Fotos des Global Peace Photo Award
Foto afghanischer Frauen wurde zum Friedensbild des Jahres 2026 gekürt

27.846 Bilder aus 144 Ländern wurden für den Wettbewerb eingereicht. Bei der Verleihung im Wiener Rathaus wurden auch Arbeiten über Fluchterfahrungen, Kinder in Gaza und familiäre Geborgenheit gewürdigt.

Mehrere Frauen halten ihre Föhne in die Luft und machen damit einen alltäglichen Arbeitsgegenstand zum sichtbaren Zeichen der Selbstbestimmung. Diesen Moment hat die italienische Fotografin Silvia Alessi in "The Cut" festgehalten. Die Aufnahme wurde beim Global Peace Photo Award zum "Friedensbild des Jahres 2026" gewählt. Sie zeigt aus Afghanistan nach Pakistan geflüchtete Frauen, die sich dort berufliche Kenntnisse im Friseurhandwerk aneignen. 

Verliehen wurde die Auszeichnung am 24. September im Wappensaal des Wiener Rathauses. Nach Angaben der Veranstalter:innen lagen der internationalen Jury 27.846 eingereichte Bilder aus 144 Ländern vor. Der Hauptpreis ist mit 6.000 Euro dotiert. Alessi gewann darüber hinaus auch die Einzelbildkategorie und erhielt weitere 1.000 Euro, bereitgestellt von der Photographischen Gesellschaft. 

Berufliche Perspektive im Exil 

Alessis Motiv beleuchtet die systematische Unterdrückung und die schwindenden Erwerbsmöglichkeiten von Frauen in Afghanistan. Als Teil ihrer patriarchalen Gewaltherrschaft befahlen die seit 2021 herrschenden Taliban im Jahr 2023, alle Schönheitssalons für Frauen bis zum 25. Juli zu schließen. Die UN-Unterstützungsmission UNAMA dokumentierte sowohl das Verbot als auch die gewaltsame Zerschlagung eines Protests von Salonbetreiberinnen und Mitarbeiterinnen in Kabul.

Gala zum Global Peace Photo Award 2026 Silvia Alessi mit "The Cut" © Johannes Zinner/Global Peace Photo Award

Vor diesem Hintergrund deutete Jurymitglied Peter-Matthias Gaede die erhobenen Föhne in seiner Laudatio als Ausdruck des Anspruchs auf Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und berufliche Teilhabe. Das Foto verbindet damit die Frage nach Frieden mit der Möglichkeit, das eigene Leben und die eigene Arbeit zu gestalten. 

Familie als Motiv des Kinderpreises

Einen anderen Zugang wählte die erst elfjährige Sesilia Shainidze aus Georgien. Für "My Family" erhielt sie den mit 1.000 Euro dotierten Kinder- und Jugendpreis. Die Aufnahme entstand im Haus ihrer Großmutter. Für das von ihr selbst arrangierte Motiv versammelte sie Familienmitglieder und ihren Hund. 

Gala zum Global Peace Photo Award 2026 Sesilia Shainidze mit "My Family" © Johannes Zinner/Global Peace Photo Award

Die junge Fotografin aus Batumi zeigt damit familiären Zusammenhalt als ihre Vorstellung einer friedlichen Welt. Während Alessis Arbeit berufliche Selbstbestimmung und die Freiheit von Frauen thematisiert, rückt "My Family" die Geborgenheit im Alltag in den Mittelpunkt. 

Drei Bilderserien erweitern den Blick

Mit Alfred-Fried-Friedensmedaillen und jeweils 1.000 Euro wurden außerdem drei Bildserien ausgezeichnet. Antonio Denti aus Italien begleitet in "Il Mare in Mezzo (The Sea In Between)" eine Initiative nahe Rom. Dort sollen Migrantinnen aus Afrika und ihre in Italien geborenen Kinder einen neuen Zugang zum Meer finden, das für die Frauen mit belastenden Fluchterfahrungen verbunden ist.

