„Wir haben in zwei Monaten aufgebaut, wofür andere Jahre brauchen“

| 20.12.2016

Die „Österreich“-Chefs Fellner und Voigt im exklusiven leadersnet.at-Interview über die ersten drei Monate oe24.TV und die Zukunftspläne für den Sender.

Am 26. September 2016 hat die Mediengruppe Österreich mit oe24.TV einen eigenen Fernsehsender gelauncht. Im Gespräch mit leadersnet.at ziehen Niki Fellner und Oliver Voigt ein Resümee über die ersten drei Monate des TV-Kanals, erklären wie die einzelnen Mediengattungen zusammenarbeiten und welche Pläne und Ziele man sich für 2017 gesteckt hat.

leadersnet.at: Sie haben heuer für ordentlich Wind in der Medienbranche gesorgt: Mit oe24.TV waren Sie praktisch das erste heimische Print-Medienhaus, das sich getraut hat, einen eigenen Fernsehsender an den Start zu bringen – nicht nur digital sondern auch linear. Wie ist das Resümee nach den ersten drei Monaten?

Fellner: Wir sind selbst überrascht, wie gut das Ganze eingeschlagen hat. Wir haben mit 1. August gesagt, dass wir jetzt loslegen und mit 26. September on Air sein wollen. Den Termin haben wir vor allem auch wegen der Bundespräsidentenwahl gewählt, die ursprünglich für 2. Oktober angesetzt war, sonst hätten wir auch zwei Monate später starten können. Im Endeffekt war es aber eine gute Übungszeit. De facto hatten wir keine zwei Monate, um die komplette Technik auf die Beine zu stellen, das Studio zu bauen und das Personal zu rekrutieren. Ich denke, wir hatten in Österreich noch nie ein TV-Projekt mit so geringen Vorlauf- und Investitionskosten. Andererseits war es ein "Ritt über den Bodensee", weil wir in zwei Monate aufbauen mussten, wofür andere Jahre brauchen.

Voigt: Die Zahlen nach den ersten drei Monaten sind wirklich höchst erfreulich. Wir haben im linearen Bereich mittlerweile 30 Prozent technische Reichweite – also 2,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher haben zumindest einmal in diesen guten zweieinhalb Monaten oe24.TV geschaut. Wir sind in über 60 Kabelnetzen vertreten, wir haben eine terrestrische Verbreitung und sind über Satellit empfangbar.

Fellner: Wir haben einzelne Spitzen – etwa das Wahlduell zwischen Van der Bellen und Hofer –wo wir linear fast 100.000 Zuschauer, digital über den Livestream knapp 200.000 und via Facebook Livestream nochmal einmal 100.000 Seher hatten. Das Digitale ist eine wirkliche Erfolgstory – da haben wir mittlerweile pro Tag knapp 200.000 Livestream-Abrufe. Unsere oe24.TV-App war das erste Monat fast durchgehend auf Platz 1 der Nachrichten-Apps. Mittlerweile haben wir über 20.000 App-Downloads. Im November haben wir 8,5 Millionen Pre-Rolls abgespielt. Zum Vergleich: Im September bevor wir mit oe24.TV gestartet sind, hatten wir mit unserem Bewegtbildcontent gerade einmal zwei Millionen Pre-Rolls ausgespielt – das heißt wir haben unser Videoinventar vervierfacht. Beim Pre-Roll-Inventar sind wir hinter der ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe jetzt schon der Nr. 2 Anbieter. Wir liegen damit sogar vor dem ORF. Der ORF hat natürlich mehr Videoabrufe als wir, er vermarktet aber nur einen Bruchteil seines Bewegbildinventars.

leadersnet.at: Wie ist eigentlich die ursprüngliche Idee entstanden, einen eigenen Fernsehsender zu launchen?

Fellner: Die Idee wurde geboren, weil wir gemerkt haben, dass im Onlinebereich sowohl von User- als auch von Kundenseite eine extrem hohe Nachfrage nach Bewegtbild da ist. Wir haben uns schon die vergangenen eineinhalb Jahre gefragt, wie wir diese Nachfrage am besten bedienen können. Wir haben dann eine kleine TV-Abteilung eingerichtet, die täglich Bewegtbildformate für unseren Onlineauftritt produziert hat. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass wir gegen die großen TV-Stationen so nicht ankommen. Daraus ist dann zuerst die Idee entstanden einen permanenten TV-Stream zu produzieren, der aber rein für online gedacht war. Die Agenturen und großen Kunden haben uns in Gesprächen bestätigt, dass dies eine super Idee sei, das große Geld aber im linearen Fernsehen zu holen sei.

