Käufer zeigen sich bei ihren Kunstankäufen anspruchsvoller denn je und sind durchaus bereit, für außergewöhnliche Werke und einwandfreie Qualität und Herkunft tief in die Tasche zu greifen. Anderenfalls machen sie auch eher mal einen Bogen um ein Objekt. "Von diesem neuen Verhalten profitieren die bekannten Namen, auf die sich das Angebot immer mehr konzentriert", so Artprice-Gründer Thierry Ehrmann.
Das Sammeln von Werken der umsatzstärksten Künstler des Kunstmarkts stellt ihm zufolge eine einfache und systematische Investmentstrategie dar, die darauf abzielt, von den Erträgen des Top Segments zu profitieren, ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen. Hierauf aufbauend wurde der Artprice100 wie ein Portfolio mit den Bluechips des Kunstmarkts konzipiert, oder anders gesagt, als ein Portfolio mit den wichtigsten Künstlern, deren Werke gut verkäuflich sind. Dieses Portfolio kann sich zwar in der Praxis als schwierig realisierbar erweisen, hat aber aus theoretischer Perspektive Vorteile, die dem Experten zufolge auf der Hand liegen. "Der Artprice100 ist als ein Instrument vergleichbar den Leitindizes der Börsen gedacht", erklärt er.
Die Zusammensetzung des Artprice100 wird am 1. Jänner jeden Jahres festgelegt, um die Entwicklung des Kunstmarkts abzubilden. Aufgenommen werden die einhundert Künstler, deren Auktionen im Verlauf der vorangegangenen fünf Jahre die stärksten Umsätze erzielten und die darüber hinaus ein ganz wesentliches Angebotskriterium erfüllen: jedes Jahr müssen mindestens zehn gleichartige Werke verkauft werden. Somit ist Leonardo da Vinci nicht Teil des Portfolios 2018. "Die Verkaufsumsätze im vergangenen Jahr belaufen sich zwar auf 450 Mio Dollar, aber es gibt zu wenige seiner Werke in Privatbesitz", sagt Ehrmann. Diese einhundert Künstler allein, die den Artprice100ausmachen, stehen für 73 % der weltweiten Auktionserlöse von 2018.
Picasso ist auch 2019 unverändert das Schwergewicht der Zusammensetzung (7,4 %), gefolgt von Warhol (6,7%), Zhang Daqian (4,7%) und Qi Baishi (4,1%). Langfristig gesehen verschiebt sich die Zusammensetzung des Artprice100 beständig zugunsten der lebenden Künstler: In diesem Jahr 17, gegenüber 12 in 2000. Unter ihnen steht bei Artprice100 Gerhard Richter an erster Stelle (3,3%).
Wie entwickelt sich der Global Art Market?
Zahlen im weltweiten Kunsthandel sind nur schwer zu bekommen, es gibt mehrere konkurrierende Kunstmarkt-Reports. Schätzt der „Art Basel and UBS Global Art Market Report 2018“ beispielsweise im vergangenen Berichtsjahr den weltweiten Kunstumsatz auf 63,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 12 Prozent, hat der Tefaf-Report deutlich weniger angesetzt: 45 Milliarden Dollar.
Die globalen Auktionsumsätze stiegen laut Art Economics 2017 um 27 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar an, ein Plus (2016: 22,1 Milliarden Dollar). Die Auktionsumsätze bei den Zeitgenossen summieren sich auf 6,2 Milliarden Dollar (Plus 12%). Die Klassische Moderne setzt 3,6 Milliarden Dollar um (Plus 39%). Die Impressionisten und Postimpressionisten kommen auf 2,3 Milliarden Dollar (Plus 71 %). Die europäischen Alten Meister liegen - dank Leonardo - bei 977 Millionen Dollar. Die führenden Märkte sind 2017 - nach Wert - die USA (42%, 2016: 40%), China (21%, 2016:20%) und UK (20%, 2016: 21%).
Picasso bei den teuersten Kunstwerken auf Platz zwei verdrängt
Mehr als 450 Millionen Dollar zahlte ein unbekannter Bieter im November 2017 bei Christie's für "Salvator Mundi". Davor hatten Pablo Picassos "Frauen von Algier" mit 179 Millionen Dollar alle bisherigen Rekorde gebrochen und waren das teuerste Kunstwerk der Welt.
Das Gemälde "Nu couché" von Amadeo Modigliani wurde bei Christie's für 170,4 Millionen Dollar an den chinesischen Geschäftsmann Liu Yiqian versteigert.142,4 Millionen gab es für Francis Bacon "Drei Studien von Lucian Freud". 2012 wurde das Gemälde "Der Schrei" von Edvard Munch für 119,9 Millionen Dollar versteigert. Auch Pablo Picassos "Junges Mädchen mit Blumenkorb" schaffte es unter die Top Ten der am teuersten versteigerten Gemälde der Welt.
"Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)" von David Hockney ist das teuerste Bild eines lebenden Malers. Damian Hirst ist der reichste Künstler der Welt. Seine bekanntesten Werke sind ein in Formaldehyd eingelegter Hai sowie ein diamantbesetzter Totenkopf. Die teuerste Skulptur der Welt stammt vom Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti: Der "Zeigende Mann" wurde für 141,3 Millionen Dollar verkauft. (red)