Fotos & Video der Innovation-Lab-Eröffnung
IT:U und WKO OÖ bringen Forschung und Unternehmen zusammen

Mit der Eröffnung des neuen WKO-Bildungscampus entsteht ein Zentrum für Bildung, Innovation und Wissenstransfer. LEADERSNET.tv fragte bei den Verantwortlichen nach, welche Vision hinter dem Projekt steht und wie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft konkret gestaltet wird.

Mit dem neuen WKO-Bildungscampus möchte die Wirtschaftskammer Oberösterreich berufliche Qualifizierung, wissenschaftlichen Austausch und praktische Anwendung stärker miteinander verbinden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Kooperation mit der Interdisciplinary Transformation University (IT:U). Im IT:U Innovation Lab beschäftigen sich Studierende und Forschende gemeinsam mit heimischen Betrieben mit technologischen Herausforderungen und erarbeiten mögliche Lösungsansätze. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und deren Einsatz im betrieblichen Alltag.

Bildung über alle Lebensphasen hinweg

Der neue Campus verbindet unterschiedliche Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote. Das Spektrum reicht vom Kindergarten und der Berufsorientierung über die Lehrlings- und Meisterausbildung bis hin zur berufsbegleitenden Weiterbildung. Durch die Zusammenarbeit mit der IT:U wird dieses Angebot um eine universitäre Komponente ergänzt, die wissenschaftliche Erkenntnisse stärker für Unternehmen zugänglich machen soll.

Wie Gerald Silberhumer, Direktor der WKO Oberösterreich, gegenüber LEADERSNET.tv erläutert, finde am Bildungscampus duales Lernen über den gesamten Lebenszyklus hinweg statt. Dazu gehöre nun auch die Verknüpfung der universitären Ausbildung mit Betrieben, die Technologien wie Robotik oder KI einsetzen beziehungsweise deren Anwendung ausbauen möchten.

"Immer geht es darum, dass wir theoretisches und praktisches Lernen, praktisches Tun miteinander verknüpfen. Das macht uns aus", so Silberhumer.

Betriebliche Herausforderungen als Ausgangspunkt

Wie diese Verbindung von Theorie und Praxis konkret umgesetzt werden soll, zeigt das IT:U Innovation Lab. Dort stehen zunächst die individuellen Anforderungen der teilnehmenden Unternehmen im Vordergrund. Pro Branche bringen vier bis fünf Betriebe ihre Erfahrungen und Problemstellungen ein. Studierende und Forschende ergänzen diese durch wissenschaftliche Methoden und technologische Kompetenzen aus unterschiedlichen Fachrichtungen.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Gewerbe- und Handwerksbetriebe stellen sich dabei Fragen nach dem sinnvollen Einsatz neuer Technologien. Welche Aufgaben können durch KI unterstützt werden? Wo bietet sich der Einsatz von Robotik an? Und welche Veränderungen innerhalb bestehender Arbeitsabläufe sind dafür notwendig?

IT:U Gründungspräsidentin Stefanie Lindstaedt beschreibt die Rolle der Studierenden folgendermaßen: "Unsere Studierenden fungieren hierbei als kleine ThinkTanks, die Lösungen finden, Prototypen erstellen und diese in der betrieblichen Praxis evaluieren."

Von der Analyse zur praktischen Erprobung

Wie die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft abläuft, erläuterte Lindstaedt auch gegenüber LEADERSNET.tv. Unternehmen, die sich für die Möglichkeiten von KI oder Physical AI interessieren, könnten sich zunächst an die WKO wenden. Dort würden die jeweiligen Anliegen vorbesprochen und zu thematischen Aufgabenstellungen zusammengefasst. Anschließend beschäftigten sich Studierende in Teams von ungefähr fünf Personen mit den betrieblichen Herausforderungen.

"Die Idee ist, dass die Student:innen verstehen: Was ist die betriebliche Praxis? Warum ist das Problem da und wie ist das Problem da?", erklärt Lindstaedt.

Erst nach dieser Analyse werde untersucht, welche Technologien für die jeweilige Aufgabenstellung infrage kämen. Das Spektrum reiche dabei von Robotik über Künstliche Intelligenz bis hin zu Motion Capture. Auf dieser Grundlage würden Prototypen entwickelt, die anschließend gemeinsam mit den Unternehmen überprüft und anhand ihrer Rückmeldungen weiterbearbeitet werden.

