"Ich begegne der Coronakrise mit konstruktivem Optimismus"

In seinem Gastkommentar erklärt Ralf-Wolfgang Lothert, Head of Corporate Affairs and Communication bei JTI Austria, wie man die COVID-Krise menschlich und wirtschaftlich übersteht und welche beiden Punkte nach der Pandemie ganz oben auf unserer To-Do List stehen werden.

Seit über einem Jahr dreht sich beinahe unser gesamtes Leben um ein Virus und seine Folgen für uns als Gesellschaft und die Volkswirtschaft – auch das politische System ist erschüttert.

In der Wirtschaft lebe ich nach dem Prinzip des "konstruktiven Optimismus" – das bedeutet, dass man immer versucht, das Beste aus schnell wechselnden Situationen zu machen. Es bedeutet flexibel zu sein, sein Umfeld mitzunehmen, vorauszuschauen. In diesem "Zweckoptimismus" bin ich – sind wir – als Unternehmen der COVID-Pandemie begegnet. Wir haben die Chancen erkannt, als Team neue Wege zu gehen, flexibler zu arbeiten, neue Technologien zu verwenden, an der Herausforderung zu wachsen. Der Zeithorizont war absehbar – im Glauben an Technologie und Medizin waren zuerst einige Wochen, dann Monate in unseren Köpfen. Inzwischen rechnen wir nicht mehr in Monaten, eher in Jahren.

Der volkswirtschaftliche Schaden, den jeder Tag Lockdown hinterlässt, ist schwer zu beziffern und auch die Geduld und Selbstdisziplin der Menschen bröckelt. In vielen Ländern kämpfen die politischen Führungen, Regierungen in vielfältigen Konstellationen mit dem gleichen Dilemma: Sie müssen vor laufend wechselnden wissenschaftlichen Grundlagen politische Entscheidungen treffen, die unser berufliches und privates Leben massiv einschränken. Immer öfter und deutlicher wird den Regierungen innerhalb der EU die Rechnung präsentiert – in Form sinkender Vertrauenswerte, schwacher Umfragedaten und einem massiven Legitimationsverlustes. Längst schon wird die Handlungsfähigkeit und Qualität einer Staatsführung anhand von Inzidenz, Impfquote und Neuinfektionsrate gemessen. Das Tempo ist hoch, die Gesetzgebung hinkt viel zu oft hinterher, regiert mit teilweise grotesken Regeln in unsere privatesten Lebensbereiche. Ältere Menschen sehen ihre Familien nicht mehr, Freundschaften werden zerrissen, Karrierewege brechen ab. Ohne direkten menschlichen Kontakt wird es still in unseren Leben.

Wenn es soweit ist und die Krise überstanden ist, werden wir zwei wichtige Punkte auf unserer ToDo-Liste haben:

Erstens: Die Wirtschaft muss schnellstmöglich wieder voll starten können. Über eine Million Menschen in Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit brauchen wieder eine berufliche Perspektive. Der Konsum muss anspringen, die Kinder müssen schnellstmöglich wieder eine geregelte Schulbildung erfahren und die angehäuften Defizite abbauen.

Zweitens: Wir müssen unsere politischen Systeme einer ehrlichen und transparenten Analyse unterziehen. Die Politik hat in dieser Situation nicht versagt, aber sie ist sehr deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Und sie hat in vielen Fällen jeden Maßstab für das Erträgliche verloren. Es geht nicht um politische Denkzettel oder Abrechnungen. Aber wir müssen lernen, auch im medizinischen Ausnahmezustand als Demokratie zu funktionieren. Fehler, die gemacht wurden, können uns voranbringen, wenn wir bereit sind daraus zu lernen.

So funktioniert es auch in der Wirtschaft. Ein Unternehmen übersteht eine Krise und lernt aus Fehlern oder es überlebt eben nicht. JTI Austria / Austria Tabak hat in 237 Jahren so manche Erschütterung erlebt, das Weiterbestehen war nicht immer gesichert. Wir haben aber gelernt aus diesen teils harten Erfahrungen, die uns heute helfen eines der ältesten, erfolgreichen Unternehmen des Landes zu sein.

Es wird also sicher eine schmerzvolle Aufarbeitung und so mancher Entscheidungsträger wird sich fragen lassen müssen, was er an seiner Stelle zu verantworten hat. Ich hoffe aber, dass wir als Gesellschaft solidarischer, flexibler und optimistischer aus der Pandemie herausgehen. Lassen wir nicht zu, dass so viel Lebenszeit, so viele menschliche Opfer und so viel wirtschaftlicher Schaden ohne jegliche Weiterentwicklung bleiben.

www.jti.com


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