Industrielle Abwärme für die Dampferzeugung nutzen, Kohlenstoff im Straßenbelag speichern und älteren Beschäftigten einen längeren Verbleib im Berufsleben ermöglichen – die beim Trigos 2026 ausgezeichneten Projekte setzen an unterschiedlichen Aufgaben von Unternehmen an. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, ökologische oder gesellschaftliche Verantwortung in der betrieblichen Praxis zu verankern. Am Donnerstag, dem 1. Oktober, wurden dafür sechs Unternehmen bei der 23. Verleihung des Nachhaltigkeitspreises im Kuppelsaal der TU Wien gewürdigt.
Aus 180 Einreichungen hatte eine Fachjury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zuvor 19 Projekte für das Finale ausgewählt. Laut Veranstalter:innen war die Zahl der Einreichungen damit so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. In jeder der sechs Kategorien wurde schließlich ein Unternehmen prämiert. Die Auszeichnungen gingen an GIG Karasek, Porr, Pohl Metall, Med-el, Teufelberger Fiber Rope und den Vetterhof.
Abwärme nutzen und Kohlenstoff speichern
Der Preis in der Kategorie "Klimaschutz" ging an die niederösterreichische GIG Karasek GmbH. Das Projekt "CompriVap" nutzt industrielle Abwärme zur Dampferzeugung. Eine entsprechende Großwärmepumpe wird am BASF-Standort Ludwigshafen errichtet. Sie soll bislang ungenutzte Wärme aus Kühlprozessen für die industrielle Produktion nutzbar machen und dadurch fossile Dampferzeugung ersetzen. Nach Angaben der Verantwortlichen kann die Technologie jährlich bis zu 100.000 Tonnen CO₂ einsparen.
Die Porr AG aus Wien wurde in der Kategorie "Social Innovation & Future Challenges" für einen "CO₂-speichernden Radweg aus Pflanzenkohle" ausgezeichnet. Gemeinsam mit Partner:innen entwickelte der Baukonzern einen Asphalt, in dem Pflanzenkohle enthalten ist. Der darin gebundene Kohlenstoff wird im Straßenbelag gespeichert. Laut den Verantwortlichen entspricht dies mehr als 60 Tonnen CO₂ pro Kilometer Radweg. Das Pilotprojekt untersucht damit einen Ansatz, um die Klimawirkung von Straßenbaumaterialien zu verändern.
Ältere Beschäftigte und Hörgesundheit im Fokus
Während GIG Karasek und Porr technische Ansätze für den Klimaschutz verfolgen, steht bei weiteren Projekten die soziale Verantwortung im Mittelpunkt. Wie Unternehmen auf eine älter werdende Belegschaft reagieren können, zeigt die Pohl Metall GmbH aus Tirol. Mit "Golden Oldies" gewann sie die Kategorie "Mitarbeiter:innen-Initiativen". Flexible Arbeitszeiten, angepasste Arbeitsplätze und Gesundheitsangebote sollen Beschäftigten über 60 Jahren einen längeren Verbleib im Berufsleben ermöglichen. Der Ansatz verbindet die Sicherung von Erfahrung und Fachwissen mit der Gestaltung altersgerechter Arbeitsbedingungen.
Ebenfalls aus Tirol kommt die Med-el Elektromedizinische Geräte GmbH, die in der Kategorie "Internationales Engagement" ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit der Austrian Development Agency arbeitet das Unternehmen daran, den Zugang zu Hörgesundheit in Ländern Subsahara-Afrikas und Südasiens zu verbessern. Das Projekt "Empowering the Hearing Healthcare Sector in Developing and Emerging Countries" umfasst Früherkennung, Ausbildung und Wissensvermittlung. Laut den Verantwortlichen wurden über 97.000 Babys und Kinder gescreent, 762 Fachkräfte ausgebildet sowie 1.244 Expert:innen und Betreuungspersonen geschult.
Kreislaufwirtschaft und regionale Kooperation ergänzen das Spektrum
In der Kategorie "Vorbildliche Projekte" erhielt die Teufelberger Fiber Rope GmbH aus Oberösterreich den Preis für "Recycling von gebrauchten Seilen unserer Kunden". Der Hersteller industrieller Faserseile sammelt ausgediente Synthetikseile und führt sie gemeinsam mit einem Partner dem Recycling zu. Aus dem zurückgewonnenen Material können neue Fasern und wiederum Seile entstehen. Die ausführliche Projektbeschreibung nennt dafür insbesondere Seile aus Monomaterial, die in der Papierindustrie eingesetzt werden.
Auf Zusammenarbeit setzt auch der Vorarlberger Vetterhof. Für "Landwirtschaft als kooperatives Netzwerk" erhielt der Betrieb den Trigos in der Kategorie "Regionale Wertschaffung". Vier landwirtschaftliche Betriebe stimmen Anbau und Fruchtfolgen aufeinander ab, teilen Flächen und Maschinen und verbinden ihre Arbeit mit Verarbeitung und Vermarktung. Die Zusammenarbeit soll regionale Wertschöpfung stärken, ohne dass jeder einzelne Betrieb dafür strukturell wachsen muss.
Politische Stimmen betonen Verantwortung und Rahmenbedingungen
Die Verbindung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen prägt auch die Stellungnahmen aus der Politik. "Unternehmen, die Nachhaltigkeit konsequent in ihre Entscheidungen integrieren, übernehmen Verantwortung und stärken zugleich ihre Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit", erklärt Landwirtschafts-, Klima- und Umweltminister Norbert Totschnig.
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann hebt die soziale Dimension hervor. "Durch faire, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen fördern sie Chancengleichheit und die Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter:innen", sagt sie über Unternehmen, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verweist auf die wirtschaftliche Umsetzbarkeit. "Nachhaltigkeit ist dann besonders stark, wenn sie wirtschaftlich funktioniert", erklärt sie. Zugleich spricht sie sich für politische Rahmenbedingungen aus, die Unternehmen bei der Transformation unterstützen.
Für Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer bietet der Wettbewerb auch einen Anlass zur Auseinandersetzung mit der eigenen Unternehmensstrategie. "Die Teilnahme am Trigos bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten zu reflektieren, weiterzuentwickeln und strategisch im Kerngeschäft zu verankern", hält sie fest.
LEADERSNET begleitete die Preisverleihung. Einen Eindruck können Sie mittels Galerie gewinnen.
www.trigos.at
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