Dabei müsse nicht jede untersuchte Technologie zwangsläufig zu einer konkreten Anwendung führen. Auch die Erkenntnis, dass ein bestimmter Ansatz für eine betriebliche Aufgabe nicht geeignet sei, könne eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Unternehmen darstellen.

Praxisorientierte Ausbildung steht im Mittelpunkt

Neben der Entwicklung technologischer Lösungsansätze verfolgt das Innovation Lab vor allem ein Ausbildungsziel. Die Studierenden sollen lernen, reale betriebliche Problemstellungen zu analysieren, wissenschaftliche Methoden anzuwenden und ihre Kenntnisse unter praktischen Bedingungen einzusetzen. Gleichzeitig erhalten die beteiligten Unternehmen Einblicke in neue Technologien und deren mögliche Auswirkungen auf bestehende Arbeitsprozesse.

"Das Wichtige ist: Es sind Lernprojekte. Also bei all diesen Dingen steht bei uns immer die Lehre und das Lernen im Vordergrund", betont Lindstaedt gegenüber LEADERSNET.tv.

Dass die IT:U diesen Ansatz auch in anderen Kooperationen verfolgt, zeigt die Zusammenarbeit mit Infineon Austria. Am Linzer Standort des Technologiekonzerns wurden im Juli 2026 drei sogenannte LearnLabs eröffnet. Dort sollen Masterstudierende an realen industriellen Aufgabenstellungen arbeiten und technologische Anwendungen bis zum Prototyp entwickeln (LEADERSNET berichtete).

Auch beim Innovation Lab am WKO-Bildungscampus bildet der Austausch zwischen unterschiedlichen Fachrichtungen eine wesentliche Grundlage. Durch die gemeinsame Projektarbeit sollen nicht nur mögliche Lösungen für die beteiligten Betriebe entstehen, sondern auch neue Kenntnisse und Kompetenzen auf beiden Seiten erworben werden.

"Für uns gehören Forschung, Lernen und die Arbeit an realen Herausforderungen zusammen", unterstreicht Lindstaedt. Die Universität wolle damit Menschen befähigen, technologische Veränderungen aktiv mitzugestalten und wissenschaftliche Erkenntnisse für die betriebliche Praxis nutzbar zu machen.

Potenzial für neue unternehmerische Entwicklungen

Über den Ausbildungsaspekt hinaus soll die Zusammenarbeit auch einen konkreten Nutzen für die beteiligten Betriebe schaffen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie neue Technologien sinnvoll in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden können. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit einer möglichen Neuverteilung von Aufgaben zwischen Menschen und Maschinen.

Die IT:U sieht in den gemeinsamen Projekten zudem Potenzial für weiterführende unternehmerische Aktivitäten. Aus einzelnen Entwicklungen könnten sich nach Einschätzung der Universität künftig auch neue Geschäftsideen ergeben.

"Wenn es uns gelingt, Innovation für die beteiligten Unternehmen zu schaffen, ist ein weiterer Meilenstein erreicht", erklärt Lindstaedt. Darüber hinaus könne aus dem einen oder anderen Projekt möglicherweise auch ein erfolgreiches Start-up hervorgehen.

Interviewpartner:innen

LEADERSNET.tv holte neben Gerald Silberhumer (Direktor, WKO Oberösterreich) und Stefanie Lindstaedt (Gründungspräsidentin, Interdisciplinary Transformation University (IT:U)) auch noch Doris Cuturi-Stern (Kuratorin, WIFI Oberösterreich), Holger Schwarting (Verwaltungsdirektor, IT:U), Doris Hummer (Präsidentin, WKO Oberösterreich), Daniel Cracau (Gründungsdirektor, Outreach & Startups IT:U), Christian Dlapka (Geschäftsführer, MV Chili-Manufaktur) und Viktor Weichselbaumer (Lab Manager, IT:U Innovation Lab) vor die Kamera.

Einen Eindruck von der Eröffnung können Sie sich hier machen. 

www.it-u.at

www.wko.at/ooe

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