Fotos von der ECN-Konferenz
Hochschulen berieten über bessere Bedingungen für Startup-Gründungen

Rund 80 Hochschulvertreter:innen erarbeiteten bei der ECN-Konferenz Maßnahmen, um mehr Forschungsideen in Unternehmen zu verwandeln. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sprach dabei über die Finanzierungspläne der Regierung.

Aus Forschungsprojekten und Studienideen sollen an Österreichs Hochschulen künftig öfter eigene Unternehmen entstehen. Wie das gelingen kann, beriet das Entrepreneurship Center Network (ECN) zwei Tage lang bei seinem diesjährigen Treffen an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und der Universität Wien. Rund 80 Vertreter:innen von Universitäten, Fachhochschulen und Gründungszentren zogen dabei Bilanz und erarbeiteten Maßnahmen für die Politik, die Hochschulleitungen und die Gründungsszene an den Hochschulen selbst. Das Fazit fiel zwiespältig aus: Unternehmertum ist an den Hochschulen angekommen, in deren Strategie aber noch längst nicht überall verankert.

Gründungsbetreuung wächst deutlich

Das ECN ist das hochschulübergreifende Netzwerk für Entrepreneurship in Österreich und vereint 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen. Deren Gründungszentren unterstützen Studierende und Forschende dabei, aus ihren Ideen Startups oder Spin-offs zu machen, also Unternehmen, die direkt aus der Hochschule hervorgehen. Das Angebot wird zunehmend genutzt. "Im Jahr 2025 haben die Hochschulen 530 akademische Startup- und Spin-off-Projekte betreut", bilanziert Monique Fischer, Koordinationsleiterin des ECN. 378 davon kamen demnach aus dem studentischen Umfeld, 152 aus der Forschung. Im Jahr davor waren es noch 457 Projekte, das Plus beträgt damit rund 16 Prozent.

Das Ziel des Netzwerks reicht allerdings deutlich weiter. "Unser Auftrag ist Unipreneurship", so Fischer. "Gründungsgeist soll an jeder unserer Mitgliedshochschulen so selbstverständlich werden wie Lehre und Forschung." Davon sind viele Häuser noch ein Stück entfernt. Man sei zwar weiter als vor zwanzig Jahren, betonte Gerold Weisz von der FH Oberösterreich, Unternehmertum müsse aber endgültig weg vom Orchideenfach und in die oberste strategische Ausrichtung jeder Hochschule.

Zehetner sieht Hochschulen als Innovationsmotor

Rückenwind kommt dabei aus der Politik. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, im Wirtschaftsministerium für Energie, Startups und Tourismus zuständig, schrieb den Hochschulen beim ECN-Treffen eine Schlüsselrolle für den Standort zu. "Wenn Österreich im Wettbewerb bestehen will, schafft es das nur über Innovation", sagte sie. "Innovation bringt aber erst dann Wertschöpfung und Wohlstand, wenn sie in den Markt kommt." Genau an dieser Schnittstelle setzen Ausgründungen an, die gemeinsam mit der Gründungsausbildung auch in der Hochschulstrategie ausdrücklich genannt werden.

Damit junge Unternehmen auch zu Kapital kommen, arbeitet die Regierung an einem Startup- und Scaleup-Fonds. Laut Zehetner sind die technischen Vorarbeiten abgeschlossen, derzeit wird das Vorhaben innerhalb der Koalition abgestimmt. Anschließend soll so rasch wie möglich ein Fondsmanagement gesucht werden. Um zusätzlich privates Kapital zu mobilisieren, spricht sich die Staatssekretärin für einen Beteiligungsfreibetrag nach britischem Vorbild aus, also eine steuerliche Begünstigung für private Investitionen in junge Unternehmen. Dafür fehle in der Koalition derzeit allerdings eine Mehrheit. Zum Abschluss richtete Zehetner einen Appell an die Anwesenden: "Jede:r von euch findet drei weitere Menschen, die genauso für das Thema brennen. Dann wachsen wir exponentiell."

