Neue IHaM-Analyse
Sonntagsöffnung: Österreich sagt Nein, Wien sagt Ja

Eine aktuelle Untersuchung zeigt deutliche regionale Unterschiede bei den Ladenöffnungszeiten. Das gilt sowohl für die Liberalisierung der Sonntagsöffnung als auch für längere Öffnungszeiten unter der Woche.

Die Diskussion über längere Ladenöffnungszeiten gehört zu den Dauerbrennern der österreichischen Handelspolitik. Doch was wollen eigentlich die Konsument:innen? Eine neue Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz liefert dazu bemerkenswerte Ergebnisse. Vor allem eines wird deutlich: Zwischen der Bundeshauptstadt und dem übrigen Österreich bestehen erhebliche Unterschiede. Grundlage sind zwei repräsentative Online-Befragungen unter 1.005 Personen im November 2024 und 1.072 Personen im Oktober 2026.

Klare Mehrheit gegen Sonntagsöffnung

Österreichweit sprechen sich 62 Prozent der 16- bis 74-Jährigen gegen eine weitere Liberalisierung der Sonntagsöffnung aus. Gegenüber November 2024, als die Ablehnung bei 64 Prozent lag, hat sich die Einstellung damit kaum verändert.

Ganz anders sieht es in Wien aus. Hier befürworten laut der aktuellen Befragung vom Oktober 2026 mittlerweile 55 Prozent eine Ausweitung der Sonntagsöffnung. Im November 2024 waren es noch 50 Prozent. Die meisten Befürworter:innen sprechen sich für eine vollständige Freigabe auf freiwilliger Basis aus. Zeitlich begrenzte Öffnungen an einzelnen Sonntagen oder räumliche Ausnahmen, etwa für Tourismuszonen, finden deutlich weniger Zuspruch.

"Nur wenige Konsument:innen sprechen sich für längere Öffnungszeiten von Montag bis Samstag aus. Auch eine weitere Sonntagsöffnung findet österreichweit keine Mehrheit, wobei Wien eine bemerkenswerte Ausnahme bildet", erklärt IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger.

Auch unter der Woche kaum Änderungswünsche

Die bestehenden Öffnungszeiten scheinen den Bedürfnissen der meisten Konsument:innen weitgehend zu entsprechen. Laut einer IHaM-Befragung vom November 2024 wünschen sich lediglich 17 Prozent längere Öffnungszeiten von Montag bis Freitag im Lebensmittelhandel. Im Non-Food-Handel liegt dieser Anteil bei 16 Prozent.

Auch am Samstag hält sich der Wunsch nach einer Ausweitung in Grenzen. Im Lebensmittelhandel sprechen sich 19 Prozent für längere Öffnungszeiten aus, im Non-Food-Bereich sind es 21 Prozent. Dabei geht es überwiegend um ein späteres Zusperren und weniger um einen früheren Einkaufsbeginn.

Sonntags einkaufen, aber gegen die Öffnung sein

Ein interessantes Spannungsfeld zeigt sich bei der tatsächlichen Nutzung bestehender Ausnahmen. Immerhin 13 Prozent der Befragten kaufen zumindest einmal im Monat an Sonntagen ein. Weitere 38 Prozent nutzen diese Möglichkeit gelegentlich, etwa ein- bis zweimal jährlich.

Damit nehmen insgesamt 51 Prozent zumindest gelegentlich bestehende Sonntagsangebote in Anspruch. Von diesen Konsument:innen lehnt allerdings etwa die Hälfte eine weitere Liberalisierung ab. Die Nutzung bestehender Ausnahmen bedeutet also keineswegs automatisch Zustimmung zu einer generellen Sonntagsöffnung.

Mehr Öffnungszeiten bedeuten nicht automatisch mehr Umsatz

Die Studienautoren warnen zudem vor möglichen Verschiebungen im Handelswettbewerb. Eine Liberalisierung könnte besonders großen und gut erreichbaren Handelsstandorten zugutekommen, während kleinere Einkaufsstraßen und Standorte unter Druck geraten könnten.

"Eine weitere Sonntagsöffnung könnte die Landkarte des Handelswettbewerbs verändern, denn mehr Öffnungszeiten bedeuten nicht automatisch mehr Konsum, sondern möglicherweise vor allem eine zeitliche und räumliche Verlagerung der Umsätze zugunsten besonders attraktiver Handelsstandorte", erklärt IHaM-Institutsvorstand Christoph Teller. Diese möglichen Wettbewerbsfolgen sind allerdings handelswissenschaftliche Überlegungen und wurden in den Befragungen nicht unmittelbar untersucht.

Auch als Antwort auf den Online-Handel sehen die Forscher:innen längere Öffnungszeiten nur eingeschränkt geeignet. Der stationäre Handel müsse vielmehr mit Beratung, sofortiger Warenverfügbarkeit und Einkaufserlebnissen punkten.

www.jku.at/ham

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