Interview
"Tradition ist nicht nur ein Festhalten an dem, was schon immer war"

| Ernst Trestl 
| 08.10.2026

Im Interview mit Luxury News erläuterte Christoph Köchert, einer der drei Geschäftsführer des Wiener Nobeljuweliers A. E. Köchert, die Philosophie des Traditionsunternehmens.

Mehr Tradition, als das Haus A. E. Köchert vorweisen kann, ist nahezu unmöglich. Zu den Kunden des 1814 gegründeten Familienunternehmens zählten nicht nur gekrönte Häupter aus dem Hause Habsburg sowie aus anderen europäischen Monarchien, sondern auch viele aus der gehobenen Gesellschaft. 

Prunkstücke aus der umfangreichen Schaffensliste des Unternehmens sind die Reichsinsignien zur Krönung Kaiser Ferdinands als König von Lombardo-Venetien, die Vollendung der Österreichischen Kaiserkrone sowie die 1858 angefertigten, weltberühmten 27 "Sisi"-Sterne. 1849 ernannte Kaiser Franz Josef I. Jakob Heinrich Köchert zum Kaiserlich-Königlichen Hof- und Kammerjuwelier.


Nach wie vor eines der begehrtesten Schmuckstücke des Hauses – der "Sisi"-Stern © A. E. Köchert

Wie es gelang, das Unternehmen seit Jahrhunderten unter die berühmtesten und erfolgreichsten des Landes zu positionieren und wie er persönlich Tradition definiert, erklärte Christoph Köchert im Gespräch mit Luxury News.

Kultur entsteht im Unternehmen 

Christoph Köchert: "Tradition ist eine Facette, eine gewisse Kultur, die geprägt ist von der Art und Weise, wie zum Beispiel unsere Väter und Großväter ihre Kunden empfangen haben – eine totale Mittelpunktstellung des Menschen. Jeden Wunsch ernst zu nehmen, sich nicht selber abzuheben oder sich als etwas sehr Exklusives darstellen. Im Grunde begleiten wir die Menschen durchs Leben, angefangen mit einem kleinen Anhängsel für die Taufe oder für die Erstkommunion. Wir zeigen Servicebereitschaft, nehmen auch Reparaturen an, die andere Firmen ablehnen, weil es ihnen zu riskant ist. Wir sind einfach auch dazu da, die Probleme unserer Kunden zu lösen. 

Tradition ist zum Beispiel auch dieses echte, völlig klare Commitment, ehrlich zu sein, den Wissensvorsprung, den man als Fachmann hat, nicht auszunutzen. Tradition heißt in unserem Fall auch aufbauen können auf einer großen Expertise unserer Goldschmiede, einer großen Expertise unserer Designer. Der wiedererkennbare Stil unseres Hauses ist ebenfalls sehr wichtig. Wir haben eine gewisse Designtradition – man erkennt ein Schmuckstück aus dem Hause Köchert, weil es eine so spezielle Formensprache hat, an die man anknüpfen und immer wieder neu entwickeln kann."

Auch das Weitergeben ist für Christoph Köchert letztlich Tradition. Werte, die unveräußerlich sind und an denen man aus echter Überzeugung festhält. "Es ist ein unbeugsames Festhalten an gewissen Werten, gleichzeitig braucht es aber auch diese Fähigkeit, sich zu verändern. Tradition ist nicht nur ein Festhalten an dem, was immer schon war, sondern die Tradition war bei uns auch immer in jeder Generation zu sehen, zu spüren, zu fühlen. Wir sind durchaus bereit, einem Trend zu folgen, ohne sich komplett diesem Trend hinzugeben. Selbst Trends zu prägen und gerade die Tradition, das Feststehen in gewissen unveräußerlichen Werten, gibt einem auch den Mut, die Kraft und die Sicherheit, auch Dinge komplett neu auszuprobieren und neue Dinge zu wagen."


Eine Zeichen der Liebe und Wertschätzung – Collier und Ohrgehänge "Federn" Diamanten © A. E. Köchert

Edelsteine sind die beste Geldanlage

Der Kauf eines Schmuckstücks bedeutet Emotion, als Geschenk ein Zeichen der Liebe und der Wertschätzung, betont Christoph Köchert. Insofern ist Schmuck immer gut angelegtes Geld, weil eine starke emotionale Komponente dahintersteht. 

