Kritik an Preisdruck
Aus für Ardo-Werk lässt auch 270 Gemüsebauern zittern

| Redaktion 
| 28.09.2026

Die geplante Werksschließung des Tiefkühlgemüse-Produzenten in Groß-Enzersdorf schlägt hohe Wellen. Der Markenartikelverband nimmt den Fall zum Anlass für deutliche Kritik an der Preisgestaltung in der Lebensmittelbranche.

Die angekündigte Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf (LEADERSNET berichtete) sorgt für Kritik des Österreichischen Verbands der Markenartikelindustrie (MAV). Neben den rund 240 direkt betroffenen Beschäftigten und saisonalen Leiharbeitskräften verweist der Verband auf etwa 270 Gemüsebäuer:innen im Marchfeld, für die der Standort eine wirtschaftliche Bedeutung habe. MAV-Geschäftsführer Günter Thumser sieht in der Entwicklung ein Warnsignal für den heimischen Produktionsstandort. "Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks – er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird", sagt Thumser.

MAV sieht Preisdruck als Problem

Der Verband führt die Werksschließung auf eine zunehmende Orientierung am niedrigsten Einkaufspreis zurück. Heimische Qualitätsstandards etwa bei Sozialstandards, Düngung, Pflanzenschutz oder Tierwohl seien mit höheren Produktionskosten verbunden. Eine ausschließliche Orientierung am niedrigsten Preis könne daher nach Ansicht des MAV dazu führen, dass Produktionsbetriebe an günstigere Standorte im Ausland abwandern. "Nur ein fairer Preis sichert das Morgen", so Thumser. Heimische Produktion benötige eine wirtschaftliche Grundlage. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, befürchtet der Verband zudem eine stärkere Importabhängigkeit Österreichs bei Gütern des täglichen Bedarfs.

Kritik an Verbot territorialer Lieferbeschränkungen

Der MAV verbindet die Werksschließung auch mit der aktuellen Diskussion über territoriale Lieferbeschränkungen, sogenannte Territorial Supply Constraints. Darunter versteht man Vorgaben von Herstellern, die Händler daran hindern oder einschränken, Waren in einem anderen EU-Land zu günstigeren Konditionen einzukaufen. Der Verband lehnt ein generelles Verbot solcher Vereinbarungen zwischen Herstellern und Handel ab. Thumser verweist dabei auf die hohe Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel. "Vier Handelskonzerne decken über 90 Prozent des täglichen Haushaltsbedarfs ab. Dieser enormen Marktkonzentration steht eine Vielzahl heimischer Lieferanten gegenüber", sagt der MAV-Geschäftsführer. Hersteller müssten im Rahmen des Wettbewerbsrechts weiterhin entscheiden können, wie und mit wem sie ihre Waren vertreiben. Der Verband appelliert daher an die Bundesregierung, den von Österreich auf EU-Ebene unterstützten Vorstoß vor dem EU-Rat am 15. und 16. Oktober nochmals zu überdenken. Eine Neuregelung müsse aus Sicht des MAV auch die Wettbewerbsbedingungen heimischer Produzenten berücksichtigen.

www.mav.at

www.ardo.com 

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