Wer am Beginn der Karriere steht, muss heute oft deutlich mehr leisten als nur einen guten Lebenslauf vorlegen. Bewerbungsgespräche sind zunehmend Teil mehrstufiger Auswahlprozesse, in denen fachliche Qualifikation, persönliche Positionierung und der souveräne Umgang mit schwierigen Fragen zusammenkommen. Gerade für junge Talente kann das zur Herausforderung werden – vor allem dann, wenn die Vorbereitung nicht mit den steigenden Anforderungen Schritt hält.
Wie der Jungakademiker:innenmonitor 2026 zeigt, den Marketagent im Auftrag des Karriere- und Finanzplanungsspezialisten FiP-S.at durchgeführt hat (siehe Infobox), nimmt die intensive Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche weiter ab. So investierten nur noch 54,1 Prozent der Befragten mindestens eine Stunde in die Vorbereitung – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 60,9 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil jener, die sich lediglich rund 30 Minuten vorbereiten, auf 35,3 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung.
Weniger Vorbereitung trifft auf höhere Anforderungen
Auch beim subjektiven Sicherheitsgefühl zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar geben 62,6 Prozent der Befragten an, sich "sehr gut" oder "eher gut" vorbereitet zu fühlen. Der Anteil jener, die sich selbst als "sehr gut vorbereitet" einschätzen, ist jedoch von 20,4 Prozent im Jahr 2025 auf gerade einmal 16,7 Prozent gesunken. Insgesamt fühlen sich zudem 37,4 Prozent nur "teilweise" oder "schlecht" vorbereitet. "Viele Jungakademiker:innen investieren Jahre in ihre Ausbildung, schöpfen dieses Potenzial im Bewerbungsprozess aber nicht aus. Wer sich weniger als eine Stunde vorbereitet, lässt wertvolle Chancen liegen", appelliert Florian Märzendorfer, geschäftsführender Gesellschafter von FiP-S.at, hierzu.
Besonders auffällig ist laut der Erhebung, dass sich eine halbe Stunde Vorbereitung zunehmend als neue Normalität etabliert. Gleichzeitig nimmt auch der Anteil jener zu, die sich gar nicht vorbereiten. Dieser stieg von 0,9 Prozent im Vorjahr auf 2,5 Prozent. Die Studienautor:innen sehen darin mögliche Hinweise auf mehr Routine im Bewerbungsprozess, aber auch auf eine Unterschätzung der tatsächlichen Anforderungen. "Eine saubere Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch geht sich in einer Stunde nicht aus. Wer wirklich überzeugen will, sollte mindestens vier bis fünf Stunden investieren – alles darunter bleibt oft an der Oberfläche", betont Märzendorfer.
Gehaltsfragen bleiben die größte Hürde
Die größte Herausforderung im Bewerbungsgespräch bleibt für die Befragten weiterhin die Gehaltsverhandlung. 60,1 Prozent nennen diesen Punkt als schwierig. Damit liegt der Wert zwar unter jenem des Vorjahres mit 65,9 Prozent sowie unter dem Niveau von 2020 mit 68,6 Prozent, dennoch bleibt das Thema klar an erster Stelle. Mehr als die Hälfte der Befragten hat zudem Schwierigkeiten im Umgang mit unangenehmen Fragen (51,1 %).
Darüber hinaus empfinden es 48,1 Prozent als schwierig, sich mit den eigenen Bewerbungsunterlagen von anderen Kandidat:innen abzuheben, was den bislang höchsten Wert markiert. Auch Unsicherheiten beim generellen Ablauf von Bewerbungsgesprächen nehmen zu und liegen mittlerweile bei 31,8 Prozent. Fehlendes Hintergrundwissen über potenzielle Arbeitgeber erreicht mit 26,7 Prozent ebenfalls einen Höchststand. "Die Herausforderungen im Bewerbungsprozess sind heute weniger formaler Natur, sondern liegen stärker in der Positionierung und Differenzierung. Es reicht nicht mehr aus, fachlich qualifiziert zu sein – entscheidend ist, wie überzeugend man die eigenen Stärken vermittelt", so Märzendorfer.
Vor diesem Hintergrund sehen die Studienverantwortlichen gezielte Vorbereitung als entscheidenden Hebel. Wer sich intensiver mit dem Unternehmen, den eigenen Kompetenzen und der persönlichen Positionierung auseinandersetzt, könne im Bewerbungsprozess deutlich souveräner auftreten und sich besser von anderen Bewerber:innen abheben. "Das Entscheidende ist: Die meisten Herausforderungen im Bewerbungsprozess lassen sich durch gezielte Vorbereitung sehr gut lösen – von der Gehaltsverhandlung bis zum souveränen Umgang mit schwierigen Fragen", erklärt Märzendorfer.
www.fip-s.at
Kommentar veröffentlichen