Bereits seit 2007 zeichnet das Programm L'Oréal UNESCO "For Women in Science" Nachwuchswissenschafterinnen in Österreich mit Förderpreisen aus. Mehr als 75 Forscherinnen haben seither eine solche Auszeichnung erhalten. Am 6. Oktober wurde nun der aktuelle Jahrgang 2026 in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien geehrt. Über 200 Gäste verfolgten die von Arabella Kiesbauer moderierte Verleihung, bei der Chancengleichheit und Diversität als Schlüssel für den Fortschritt von Wissenschaft und Gesellschaft in den Mittelpunkt rückten.
Vom Haaratlas bis zur Krebsdiagnostik
Zwei der ausgezeichneten Projekte drehen sich um die Tierwelt. Noreen Mukhwana Mutoro von der Universität Salzburg arbeitet an einem digitalen Haaratlas für ostafrikanische Säugetiere, mit dem sich Arten präzise bestimmen lassen. Sie kombiniert dafür Museumssammlungen mit Geodaten und KI und liefert so ein Werkzeug, das der Biodiversitätsforschung und dem Artenschutz in der Region bislang gefehlt hat. Ob sich gesundheitliche Probleme bei Pferden schon an Veränderungen im Umgang mit Artgenossen ablesen lassen, untersucht Laura Manuela Torres Borda von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Dazu wertet sie Tracking-Daten der Tiere gemeinsam mit Informationen zu Verhalten und Gesundheit aus. Auf diese Weise ließe sich der Zustand von Pferden künftig ohne invasive Eingriffe überwachen.
Die beiden weiteren Preisträgerinnen forschen zu Krebs. Marina Schapfl von der Medizinischen Universität Innsbruck interessiert sich dafür, wie Immunzellen sich über ihren Lipidstoffwechsel vor oxidativem Stress und der sogenannten Ferroptose schützen, einer speziellen Form des Zelltods. Dafür analysiert sie Fette in den Zellen, arbeitet mit genetischen Modellen und vergleicht gesunde Zellen mit B-Zell-Lymphomen. Ihre Ergebnisse sollen helfen, die Ferroptose künftig als Angriffspunkt für neue Krebstherapien zu nutzen. An der Johannes Kepler Universität Linz hat Yi-Chien Tsai einen minimalinvasiven Ansatz entwickelt, mit dem sich das seltene kutane T-Zell-Lymphom, eine Krebserkrankung, die sich an der Haut zeigt, zuverlässig von harmlosen Entzündungen abgrenzen lässt. Grundlage sind genetische Analysen und Blutwerte, die sie mit KI auswertet. Für Patient:innen verkürzt sich damit die Phase der Ungewissheit, und die Behandlung kann früher beginnen.
"Die heurigen Preise machen sichtbar, welches große Potenzial in der jungen Wissenschaftslandschaft Österreichs steckt. Besonders beeindruckt hat mich, wie engagiert und innovativ die ausgezeichneten Forscherinnen ihre Fragestellungen bearbeiten. Mit ihrem Erfolg setzen sie ein Zeichen und können viele Mädchen und junge Frauen darin bestärken, eine Zukunft in der Forschung für sich zu sehen", so ÖAW-Vizepräsidentin Ulrike Diebold.
25.000 Euro ohne Zweckbindung
Hinter dem Programm stehen neben L'Oréal Österreich die ÖAW, die Österreichische UNESCO-Kommission und das Wissenschaftsministerium. Ausgeschrieben werden die Förderpreise für Doktorandinnen und Postdocs aus Medizin, Naturwissenschaften und Mathematik. Sie sind mit jeweils 25.000 Euro dotiert und nicht zweckgebunden. Die Preisträgerinnen können das Geld somit etwa für eigene Projekte, den Austausch mit Teams im Ausland oder ihre nächsten Karriereschritte einsetzen. Die österreichische Ausgabe ist Teil einer 1998 gegründeten weltweiten Initiative von L'Oréal und UNESCO, die bisher über 4.700 Forscherinnen unterstützt hat, unter ihnen sieben Nobelpreisträgerinnen.
"Mit 'For Women in Science' fördern wir herausragende Nachwuchsforscherinnen und machen ihre Leistungen sichtbar. Die diesjährigen 'For Women in Science'-Preisträgerinnen zeigen eindrucksvoll, wie viel Leidenschaft und Zukunftspotenzial in der Wissenschaft steckt", so Stefan Lindenthal, Country Coordinator und Market Director Luxe bei L'Oréal Österreich.
Österreich hinkt beim Frauenanteil hinterher
Wie groß der Aufholbedarf ist, zeigen die Zahlen. Weltweit liegt der Frauenanteil in Forschung und Entwicklung bei rund 33 Prozent, in Österreich laut AMS bei lediglich 24,95 Prozent. Damit ist hierzulande nur etwa jede vierte Person in diesem Bereich eine Frau. Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) fand dazu deutliche Worte in ihrer Ansprache: "Es reicht nicht, einzelne Frauen auszuzeichnen. Wir müssen die Strukturen verändern. Wir werden die Rahmenbedingungen für Frauen in der Forschung weiter verbessern und dafür sorgen, dass Frauen auf ihrem wissenschaftlichen Weg nicht länger an gläsernen Decken und strukturellen Barrieren scheitern."
Und Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, betont: "Der Abend hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, Frauen in der Wissenschaft sichtbar zu machen und zu fördern. Denn wir können es uns nicht leisten, auf die Ideen, das Wissen und die Talente der Hälfte der Menschheit zu verzichten: Frauen bringen die Wissenschaft voran, und die Wissenschaft bringt die Welt voran."
LEADERSNET war bei der Verleihung dabei und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.oeaw.ac.at
www.loreal.com
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