Interview mit Bogdan Roščić
"Die Zukunft der Wiener Staatsoper entsteht nicht allein auf der Bühne"

Im LEADERSNET-Interview spricht Bogdan Roščić, Direktor der Wiener Staatsoper, über den finanziellen Spielraum des Hauses, die Bedeutung des Offiziellen Freundeskreises und die Nachwuchsförderung. Außerdem erläutert er, wie die zweite Spielstätte NEST neue Publikumsgruppen erreichen soll und welche Begegnungen Mitglieder des Freundeskreises erwarten.

Die Wiener Staatsoper zählt zu den bedeutendsten Opernhäusern der Welt und ist zugleich eines der sichtbarsten kulturellen Aushängeschilder Österreichs. Mit ihrem Repertoirebetrieb, ihrer internationalen Ausstrahlung und ihrem hohen künstlerischen Anspruch prägt sie das Musikleben weit über die Landesgrenzen hinaus. 

Gleichzeit entwickelt sich das Haus kontinuierlich weiter. Mit Initiativen zur Nachwuchsförderung, innovativen Vermittlungsformaten und dem NEST eröffnet die Wiener Staatsoper neue Zugänge für kommende Generationen von Künstlerinnen, Künstlern und Publikumsgruppen.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der Offizielle Freundeskreis der Wiener Staatsoper. Durch das Engagement seiner Mitglieder unterstützt er Projekte, die weit über den regulären Spielbetrieb hinausreichen und wichtige Impulse für die Zukunft des Hauses setzen.

Im Gespräch erläutert Direktor Bogdan Roščić die aktuellen kulturpolitischen 
Rahmenbedingungen, die Bedeutung privater Förderung und die Rolle des Offiziellen Freundeskreises bei der Weiterentwicklung der Wiener Staatsoper. 

LEADERSNET: Herr Direktor, im Doppelbudget 2025/26 ist für die Bundestheater in beiden Jahren dieselbe Basisabgeltung vorgesehen. Damit bleiben die Mittel 2026 nominell auf dem Niveau von 2025. Was bedeutet das für die Wiener Staatsoper?

Bogdan Roščić: Es war natürlich wichtig, dass die Subvention nicht gekürzt wurde, aber man muss das auch im historischen Kontext betrachten. Die staatlichen Zuwendungen haben schon seit sehr langer Zeit nicht mit der Inflation Schritt gehalten, und die war in den letzten Jahren auch noch außerordentlich hoch. Diese Schere geht nun noch weiter auf. Wir haben es also angesichts massiver, nicht abgegoltener Inflationseffekte mit einer realen Reduktion der verfügbaren Mittel zu tun, die das Haus vor ernste Herausforderungen stellt.

Denn der gesetzliche Auftrag an die Staatsoper und ihr Anspruch bleiben ja unverändert. Wir wollen und müssen weiterhin künstlerische Exzellenz auf höchstem Niveau bieten, junge Talente fördern und die Oper für neue Publikumsgruppen öffnen. Natürlich gewinnt in so einer Lage die Unterstützung durch private Förderer:innen zunehmend an Bedeutung.

LEADERSNET: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Offizielle Freundeskreis der Wiener Staatsoper?

Roščić: Der Offizielle Freundeskreis hat sich hervorragend entwickelt und ist inzwischen der größte Sponsor der Staatsoper. Er ist für uns längst ein unverzichtbarer Partner. Denn er schafft genau dort zusätzliche Handlungsspielräume, wo öffentliche Mittel nicht ausreichend zur Verfügung stehen, um Projekte zu verwirklichen, die für die Weiterentwicklung der Wiener Staatsoper von zentraler Bedeutung sind. Erst sein Engagement ermöglicht eine Reihe von Initiativen, die über den regulären Spielbetrieb hinausgehen und die Zukunft der Institution sichern.

Wirklich entscheidend ist das Engagement des Offiziellen Freundeskreises bei der Finanzierung des Betriebs unserer zweiten Bühne für Kinder, Jugendliche und Familien – der Neuen Staatsoper (NEST) am Karlsplatz. Nur durch die großzügige Unterstützung der Mitglieder des Offiziellen Freundeskreises ist diese Spielstätte möglich.

LEADERSNET: Mit der Freundeskreis-Initiative werden auch gezielt junge Talente gefördert. Wie funktioniert das?

Roščić: Die Initiative setzt genau dort an, wo Entwicklung entscheidend ist, also an der Schnittstelle zwischen Ausbildung und künstlerischer Praxis. Der Offizielle Freundeskreis trägt nämlich sowohl zum Opernstudio der Wiener Staatsoper bei – das ist unser Ausbildungsprogramm für herausragende junge Sänger:innen – als auch zu unserer Opernschule für gesanglich begabte Kinder.

Die Opernschule stellt unseren Kinderchor, der in so vielen Opern eine wichtige Rolle spielt. Und auch die Mitglieder des Opernstudios stehen Abend für Abend auf der Bühne. Sie sind ja professionell ausgebildete Künstler:innen, die bei uns nicht nur eine weitere fundierte Ausbildung bekommen, sondern vor allem an der Seite der wichtigsten Sänger:innen der Welt den Übergang zur internationalen Karriere machen. Sie werden in den künstlerischen Alltag eingebunden, übernehmen zunächst kleinere Rollen und entwickeln eigene Projekte. Diese Erfahrungen sind oft entscheidend für ihre spätere Laufbahn.

LEADERSNET: Die neue Spielstätte NEST hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem wichtigen Zukunftsprojekt entwickelt. Welche strategische Rolle spielt sie für die Wiener Staatsoper?