"Der zweite Aspekt ist der des Werterhalts. Gerade in besonders schwierigen Zeiten geben Schmuckstücke eine gewisse Sicherheit. Die Generation nach dem Krieg hatte diese Erfahrung gemacht, dass, wenn sonst nichts mehr wert ist, ein Diamantring oder ein Goldring das Leben sichert. Schmuck bedeutet, viel Wert auf kleinem Raum, den man auch mitnehmen kann, wenn man zum Beispiel die Heimat verlassen muss."

Der Florentiner

Etwas, dass auch der letzte österreichische Kaiser Karl I. zu schätzen wusste. Vor zirka einem Jahr tauchte in einem Safe eine kaiserliche Sicherheitsrücklage in Forma eines Schatzes auf. Mit dem weltberühmten "Florentiner", einem, seit 1737 im Besitz der Habsburger befindlichen Diamanten, mit 137,2 Karat, in der Größe einer Walnuss, im Mittelpunkt. Der Experte Christoph Köchert wurde hinzugezogen, um seine Echtheit und Authenzität festzustellen. "Ja, das war schon ein echtes Highlight meines bisherigen Juwelierlebens. Ein echter Gänsehautmoment, den Stein in der Hand zu halten und zu wissen, das ist einer der größten, besondersten, berühmtesten Diamanten der Welt. Mit viel Geschichte und Geschichten, die sich um ihn ranken."


Der "Florentiner" ist derzeit in Quebec, Kanada, ausgestellt © A. E. Köchert

Farbdiamanten im Trend

Derzeit sind laut Christoph Köchert Farbsteine von großer Bedeutung. "Farbdiamanten, vor allem die schönen Fancy Yellow Diamanten, aber auch Brauntöne sind sehr begehrt. Wie der Florentiner, der ja auch ein Helles, ins Gelbliche gehende Braun hat. 

Bei den Farbsteinen hat sich nicht viel verändert. Die Paraiba Tourmaline sind immer noch ein großes Thema. Aber auch bei Rubinen, Saphiren, Smaragden sind wir seit Jahrhunderten ausgesprochene Spezialisten. Was das Gold betrifft, verwenden wir ausschließlich recyceltes Material."

Mit der Kollektion "X-Changeables" setzt Köchert die Möglichkeit,  Schmuckstücke vielfältig zu kombinieren fort. "Mit ein paar Handgriffen lässt sich etwa ein schönes Brillantcollier zu einem prachtvollen Diadem verwandeln. Aber auch Ohrgehänge, deren Oberteile und Gehänge beliebig kombinerbar sind.


X-Changeables – selbst kombinierbare Schmuckstücke © A. E. Köchert

Kunst und Kultur

Für die Familie Köchert hat Kunst und Kultur seit jeher einen hohen Stellenwert. Für Christoph Köchert ist das Unternehmen nicht nur im breiten Sinne von der Kultur seiner Heimatstadt Wien geprägt. "Kunst und Kultur gehören einfach zu unserer DNA. Wir haben von Beginn an stark mit Künstlern zusammengearbeitet. Derzeit sind es berühmte Österreicher, wie Peter Kogler, Erwin Wurm, Elke Krystufek und viele andere, die uns dazu inspirieren, immer wieder auch Grenzen zu überschreiten und Neues auszuprobieren."

Die nächste Generation setzt die Tradition fort

Mittlerweile ist bereits die siebente Generation ins Unternehmen eingestiegen. "Das ist ein schöner Ausblick für uns, ein guter Anlass optimistisch zu sein", so Christoph Köchert am Ende unseres Gesprächs. "Die Nachfolger entwickeln gerade ihr eigenes Unternehmen – wir sehen, dass sie vielversprechende Entrepreneurs sind und erst einmal, bevor sie im Familienunternehmen beginnen, eine eigene Schmuckmarke aufbauen wollen, um dann noch etwas Neues draufzusetzen."

Somit scheint der Fortbestand eines der traditionellsten Familienunternehmen Österreichs für weitere Jahrzehnte gesichert zu sein.

www.koechert.com

 

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