Für Konzert-, Opern- bzw. Theaterkarten müssen Kulturinteressierte immer tiefer in die Tasche greifen. Hohe Gagen für Künstler, Regisseure, Technik usw. drehen die Spirale immer mehr nach oben und ohne Mäzene, Sponsoren bzw. Förderungen wäre so mancher Kulturbetrieb nicht aufrecht zu erhalten.
Daniel Serafin, Intendant der Oper im Steinbruch St. Margarethen sowie künstlerischer Leiter des Viennese Opera Ball in New York, erläutert im Interview, wie er in Zeiten angespannter Wirtschaftslage den Spagat schafft, trotz schwieriger Rahmenbedingungen absolute Topqualität zu bieten.
Unser Hauptsponsor ist das Publikum
Wir beginnen unser Gespräch mit der Frage, welche Herausforderung es derzeit ist, einen Kulturbetrieb wirtschaftlich zu führen?
Daniel Serafin: "Im Vergleich zu großen Festivals wie Salzburg oder Bregenz ist die 'Oper im Steinbruch St. Margarethen' deutlich geringer subventioniert. Umso wichtiger sind tragfähige strukturelle Partnerschaften: Ein Beispiel dafür ist die 2024 gegründete gemeinnützige 'SBS Opernbetrieb Burgenland GmbH', in der das Land Burgenland und Esterhazy ihre kulturtouristischen Kräfte bündeln und die Oper im Steinbruch gemeinsam veranstalten. Die Kulturbetriebe Burgenland und Esterhazy halten jeweils 50 Prozent der Anteile und schaffen damit in einem klaren 50:50-Modell die notwendigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung. Dennoch gilt: Unser wichtigster 'Hauptsponsor' ist das Publikum, für das wir letztendlich auch spielen."
Kultur muss für die Allgemeinheit verfügbar sein
Für den international tätigen Kulturmanager ist Kultur "Öffentliches Gut", kein subtiler Luxus und das sollte auch so bleiben. "Kultur ist generell für alle da", so Daniel Serafin, "auch wenn es da und dort mit Luxuskomponenten aufgewertet wird. Ein Besuch beim 'Jedermann' in Salzburg, darf zum Beispiel kein Luxus sein. Und genauso ist die Oper im Steinbruch ein Kulturvergnügen, ein Event, jedoch mit einem signifikanten Merkmal – und das ist mir das Wichtigste – absolute Top-Qualität. Qualität bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass es teuer sein muss. Wir haben auch ein Angebot von günstigen Karten, die bei 29 Euro, dank Rabattierungen losgehen. Bis hinauf zu einem Full Package in unserer VIP-Lounge mit Hauben-Menü und Champagner, wo man sich dann doch auch Luxus gönnen kann.“
Open Air fordert ein hohes Maß an Entertainment
Wo die Grenze zwischen kulturellem Anspruch und Eventisierung liegt, ist für Daniel Serafin eine Frage nach der Art der Vorstellung. "Bei 5.000 Sitzplätzen, wie in St. Margarethen, muss ein Entertainmentfaktor drinnen sein. Ich kann ja nicht etwas spielen, was für 200 Personen in irgendeinem kleinen Theater stattfinden kann, sondern ich muss etwas Großartiges bieten. Das Publikum wäre traurig, wenn es nicht staunen könnte, wenn die Besucher die Bühne sehen, die Kostüme, dieses Erlebnis 'Kultur'. Im Steinbruch ist es verbunden mit der Natur, mit einer fantastischen Naturkulisse aus Stein, ein einzigartiges Gesamtkunstwerk."
Applaus ist der Maßstab
Exorbitant hohe Gagen, die in der Kulturbranche gezahlt werden, sind für Daniel Serafin kein Thema. "Wir haben eine Deckelung für Höchstgagen, die 2016 eingeführt wurde und bis heute nicht angehoben wurde. Das ist wichtig, zumal das negative Folgen hätte. Die Sängerinnen und Sänger kommen in den Steinbruch, weil sie gehört haben, was für unfassbar großartige Musiker hier sind, mit denen man wunderbar zusammenarbeiten kann. Sie wissen einfach um die Qualität, auch um die Vermarktung und die mediale Aufmerksamkeit. Das ist für mich das Wichtigste."

Entwurf des Bühnebildes für die Oper "Tosca" . . . © LEADERSNET/R. Brunhölzl
Raus aus dem Alltag, rein in den Steinbruch
Heutzutage erwarten sich Besucher mehr denn je Effekte, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das bedeutet, der Intendant muss sich immer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. "Wir bedienen unser Publikum, möchten es faszinieren, ein bisschen aufwühlen. Auch ein bisschen 'shaken und moven'. Zweieinhalb bis drei Stunden in eine Welt eintauchen, in eine Fabel, in ein Märchen und ein bisschen abschalten – raus aus dem Alltag, rein in den Steinbruch, ist unser Angebot."
Zwischen Tradition und Moderne zu stehen, beschreibt Daniel Serafin als Gratwanderung. Weder erschrecken noch belehren. "Wir leben unsere Tradition – mit Adaptierungen. Die Musik ist wie sie ist, da kann man nichts dazu komponieren – aber bei einer Inszenierung kannst du Bilder machen, die man vielleicht noch nicht gesehen hat und dadurch auch in den Köpfen der Menschen generieren.“
. . . und im Original bei Probenbeginn © wearegiving
Neue Medien
Kulturelle Bildung ist nach wie vor eine Frage des sozialen Zugangs. Trotz gelebter Tradition verschließt sich der Intendant nicht moderner Medien. Social Media habe vor allem im Marketing eine hohe Bedeutung.
Daniel Serafin: "Über Social Media lässt sich eine breite Schicht erreichen. Wir haben entsprechende Analysen durchgeführt und genau untersucht, wie Kultur, kulturelle Erfahrung zunehmend zu einem Lifestyleprodukt wird. Kultur-Lifestyle-Besucher, die in Salzburg, in Verona, in Bregenz waren, kommen irgendwann auch zu uns. Motiviert durch Bilder aus den Liveübertragungen im Fernsehen oder anderen Medien."
Eine große Rolle spielt Social Media laut Serafin auch in der Kundenakquise. "Weil wir auch Menschen erreichen, an die wir auf konventionellem Weg nicht herankommen."
Bilder im Kopf
Letzte Frage: Was bleibt von meinem außergewöhnlichen Kulturerlebnis, wenn der Applaus längst verklungen ist?
"Das Schöne im Vergleich zur bildenden Kunst ist der Nachhall in den Erinnerungen, den die darstellende Kunst in Bildern in den Köpfen der Menschen erzeugt", so Daniel Serafin. "Ein Bild im Museum bleibt ein Bild, es sieht nach Jahren genauso aus. Ich werde auch heuer wieder jeden Abend im Steinbruch sein, bei 24 Vorstellungen der Oper 'Tosca'. Passiert dort an jedem Abend dasselbe? Nein. Jeder Abend ist anders, weil es die Kunst ist, eine Oper aufzuführen. Das Publikum ist anders. Die Sänger sind anders. Der Applaus dagegen ist nicht anders. Es ist das lebende Kunstwerk, das mich so fasziniert. Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen – 'jeder Abend ist anders, weil es gelebte Kultur ist'."
Heuer präsentiert die "Oper im Steinbruch St. Maragrethen", wie schon erwähnt, Giacomo Puccinis Oper "Tosca", vom 15. Juli bis 22. August 2026.. LEADERSNET wird darüber noch genauer informieren.