Was sich an den Hochschulen ändern soll

Neben der Politik sehen die Teilnehmer:innen aber vor allem die Hochschulen selbst gefordert. Ein zentraler Hebel ist die Ausbildung, die nach Ansicht mehrerer Arbeitsgruppen deutlich früher ansetzen sollte. Sara Matt von der Universität Innsbruck will Gründungsthemen bereits in Masterarbeiten und Doktorate einbauen, Bernhard Weber von der Universität Graz auch in die Laufbahn von Forschenden. Besonders vielversprechend sei es, wenn Technik, Wirtschaft und Sozialwissenschaften von Beginn an gemeinsam an einer Idee arbeiten. Von den Hochschulleitungen erwartet Matt dabei mehr Gelassenheit gegenüber Fehlschlägen: "Wenn zehn Ausgründungen probiert werden, müssen drei bis fünf scheitern. Sonst ist von vornherein zu streng reguliert."

Ein weiteres Hindernis ist, dass Ausgründungen bislang einzeln mit der jeweiligen Hochschule verhandelt werden. Alle Arbeitsgruppen sprachen sich daher für einheitliche Regeln und Musterverträge aus. Eine Wiener Initiative vergleicht dafür bereits internationale Vorlagen, berichtete Michaela Amstötter-Visotschnig von der BOKU. Statt identischer Verträge sollen Bandbreiten entstehen, die beiden Seiten Sicherheit geben. Erste sichtbare Ergebnisse erwartet sie in rund zwei Jahren.

Damit das Thema nicht mit jedem Wechsel im Rektorat von vorn beginnt, soll es außerdem fester in den Strukturen verankert werden, etwa über die Hochschulstrategie, eine eigene Zuständigkeit im Vizerektorat und ein gesichertes Budget. Die sogenannte dritte Mission der Hochschulen, also der Transfer von Wissen in Wirtschaft und Gesellschaft, könnte dafür im rechtlichen Rahmen klarer festgeschrieben und mit den Leistungsvereinbarungen des Ministeriums abgestimmt werden. Mit einer solchen Grundlage starte man nicht bei null, sondern bei 70 Prozent, rechnete Weber vor. Auch bei Berufungen soll unternehmerisches Denken künftig neben Publikationen zählen. Rudolf Dömötör von der WU Wien betonte, dass Kooperation institutionell einfacher werden müsse, damit sie nicht länger vom Einsatz Einzelner abhängt.

Vom Spin-off zum Standortfaktor

Welche Wirkung Ausgründungen über die Hochschule hinaus entfalten können, zeigt Graz. Dort studieren, forschen oder arbeiten rund 80.000 der 350.000 Einwohner:innen an einer Hochschule, und gerade in der kriselnden Autozulieferindustrie eröffnen Spin-offs neue Perspektiven. Damit solche Effekte nicht an Landesgrenzen enden, arbeiten die Hochschulen über das ECN zunehmend bundesländerübergreifend zusammen. Weber schlägt vor, Gründungsprogramme künftig entlang von Technologieachsen wie der Halbleiterindustrie oder der Quantenforschung zu bündeln.

Als Vorbilder dienen dabei Erfolge unterschiedlichster Größe. Die Runde nannte etwa Tractive, eine Gründung aus der FH Oberösterreich, die heuer an den italienischen Softwarekonzern Bending Spoons verkauft wurde. Ebenso wichtig seien aber beständige Betriebe wie die Wurmkiste, die Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Es müsse nicht immer ein Einhorn sein, also ein Startup mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar, so Amstötter-Visotschnig. Dömötör wünscht sich, dass jede Hochschule ihre erfolgreichen Gründer:innen zum Teil ihrer Identität macht. An der WU sind das etwa die Gründer von Bitpanda und Waterdrop.

Eindrücke von der Konferenz finden Sie in der Galerie.

www.ecn.ac.at

www.wu.ac.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV