet, darf es wirklich viel kosten, wie unser Shiki Omakase, bei dem zwei Köche und ein Kellner/Sommelier, also drei Mitarbeiter, sich den ganzen Abend lediglich acht Gästen widmen.


World of Shiki – Luxusgastronomie Shiki Omakase © Irina Thalhammer

Luxury News: Sie bewegen sich seit Jahren auf höchstem Niveau. Was treibt Sie persönlich bis heute an?

Joji Hattori: Ich habe inzwischen das große Glück, mich nur mit solchen Projekten beschäftigen zu müssen, die ich ganzheitlich beeinflussen kann. Als Besitzer eines Restaurants oder Intendant eines Opernfestivals bestimme ich, wer die Mitarbeiter sind und was den Kunden inhaltlich geboten wird. Ich bin dadurch nur von meinen Kunden abhängig, aber nicht von der Branchenpolitik oder irgendwelchen Vorgesetzten. Die Zufriedenheit der Gäste motiviert mich, und die Tatsache, dass ich jederzeit etwas ändern kann, wenn ich das Gefühl habe, dass sich meine Kunden etwas anderes wünschen.

Luxury News: Wie ist es Ihnen gelungen, sich in einem stark umkämpften Umfeld, so eindrucksvoll zu behaupten?

Joji Hattori: Sie sagen, "in einem stark umkämpften . . .", dabei sind es zwei, Gastronomie und Oper. Mein Erfolgsrezept ist zum einen das Füllen von Marktlücken, zum anderen die Demut gegenüber den Kunden.

Es gab vor Shiki kein kompromissloses japanisches Luxusrestaurant in Wien, und vor dem Wiener Opernsommer gab es in den beiden Sommermonaten keine einzige hochwertige Opernproduktion in Wien.

Und mit Demut meine ich, dass ich trotz der höchsten künstlerischen Ansprüche immer zuerst an meine Gäste denke. In der Opernbranche ist es eindeutig, das Publikum wünscht sich keine avantgardistischen, modern-intellektuellen Produktionen. Unsere "Carmen" dieses Jahr bietet wieder eine tolle Bühne, opulente Kostüme und eine Regie, die die Geschichte der verführerischen, spanischen Schönheit unverfälscht darstellt.

Luxury News: Welche Werte sind für Sie unverhandelbar – geschäftlich wie privat?

Joji Hattori: Für mich ist das Allerwichtigste in meinem Leben, nicht „Wasser zu predigen und Wein zu trinken“. Das, was ich am meisten verabscheue, ist die sogenannte Doppelmoral. Wenn ich einen Fehler mache, dann gebe ich das sofort zu, und entschuldige mich dafür, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Das andere, was ich ungern tue, ist nur zu reden ohne zu agieren. All meine Freunde wissen: wenn ich ihnen von einer Idee erzähle, wird sie auch wirklich umgesetzt.

Luxury News: Welche Branchen haben Ihrer Meinung nach eine gute bzw. eine weniger gute Perspektive?

Joji Hattori: Was die Opernwelt betrifft, glaube ich, dass sie im Allgemeinen eine gute Perspektive hat, jedoch der Trend mit avantgardistischem Regietheater keine Zukunft hat.

In der Gastronomie hat es die Mittelklasse immer schwieriger, denn die Personalkosten sind überall fast gleich hoch. Überleben wird meiner Meinung nach das Geschäft mit der Masse, also Fastfood zum einen und die Luxusbranche zum anderen. 

Luxury News: Vielen Dank für ihre interessanten Ausführungen und weiterhin viel Erfolg.  

www.shiki.at

www.opernsommer.at

 

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