Noch bevor im Jänner in der Hofburg getanzt wird, nimmt das Thema des kommenden Wiener Kaffeesiederballs bereits in Stoff und Fotografie Gestalt an. Unter dem Titel "Wenn Mode zum Ball bittet" verbanden die Veranstalter:innen am Donnerstagabend, 15. Oktober, im Salon Bundy am Schwarzenbergplatz eine Präsentation von Abendmode mit dem Auftakt einer Porträtreihe über Wiener Kaffeesiederinnen. Nach Angaben der Veranstalter:innen kamen mehr als 100 Gäste, um die Entwürfe und das neue Fotoprojekt kennenzulernen.
Beide Programmpunkte knüpften an das Motto "Wo Gedanken tanzen und der Kaffee nach Freiheit duftet" an. Wie bei der Vorstellung des Ballprogramms angekündigt, widmet sich die kommende Ausgabe weiblicher Selbstbestimmung und den Frauen, die die Wiener Kaffeehauskultur mitgeprägt haben (LEADERSNET berichtete). Der Abend führte diesen Gedanken nun auf zwei gestalterischen Wegen weiter.
Abendmode greift das Ballthema auf
Den modischen Teil bestritten elfenkleid, Maurizio Giambra, Alexis F. Gonzalez, JCH Juergen Christian Hoerl, Christian Seibold und Talbot Runhof. Gezeigt wurden Debütantinnenkleider, Abendkleider und Ballroben, deren Gestaltung vom Motto und den Farben des Kaffeesiederballs 2027 angeregt wurde. Das Wiener Herrenmodehaus Teller ergänzte die Präsentation mit Frack und Smoking.
Einen konkreten historischen Bezug formulierte Maurizio Giambra für seine Entwürfe. Als Ausgangspunkt nannte er die Mode der 1920er- und 1930er-Jahre mit schlichten Silhouetten, fließenden Seidenstoffen und modernistischen Mustern, die Anklänge an Art déco und Jugendstil aufweisen. Damit griff sein Ansatz jene Jahrzehnte auf, die auch im künstlerischen Konzept der kommenden Ballnacht eine Rolle spielen.
Für Ballobmann Wolfgang Binder soll die Zusammenarbeit mit den Designer:innen über die Vorbereitung auf einen einzelnen Abend hinausreichen. "Wir denken Ballkultur immer wieder neu und geben mit unserem Style-Event den Takt für die kommende Ballmode vor. Es freut mich besonders, dass sich heimische Top-Designer:innen von unserem Ballmotto inspirieren ließen und ihre ganz persönliche Interpretation davon umgesetzt haben. Das zeigt, wie viel kreative Kraft in unserem Motto steckt und wie der Wiener Kaffeesiederball über die Ballnacht hinaus Impulse setzt. Wir wollen Tradition mit Zeitgeist verbinden, neue Trends anstoßen und der heimischen Designszene eine Bühne bieten", erklärte er.
Als offizieller Haarstyling-Partner des Balls war Bundy zugleich Gastgeber des Abends. Geschäftsführerin Pia Bundy beschrieb die Verbindung so: "Der Wiener Kaffeesiederball verkörpert für mich eine Melange aus Kultur, Tradition und Stil. Tradition, die Weitergabe des Feuers, die Kultur hochleben zu lassen und sich dennoch stets weiterzuentwickeln – dafür stehen nicht nur die Wiener Traditionskaffeehäuser, sondern auch wir Bundy."
Ein wachsendes Archiv für die Kaffeesiederinnen
Während die Mode einen Ausblick auf die kommende Ballsaison gab, lenkte die neue Porträtreihe den Blick auf die Menschen hinter der Kaffeehauskultur. Der britische Fotograf Ashley Taylor porträtierte dafür Wiener Kaffeesiederinnen. Seine Arbeiten bilden den Grundstock eines als "lebendes Archiv" angelegten Projekts, das Frauen und ihre Kaffeehäuser im 20. und 21. Jahrhundert dokumentieren soll. Vorgesehen ist, die Reihe auf der Website des Balls, über soziale Medien und während der Ballnacht im Metternichsaal der Hofburg zu präsentieren.
© Ashley Taylor
"Wir stellen unsere Kaffeesiederinnen mit dieser Porträtserie ins Rampenlicht, denn sie prägen mit ihrer Leidenschaft, ihrem Mut und ihrer Persönlichkeit unsere Kaffeehauskultur. Die Präsentation würdigt ihre Leistungen, erzählt ihre Geschichten und macht sichtbar, wie viel Engagement, Unternehmergeist und Herzblut in ihren Betrieben stecken. Eine Hommage an starke Frauen, die unsere Kultur aktiv in die Zukunft tragen", sagte Binder über die Initiative.
Frauen prägten eine lange männlich dominierte Kultur
Während Frauen als Gäste lange aus der Kaffeehauskultur ausgeschlossen blieben, übernahmen sie bereits Aufgaben im Betrieb und in der Führung der Lokale. Als Jahr der Öffnung für weibliche Gäste nennt die österreichische UNESCO-Kommission 1856.
Die Porträtreihe setzt bei den Unternehmerinnen an, die diese Kultur mittragen. Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien (LEADERSNET berichtete), betonte dazu: "Die Wiener Kaffeesiederinnen waren und sind Unternehmerinnen, Gastgeberinnen und Gestalterinnen unserer Gesellschaft. Ihre Geschichten zeigen, wie wichtig es ist, Frauen sichtbar zu machen, ihre Leistungen anzuerkennen und ihnen die Bühne zu geben, die sie verdienen. Denn die Wiener Kaffeehauskultur wäre ohne diese starken Frauen nicht dieselbe."
So führte der Auftakt von der Gestaltung der Ballgarderobe zur Geschichte jener Betriebe, denen der Ball seinen Namen verdankt. Zusammenkommen sollen diese Perspektiven am 22. Jänner 2027, wenn der 68. Wiener Kaffeesiederball die Hofburg erneut in das größte Kaffeehaus der Welt verwandelt.
Einen Eindruck von der Fashion Show können Sie sich mittels Galerie hier und hier verschaffen.
www.kaffeesiederball.at
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