In München ging eine der wichtigsten europäischen Immobilienmessen über die Bühne. LEADERSNET.tv war vor Ort und fragte bei den zahlreichen österreichischen Branchenvertreter:innen nach, was das Besondere an der Expo Real ist, welche großen Themen die Immobilienwirtschaft beschäftigen und ob man schon eine Aufbruchstimmung bemerkt.
Die europäische Immobilienwirtschaft bewegt sich weiterhin in einem anspruchsvollen Umfeld. Zwar wächst das Interesse an neuen Investitionen, doch hohe Baukosten, Finanzierungshürden und regulatorische Vorgaben erschweren nach wie vor die Umsetzung zahlreicher Projekte. Diese Entwicklungen prägten auch die Expo Real 2026, die vom 5. bis 7. Oktober in München stattfand. Österreichische Immobilienprofis nutzten die internationale Fachmesse, um ihre Einschätzungen zur aktuellen Marktlage zu teilen und neue Vorhaben vorzustellen.
Mit 1.777 Ausstellern aus 37 Ländern verzeichnete die Veranstaltung ein leichtes Wachstum gegenüber dem Vorjahr, als 1.742 Unternehmen aus 34 Staaten vertreten waren. Auch die Besucherzahl stieg geringfügig auf mehr als 42.000 Teilnehmer:innen aus 74 Ländern. Auf 76.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche standen insbesondere Finanzierung, Wohnungsbau, Infrastruktur und technologische Entwicklungen im Mittelpunkt.
Zwischen Zurückhaltung und langfristigen Chancen
Die angespannte Situation auf den Kapitalmärkten war eines der bestimmenden Gesprächsthemen. Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe, sieht die Stimmung innerhalb der Branche vor allem durch die Zinsentwicklung beeinflusst.
"Heuer ist die Stimmung auf der Messe eindeutig geprägt durch die begonnene Straffung der Zinspolitik der EZB und vor allem den über den Sommer mit circa 60 Basispunkten massiven Anstieg des langfristigen Zinsniveaus. Diese Entwicklung schwingt in den Gesprächen mit Investor:innen und Entwickler:innen mit", sagte Ehlmaier.
Die Marktteilnehmer:innen würden sich zunehmend darauf einstellen, dass die schwierigen Rahmenbedingungen noch länger bestehen bleiben. Gleichzeitig würden verbesserte Konjunkturprognosen wichtiger europäischer Volkswirtschaften derzeit kaum berücksichtigt. Ehlmaier hält diese Zurückhaltung für überzogen und sieht insbesondere für langfristig orientierte Investor:innen Potenzial.
Finanzierung und Bestandsoptimierung im Fokus
Auch Elisabeth Della Lucia, Geschäftsführerin von DMV – della lucia medien & verlag, sieht bei der Finanzierung von Immobilienprojekten erheblichen Handlungsbedarf. Gegenüber LEADERSNET.tv sprach sie sich für mehr Flexibilität seitens der Banken aus.
"Also ich würde sagen, die Banken sollten ein bisschen flexibler sein, um unsere Bauträger zu unterstützen, damit die wirklich Wohnungen oder Büros bauen können", erklärte Della Lucia. Die Finanzierung gehöre derzeit zu den größten Schwierigkeiten für Bauträger, was sich auch in ihren Gesprächen mit Kund:innen gezeigt habe.
Dass neue Projekte unter den aktuellen Bedingungen schwerer umzusetzen sind, bestätigte auch Julia Fritz, Partnerin bei PHH Rechtsanwält:innen. Sie sieht deshalb verstärktes Potenzial in der Weiterentwicklung vorhandener Immobilien.
"Das heißt, wir sollten schauen, wie wir unseren Bestand optimieren können, nicht nur rechtlicher Natur, sondern insbesondere auch energetischer Natur", betonte Fritz gegenüber LEADERSNET.tv. Dabei müsse unter anderem die bestehende Energieversorgung überprüft und nach Möglichkeiten gesucht werden, zusätzlichen Mehrwert zu schaffen.
Flughafen Wien präsentiert neues Büroprojekt
Dass die Expo Real trotz der angespannten Marktsituation weiterhin eine wichtige Bühne für neue Entwicklungen bietet, zeigte der Auftritt der Flughafen Wien AG. Das Unternehmen stellte mit dem Office Park 4 Next ein neues Projekt seiner AirportCity vor.
