Digital vernetzte Mehrwegsysteme können nicht nur Verpackungsabfälle reduzieren, sondern auch Kosten, Transportzeiten und Laufwege in der Logistik verringern. Zu diesem Ergebnis kommen Forschungsprojekte des Institute for Digital Transformation and Strategy (IDS) der FHWien der WKW und des oberösterreichischen Start-ups Booxit. Die beiden Partner arbeiten seit 2021 gemeinsam an entsprechenden Lösungen.
Die bisherigen Berechnungen zeigen insbesondere bei einem untersuchten Lieferprozess zwischen Pharmagroßhandel und Apotheken wirtschaftliches Potenzial. Bei mehr als 20.000 Fahrten jährlich wurde eine mögliche Einsparung von rund 1,37 Millionen Euro pro Jahr errechnet. Die bislang zwischen drei und acht Stunden dauernden Fahrten könnten sich den Ergebnissen zufolge im Durchschnitt um etwa 1,25 Stunden verkürzen.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass intelligente Mehrwegsysteme mehrere Herausforderungen der Logistik gleichzeitig adressieren können: Sie reduzieren Verpackungsabfälle, ermöglichen effizientere und stärker automatisierte Prozesse und können zugleich die Arbeitsbedingungen verbessern", sagt Walter Mayrhofer, Leiter des IDS der FHWien der WKW.
Deutlich kürzere Wege im Lager
Neben den Kosten und der Transportdauer untersuchten die Forschenden auch mögliche Auswirkungen auf die Beschäftigten. Bei der Simulation eines Lagerprozesses verringerte sich mit einem auf Booxit-Regalen basierenden System die erforderliche Wegstrecke von 3.845 auf 335 Meter. Dadurch könnten Abläufe beschleunigt und ergonomische Belastungen reduziert werden.
Die Zusammenarbeit hatte 2021 mit dem Forschungsprojekt DigiPharmaLogNet begonnen. Zu diesem Zeitpunkt habe vom Booxit-System lediglich ein 3D-gedruckter Prototyp existiert. In den folgenden Jahren sei das Konzept in mehreren Forschungsprojekten für unterschiedliche Anwendungsfelder untersucht worden. Diese reichten von der Pharma- und Paketlogistik bis zu resilienten Logistiksystemen für besonders anspruchsvolle Bedingungen.
Digitale Zwillinge und KI für Mehrwegkreisläufe
Als wesentlicher Faktor für funktionierende Mehrwegsysteme habe sich in den bisherigen Projekten die zuverlässige Rückführung der Behälter herausgestellt. Gleichzeitig müssten deren Bewegungen digital nachvollziehbar sein, damit solche Systeme ihr Potenzial ausschöpfen könnten.
Daran knüpft das laufende Forschungsprojekt SIBORC (Simulation-based Optimization of Reusable Container Cycles) an. Komplexe Mehrwegkreisläufe werden dabei mithilfe digitaler Zwillinge und künstlicher Intelligenz simuliert und optimiert. Das IDS betrachtet neben wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten auch die Auswirkungen auf Beschäftigte und Organisationen.
Forschung soll sich im laufenden Betrieb beweisen
Nach fünf Jahren gemeinsamer Forschungsarbeit soll nun verstärkt die praktische Erprobung folgen. "Wir haben die Entwicklung von einem ersten Prototyp bis hin zu einem umfassenden digitalen Logistiksystem wissenschaftlich begleitet. Der entscheidende nächste Schritt ist jetzt die Erprobung unter realen Bedingungen", so Gerald Schneikart, Projektleiter und Senior Researcher am IDS.
Dabei wolle das Forschungsteam untersuchen, ob sich die bislang in Simulationen und Forschungsprojekten festgestellten Potenziale auch im laufenden Betrieb realisieren ließen.
Auch Booxit-CEO Peter Entenfellner hebt die bisherige Zusammenarbeit hervor: "Die Zusammenarbeit mit der FHWien der WKW war über mehrere Forschungsprojekte hinweg von einem tiefen Verständnis für diese disruptive Logistiktechnologie geprägt."
Zusammenarbeit wird fortgesetzt
Mit dem 2026 gestarteten Kompetenzteam HumAInLog setzen die Partner ihre Forschungsarbeit fort. Das von der Stadt Wien geförderte Projekt beschäftigt sich mit menschenzentrierten Technologien und KI-Assistenzsystemen für die Zustell- und Transportlogistik. Booxit ist als Praxispartner beteiligt.
Damit rückt nach der technologischen Entwicklung zunehmend die praktische Anwendung in den Vordergrund. Untersucht werden soll, wie intelligente Logistiksysteme wirtschaftlich, nachhaltig und unter Berücksichtigung der Arbeitsbedingungen eingesetzt werden können.
www.fh-wien.ac.at
www.booxit.at
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