Roščić: Im NEST ermöglichen wir die Begegnung mit Oper und Ballett für Menschen, die bisher wenig oder gar keinen Zugang zu dieser Kunstform hatten. So, wie es das Gesetz von uns fordert, wie es aber in der Realität des Haupthauses, dem vielleicht am intensivsten genutzten Theatergebäude der Welt, über Jahrzehnte schon rein räumlich nicht möglich war. Das NEST sorgt also mit dafür, dass jüngere Publikumsgruppen an die Staatsoper herangeführt werden.

Das Programm dort reicht von Kinderopern und Ballettproduktionen über Uraufführungen und zeitgenössische Formate bis hin zu Workshops, Diskussionsveranstaltungen und interaktiven Angeboten. Unser Ziel ist es, Neugier zu wecken, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und neue Perspektiven zu eröffnen.

Mit rund 160 Terminen pro Saison ist das NEST heute eine wichtige Plattform für die Entwicklung neuer Formate, neuer Publikumsgruppen und auch neuer künstlerischer Talente.

LEADERSNET: Der Offizielle Freundeskreis ermöglicht seinen Mitgliedern besondere Einblicke hinter die Kulissen. Was macht diese Nähe zum Haus so besonders?

Roščić: Für mich ist es ganz wichtig, die Mitglieder des Offiziellen Freundeskreises ins Zentrum des Hauses zu holen, ihnen Einblicke zu ermöglichen, die weit über das hinausgehen, was ein regulärer Opernbesuch bietet.

Wir öffnen dabei Türen, die sonst geschlossen bleiben: Je nach Förderstufe erleben Sie Proben aus nächster Nähe, erfahren bei exklusiven Veranstaltungen mit zum Beispiel dem Leading Team, wie künstlerische Entscheidungen entstehen, und sehen die Prozesse, in denen eine Produktion Form annimmt. In Backstage-Führungen kommt man auch dorthin, wo die Magie ermöglicht werden muss – in die Werkstätten, auf die Probebühnen, hinter die Kulissen des laufenden Betriebs.

Dazu kommen exklusive Einladungen, etwa zur jährlichen Spielzeitpräsentation, bei der wir unsere Pläne direkt mit dem Freundeskreis teilen. Podiumsdiskussionen und Hintergrundgespräche ermöglichen einen Blick in das künstlerische Herz der Staatsoper.

Ich glaube aber, dass unsere Mitglieder vor allem die Begegnungen mit Künstler:innen schätzen. Das schafft doch eine Verbindung, die das Opernerlebnis zutiefst persönlich macht. Kurz gesagt: Unsere Mitglieder erleben Oper nicht nur von außen, sondern von innen – als Teil einer Gemeinschaft, die Kunst liebt und sie in ihrer Entstehung begleitet.

LEADERSNET: Herr Direktor, was wünschen Sie sich für die Zukunft des Offiziellen Freundeskreises der Wiener Staatsoper?

Roščić: Ich wünsche mir, dass es uns weiterhin gelingt, Menschen für die Idee zu begeistern, dass Kultur eine gemeinsame Tat ist, vielleicht auch eine gemeinsame Verantwortung. Die Staatsoper lebt von künstlerischer Exzellenz, aber auch von einer Gemeinschaft, die sich mit dem Haus verbunden fühlt und seine Zukunft aktiv mitgestalten möchte.

Der Offizielle Freundeskreis zeigt, wie viel durch persönliches Engagement möglich wird. Jeder Beitrag hilft dabei, junge Talente zu fördern, neue Publikumsschichten zu erreichen und Projekte zu realisieren, die den Wirkungskreis unserer Institution erweitern.

Mein Wunsch ist, dass diese Gemeinschaft weiterwächst und auch kommende Generationen für die Oper begeistert. Denn die Zukunft der Wiener Staatsoper entsteht nicht allein auf der Bühne, sondern durch das Zusammenwirken all jener Menschen, die ihre Bedeutung für unsere Gesellschaft erkennen und unterstützen.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.wiener-staatsoper.at

www.nest.at

www.wiener-staatsoper.at/ofk

Zur Person

Zur Person: Bogdan Roščić
Funktion: Direktor der Wiener Staatsoper
Unternehmen: Wiener Staatsoper GmbH
Branche: Kunst und Kultur, Oper und Ballett
Amtsantritt: 1. Juli 2020
Unternehmenssitz: Wien, Opernring 2
Website: wiener-staatsoper.at

Der offizielle Freundeskreis auf einen Blick

  • Gemeinschaft von Opernliebhaber:innen
  • Förderung von Opernstudio, Opernschule, Outreach-Projekten und Neue Staatsoper (NEST)
  • Individuelle Möglichkeiten des Engagements für Firmen, Einzelpersonen, Paare, Familien und junge Opernbegeisterte
  • Vorkaufsrechte für zahlreiche Vorstellungen der Wiener Staatsoper sowie für den Wiener Opernball
  • Exklusive Einblicke hinter die Kulissen
  • Persönliche Begegnungen mit Künstler:innen

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Alle 14 Tage erscheint LEADERSNET-ART und bringt die Highlights der Branche.

Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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Branche: Kunst und Kultur, Oper und Ballett
Amtsantritt: 1. Juli 2020
Unternehmenssitz: Wien, Opernring 2
Website: wiener-staatsoper.at

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  • Individuelle Möglichkeiten des Engagements für Firmen, Einzelpersonen, Paare, Familien und junge Opernbegeisterte
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