Wolfgang Scheibenpflug, Geschäftsbereichsleiter Immobilien- und Standortmanagement der Flughafen Wien AG, unterstrich im Gespräch mit LEADERSNET.tv die Bedeutung der Veranstaltung: "Für uns als AirportCity hat die Expo einen sehr hohen Stellenwert, weil wir jedes Jahr neue Projekte hier präsentieren können."
Der Office Park 4 Next werde in diesem Jahr erstmals einem Fachpublikum vorgestellt. Die Messe biete damit erneut die Gelegenheit, aktuelle Vorhaben einem internationalen Branchenpublikum näherzubringen.
Infrastruktur und Wohnungsbau als zentrale Messethemen
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rückte die Expo Real 2026 erstmals investierbare Infrastruktur als eigenständigen Schwerpunkt in den Mittelpunkt. Der neue Bereich "InfrastructureNow" beschäftigte sich unter anderem mit Energieversorgung, digitaler und sozialer Infrastruktur sowie Verteidigung.
Alexander Heinzmann, CEO von BPD Immobilienentwicklung, betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Planung von Immobilien und Infrastruktur. Gerade bei größeren Quartiersentwicklungen müssten Wohnen, Mobilität, Energieversorgung und soziale Einrichtungen von Beginn an aufeinander abgestimmt werden.
Auch Michael Henn, Global Head of Infrastructure Investments bei der Commerz Real Investmentgesellschaft mbH, verwies darauf, dass Infrastruktur zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Immobilieninvestitionsstrategien werde.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Diskutiert wurden unter anderem serielle und modulare Bauweisen, die Umnutzung bestehender Gebäude sowie effizientere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Deutschlands Bundesbauministerin Verena Hubertz hob dabei die Bedeutung des Austauschs zwischen Politik und Wirtschaft hervor. "Denn die einfachen Lösungen gibt es nicht", erklärte sie bei ihrem Messebesuch.
Technologische Lösungen gewinnen an Bedeutung
Mit dem Bereich "Transform & Beyond" widmete sich die Fachmesse zudem der Digitalisierung und Dekarbonisierung der Immobilienwirtschaft. Unternehmen und Start-ups präsentierten Anwendungen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Energieversorgung und Gebäudemanagement.
Matthias Zühlke, Co-Founder und CEO des PropTech-Unternehmens syte, beobachtete dabei ein verändertes Interesse der Marktteilnehmer:innen. Statt sich lediglich über technologische Entwicklungen zu informieren, würden Unternehmen zunehmend konkrete Anwendungen für ihre Herausforderungen suchen. "Die Menschen informieren sich nicht mehr nur, sondern suchen aktiv nach Lösungen", so Zühlke.
Die nächste Expo Real findet von 4. bis 6. Oktober 2027 in München statt.
Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte neben Wolfgang Scheibenpflug (Geschäftsbereichsleiter Immobilien- und Standortmanagement, Flughafen Wien AG), Elisabeth Della Lucia (Geschäftsführerin, DMV - della lucia medien & verlag), Julia Fritz (Partnerin, PHH Rechtsanwält:innen) und Michael Ehlmaier (Geschäftsführender Gesellschafter, EHL Immobilien Gruppe) auch noch Benedikt Stockert (Partner, FSM Rechtsanwälte), Ellen Moll (Geschäftsf. Gesellschafterin, Dr. Moll & Punt OHG und Obmann-Stvin. Fachverband Immobilien- & Vermögenstreuhänder, WKO), Thomas G. Winkler (CEO & Chairman of the Executive Board, UBM Development), Claudia Brey (Geschäftsführerin, ÖBB Immobilien GmbH), Gerhard Kornfeld (Managing Director, Kornfeld Industriebeteiligung), Wolfgang Kradischnig (CEO, Delta AG), Peter Stellnberger (Kundenbetreuer, gewerbliche Immobilienprojektfinanzierung, RLB NÖ-Wien AG), Jürgen Narath (CEO, NV Immobilien- und Projektmanagement & CFO, NV Bauträger GmbH), Nadja Hafez-Hofmair (Managing Partner, Zeha Real Estate), Christian Lainer (Co-Founder & GF, Companion Hospitality Group), Sabine Müller (Vorständin, aspern Seestadt powered by Wien 3420 AG), Laurenz Sutterlüty (Gründer & GF, EnerCube GmbH), Peter Karl (Member of the Executive Board, Erste Asset Management), Michael Neubauer (Geschäftsführer, NID Noe Immobilien Development GmbH), Florian Schmidl (Partner Tax Forvis, Mazars Austria) und Wolfdieter Jarisch (Vorstand, S+B Gruppe) vor die Kamera.
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