Voigt: Dann haben wir begonnen zu rechnen und haben mit einem sehr effizienten Minibudget das Ganze konzipiert. Dabei haben wir gemerkt, dass es gar nicht so einen Unterschied macht, ob wir linear senden oder nicht. Es kommen noch ein wenig Verbreitungskosten und ein bisschen technische Kosten dazu, aber einen wirklich großen Unterschied macht es nicht. Auf der anderen Seite sind dafür die Erlösquellen entsprechend höher. Deshalb haben wir dann gesagt, wir trauen uns da drüber und machen oe24TV sowohl digital als auch linear.

© leadersnet.at/Mikkelsen

leadersnet.at: Wie ist es intern bei den Mitarbeitern angekommen, dass Sie einen Fernsehsender gestartet haben?

Fellner: Ich denke, dass der Sender vermarktungstechnisch super funktioniert, von den Usern sehr gut angenommen wird und ich glaube es hat uns auch als Medienhaus in die nächste Ebene geführt – sowohl intern wie extern.

Voigt: Wir haben vergangene Woche auf unserer Weihnachtsfeier richtig gespürt, wieviel neuer Drive und Elan von unseren Mitarbeitern kommt – egal ob von den Kollegen der TV-Redaktion, von Radio OE24 oder der Printredaktion. Dieses positive interne Feeling wird auch extern bestätigt, in dem wir von langjährigen Partnern und Freunden – aber durchaus auch von Kritikern – gesagt bekommen: „Was ihr da auf die Beine gestellt habt, ist erstaunlich und gut." Das ist eigentlich das, was uns beflügelt. Mit diesem Drive werden wir jetzt auch ins neue Jahr gehen.

leadersnet.at: Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mediengattungen In-House?

Fellner: Wir sind der erste 4-mediale Newsroom in Österreich. Ich glaub der ORF will 2018 einen Newsroom starten – aber der ist dann auch nur trimedial. Wir produzieren hingegen Print, Online, Radio und TV aus einem Newsroom heraus. Der Launch von oe24.TV hat uns auch von der redaktionellen und inhaltlichen Arbeit her auf die nächste Ebene befördert. Auch deswegen, weil wir es geschafft haben, die Power dieses Newsrooms für alle Mediengattungen zu nutzen. Das "Werkl" rennt mittlerweile im Newsroom.

Voigt: Der Newsroom arbeitet so, als wäre es nie anders gewesen. Diese neue Arbeitsweise hat sich also innerhalb weniger Wochen etabliert und alles geht Hand in Hand. Wir haben auch unsere Strategie entsprechend angepasst: Wenn eine Nachricht reinkommt, spielen wir sie über den Kanal aus, über den wir sie am schnellsten ausspielen können.

Fellner: Wir haben den ganzen Newsroom verzahnt. Zudem haben wir es geschafft, mit einer chefredaktionellen Mitte so eine Art Informationsgathering umzusetzen, wo die Infos geschlossen an alle Mediengattungen gehen und dann entschieden wird, auf welchem Kanal wir es wann ausspielen.

leadersnet.at: Welche Pläne haben Sie für 2017 für oe24.TV?

Fellner: Wir haben uns einerseits vorgenommen, dass wir die monatlichen Pre-Roll Abrufe auf über 10 Millionen steigern. Das heißt wir wollen im digitalen Bewegtbildbereich auf Augenhöhe mit ProSiebenSat.1 Puls 4 sein. Darüber hinaus wollen wir – und das ist ein völlig neuer Ansatz – den Pre-Roll TKP (Tausend-Kontakt-Preis) und den klassischen TV TKP aneinander anpassen. Wir wären dann das erste Medium in Österreich, das einen einheitlichen TKP für beide Mediengattungen anbietet. Das kommt auch super bei Agenturen und Kunden an. Zum Dritten wollen wir natürlich auch die lineare Reichweite steigern. Bis Ende 2017 möchten wir bei 0,7 Prozent Marktanteil sein. Das ist das, wo Servus TV nach einem Jahr war und ich denke, dass wir das auch schaffen können. Wir wollen auch etwas mehr Struktur in das Programm bringen. Ab 1. Jänner  wird die Sendungsstunde klarer strukturiert sein. Die ersten 30 Minuten wird es einen klassischen Nachrichtenblock geben, während die zweite halbe Stunde einen Society- und Lifestyle-Schwerpunkt haben wird. Dadurch wird der Seher eine klarere Orientierung haben. Für die Werbekunden bedeutet es, dass sie sich klar in ihrem Umfeld positionieren können.

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