Die polnische Fotografin Aleksandra Kossowska beschäftigt sich in "The World by Touch" mit blinden und sehbehinderten Kindern an einer Schule im äthiopischen Sebeta. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien bearbeitete sie mit kleinen Perforationen, um die Bilder auch ertastbar zu machen. 

Mahmoud Abu Hamdas Werk "Wings of Childhood and Peace" wirft wiederum ein Schlaglicht auf das seelische Leid der jüngsten Opfer im vom Krieg schwer zerstörten Gazastreifen. Seine Fotografien zeigen Kinder, die inmitten von Schutt, Asche und den Ruinen ihrer Heimat spielen und musizieren. Die Serie dokumentiert den rührenden, aber auch zutiefst traurigen Versuch dieser Kinder, unter den brutalen Bedingungen des Krieges an einem Funken Normalität und kindlicher Unschuld festzuhalten. Der 36-jährige Hamda hatte einst einen Lehrauftrag in Fotografie an der University of Gaza innegehabt. Dann erfuhr er Vertreibung und Not auch in der eigenen Familie und wurde beim Bombardement eines Hochhauses durch die israelische Luftwaffe selbst verletzt. Er dokumentierte den Hunger, während er ihn selbst durchlitt. Dass er seinem Foto dennoch den Titel "Die Flügel von Kindheit und Frieden" gab, zeugt von einer unerschütterlichen Hoffnung, sich selbst mit versengten Flügeln über die Grausamkeit des Krieges zu erheben – hinein in eine Welt, in der die Menschenwürde unantastbar bleibt.

Ein Kind spielt zwischen anderen Kindern Violine

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© Mahmoud Abu Hamdas

Frieden als gesellschaftlicher Auftrag

Die Verleihung fand auf Einladung von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig statt, den Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Alexandra Rezaei vertrat. Die beiden Hauptpreise übergab Sonja Raus, Vorstandsdirektorin der Vienna Insurance Group. Bei der Übergabe an Alessi wirkte zudem auch Silvia Lammerhuber mit, die den Award gemeinsam mit Lois Lammerhuber initiiert hat.

Die Keynote hielt der Schauspieler und Regisseur Cornelius Obonya, Ehrenbeauftragter von Unicef Österreich. Er thematisierte Russlands Angriff auf die Ukraine und die Verantwortung, Kindern die Realität von Krieg und Gewalt zu vermitteln. Dabei warf er die Frage auf, wie man diesen Dialog beginnen solle. Zunächst müsse man wahrnehmen, dass Familien in Europa vor der Tatsache stünden, dass die Regierung eines Staates schlicht in ein Nachbarland habe einmarschieren lassen. Es gebe Menschen, die diesem Befehl folgten, wodurch sich erneut die "Banalität des Bösen" Bahn breche. Zudem appellierte Obonya an die Erwachsenen, Kindern zu vermitteln, dass man hierzulande keine Parteien wählen dürfe, die sich dem Aggressor unterwerfen wollten. Solche Kräfte verwechselten Macht mit Stärke und friedliche Überlegung mit Gewalt. Es sei die Pflicht der Gesellschaft, Kindern die volle Wahrheit zuzumuten – dies gelinge jedoch nur, wenn die Erwachsenen bereit seien, sich diese Wahrheit zunächst selbst wieder zuzumuten.

Unicef-Österreich-Geschäftsführer Christoph Jünger betonte seinerseits, wie wichtig es sei, jungen Menschen Raum für ihre Sicht auf die Welt zu geben: "Kinder und Jugendliche erleben die Auswirkungen von Konflikten, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen oft besonders unmittelbar. Umso wichtiger ist es, ihnen Raum zu geben, ihre Sicht auf die Welt sichtbar zu machen."

Einen Eindruck von der Verleihung erhalten Sie mittels Galerie.

www.globalpeacephotoaward.org

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