Mehrere 100 Millionen Euro
ÖBB kaufen Bahnhof Wien Mitte zurück – inklusive Einkaufszentrum

| Redaktion 
| 04.10.2026

Der Vollzug der hunderte Millionen Euro schweren Transaktion ist nach der erforderlichen wettbewerbsrechtlichen Freigabe für Ende Dezember vorgesehen.

Nach mehr als 20 Jahren sollen Bahnanlagen und Immobilie am Standort Wien Mitte wieder in einer Hand liegen. Der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG hat dem Ankauf des Gebäudekomplexes zugestimmt. Verkäufer ist eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing.

Zum geplanten Erwerb gehören neben dem Bahnhof auch das Shoppingcenter und die Büroflächen. Angaben zur Höhe des Kaufpreises gibt es nicht, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Immobilienexpert:innen gehen aber von mindestens einer halben Milliarde Euro aus. Bevor die Transaktion abgeschlossen werden kann, müssen noch die üblichen Bedingungen erfüllt werden. Vorbehaltlich der fusionskontrollrechtlichen Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde ist der Vollzug für Ende Dezember geplant.

Einer der größten Bahnhöfe Österreichs

Wien Mitte nimmt im österreichischen Bahnverkehr eine bedeutende Rolle ein. Gemessen an der Zahl der Fahrgäste handelt es sich um den viertgrößten Bahnhof des Landes, so die ÖBB. Fünf Schnellbahnlinien und der Flughafenzug CAT treffen dort auf zwei U-Bahn-Linien sowie Straßenbahn- und Busverbindungen.

Pro Tag halten am Bahnhof 575 Züge. Rund 75.000 Menschen nutzen laut den ÖBB Wien Mitte täglich zum Ein-, Aus- oder Umsteigen.

ÖBB erhalten mehr Spielraum bei der Standortentwicklung

Ein wesentlicher Aspekt des Rückkaufs ist die enge bauliche und technische Verbindung zwischen den Bahnanlagen und dem darüberliegenden Gebäudekomplex. Veränderungen etwa bei Zugängen, Stiegen, Leitungen oder der Belüftung mussten bislang mit den jeweiligen Eigentümern abgestimmt werden.

Durch die Zusammenführung können die ÖBB die weitere Entwicklung des Standorts künftig selbst steuern. Das betrifft unter anderem die Wegeleitung, die technische Infrastruktur und die Flächen oberhalb der Gleise. Zusätzlicher Handlungsspielraum soll insbesondere mit Blick auf die weitere Entwicklung der S-Bahn-Stammstrecke entstehen, die künftig mehr Züge aufnehmen wird.

Auch das Erscheinungsbild soll angepasst werden. Die Funktion als Bahnhof soll künftig im Namen, bei den Zugängen und in der Gestaltung wieder stärker sichtbar werden. Für die bestehenden Mieter:innen ergeben sich durch den Eigentümerwechsel hingegen keine Änderungen. Sämtliche Verträge bleiben unverändert bestehen.

Von der Bahn zum Investor und wieder zurück

Die Geschichte des Standorts reicht bis ins 19. Jahrhundert. 1848 wurde die Station als Bahnhof Hauptzollamt eröffnet, 1934 ging sie in das Eigentum der Bahn über. Ab Ende der 1950er-Jahre entstanden über den Gleisen weitere Gebäude und Anlagen. Zunächst wurde ein Bürogebäude errichtet, später kamen eine Markthalle und ein Busbahnhof hinzu.

2005 verkauften die ÖBB die Liegenschaft an die damalige Bank Austria Creditanstalt-Gruppe. Der heutige Komplex wurde anschließend von der Wien Mitte Immobilien GmbH errichtet, die sich jeweils zur Hälfte im Eigentum von BAI und Bank Austria befand. Der Spatenstich erfolgte 2007, 2012 wurde ein Teil des Areals eröffnet. Seit April 2013 ist der gesamte Standort in Betrieb.

Zwei Jahre später verkaufte die Bank Austria den Komplex an eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Mit dem nun geplanten Ankauf durch die ÖBB soll die Liegenschaft nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder zur Bahn zurückkehren.

www.oebb.at

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