Wie angekündigt, ging am vergangenen Samstag, dem 10. Oktober, im Retreat & Health Resort Marienkron im burgenländischen Mönchhof die medizinische Fortbildungstagung "Fastenmedizin, Longevity & One Health: Ernährung, Mikrobiom und Umwelt im Gleichgewicht" über die Bühne. Sie bildete das Herzstück des Gesundheitswochenendes unter dem Motto "Wissenschaft trifft Retreat". Unter der Moderation von Journalistin Birgit Fenderl beleuchteten acht Vortragende aus Human- und Veterinärmedizin sowie der Klimaforschung, was es braucht, um möglichst viele Lebensjahre gesund zu verbringen, und warum sich diese Frage nicht ohne Blick auf Tiere und Umwelt beantworten lässt.
Auftakt mit Blick in die Zelle
Eröffnet wurde die Tagung von Elke Müller, Geschäftsführerin des Retreat & Health Resorts Marienkron, die in ihrer Begrüßungsrede betonte, dass Longevity weit mehr als ein Trend sei: "Es geht darum, wie wir unsere Gesundheit langfristig erhalten und dabei Lebensqualität gewinnen können. Mit unserer Tagung bringen wir hochkarätige Expert:innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskutieren und Gesundheitsvorsorge ganzheitlich zu denken. Marienkron soll dabei nicht nur ein Ort der Regeneration sein, sondern auch ein Ort des Wissens, des Austauschs und neuer Impulse für ein gesundes Leben."
Wie sich Altern im Körper abspielt, zeigten im ersten Fachvortrag Corina Madreiter-Sokolowski, Assoziierte Professorin für Molekulares Altern an der Medizinischen Universität Graz, und Kristina Hütter-Klepp, Fachärztin für Allgemein- und Familienmedizin mit Schwerpunkt evidenzbasierte Präventivmedizin und Longevity. Ihr Vortrag führte von den Mitochondrien bis zu jenen Veränderungen, die Zellen mit zunehmendem Alter durchlaufen. An Methoden, diese Prozesse gezielt zu beeinflussen, wird intensiv geforscht, über erste Studien kommen viele davon aber noch nicht hinaus. Vor Angeboten, die mehr versprechen, als die Studienlage hergibt, warnten die beiden Expertinnen deshalb ausdrücklich. Den größten Nutzen sehen sie im Altbekannten. Wer regelmäßig Kraft und Ausdauer trainiert, ausgewogen isst, genug schläft, Stress im Griff hat und Beziehungen pflegt, tut nach heutigem Wissensstand am meisten für ein gesundes Altern.
Was über den Teller in den Körper gelangt
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Darm. Welchen Anteil Zusatzstoffe, etwa in Fertigprodukten, und Umweltfaktoren an Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben könnten, untersuchte Ludwig Kramer, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Gastroenterologie an der Klinik Hietzing. Wie sehr die Umwelt dabei buchstäblich mitisst, zeigte wiederum Vanessa Stadlbauer-Köllner, Leiterin der Forschungseinheit Translationale Mikrobiommodulation an der Medizinischen Universität Graz, am Beispiel Mikroplastik.
Laborversuche legen nahe, dass Kunststoffpartikel unter bestimmten Bedingungen Darmmikrobiom und Stoffwechsel beeinflussen können. Ob und in welchem Ausmaß das Menschen tatsächlich krank macht, lässt sich nach Einschätzung der Forscherin derzeit aber nicht seriös beantworten. Ihr Rat fiel entsprechend nüchtern aus. Unnötiges Plastik solle man meiden, die Forschung brauche mehr Spielraum, und neue Befunde sollten ohne Alarmismus vermittelt werden.
Gesundheit endet nicht beim Menschen
Genau hier setzt der One-Health-Ansatz an, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als zusammenhängendes System betrachtet. Die Klimaperspektive brachte Franz Prettenthaler, Direktor des Instituts für Klima, Energiesysteme und Gesellschaft (LIFE) bei Joanneum Research, ein. Unter dem Schlagwort "Planetary Health" machte er am Beispiel Hitze greifbar, was das bedeutet. Steigende Temperaturen setzen vor allem älteren Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen zu. Gleichzeitig decken sich gesunde und klimafreundliche Entscheidungen oft. Wer mehr Pflanzliches und weniger Hochverarbeitetes isst oder Alltagswege aktiv zurücklegt, tut sich und der Umwelt etwas Gutes.
Die dritte Säule, die Tiergesundheit, rückte Clair Firth, Leiterin des Zentrums für Öffentliches Veterinärwesen und One Health an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, in den Fokus. Ihr Thema waren Antibiotika in der Tiermedizin und die Resistenzen, die daraus entstehen können und die zu den großen Herausforderungen der künftigen Gesundheitsversorgung zählen. Dass sich gegensteuern lässt, belegte sie mit Erfahrungen aus anderen Ländern. Dort zeigten genaue Verbrauchsdaten, konsequente Vorbeugung, gute Haltungsbedingungen und ein zurückhaltender Umgang mit besonders kritischen Antibiotika messbar Wirkung.
Wofür sich ein langes Leben lohnt
Eine grundsätzlichere Frage warf Michael Lehofer, Ärztlicher Direktor des LKH Graz II, auf: Was ist ein längeres Leben wert, wenn man es vor lauter Optimierung verpasst? Lebensqualität entstehe nicht allein durch medizinische Vorsorge, sondern ebenso durch tragfähige Beziehungen, Offenheit gegenüber anderen und die Fähigkeit, im Moment präsent zu sein. Gesundes Altern sei damit immer auch eine Frage von Sinn und Lebensgestaltung.
Wie sich dieser Anspruch mit Medizin verbinden lässt, zeigte zum Abschluss Ulrike Göschl, ärztliche Leiterin des Retreat & Health Resorts Marienkron und zugleich Fastenärztin. Sie erklärte, was beim Fasten im Körper passiert: Durch den Kalorienverzicht schalte der Stoffwechsel von Zucker- auf Fettverbrennung um, die dabei gebildeten Ketonkörper könnten bestimmte Gesundheitswerte verbessern und Entzündungen dämpfen. "Unser Ziel ist nicht, dem Leben um jeden Preis mehr Jahre hinzuzufügen, sondern die gesunden Lebensjahre zu verlängern. Fasten kann dabei ein wichtiger medizinischer Impuls sein – vorausgesetzt, es wird individuell abgestimmt und professionell begleitet. Entscheidend ist aber immer das Zusammenspiel aus Ernährung, Bewegung, Regeneration und seelischer Balance. Die Tagung hat eindrucksvoll bestätigt, dass nachhaltige Gesundheitsprävention nicht auf spektakulären Anti-Aging-Versprechen beruht, sondern auf wissenschaftlich fundierten Maßnahmen, die Menschen auch im Alltag umsetzen können", so Göschl.
Die fünf Kernbotschaften des Tages können Sie in der Infobox nachlesen.
Eindrücke der medizinischen Fortbildungstagung finden Sie in der Galerie.
www.marienkron.at
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