"Wir wollen langfristig einen Ort schaffen, der besonders ist"

Kunstexpertin Andrea von Goetz und Schwanenfließ im großen Interview über Bad Gastein als Kunst-Hotspot, warum Kunst Berge versetzt und wie die Szene mit Corona umgeht. 


Andrea von Goetz und Schwanenfließ wollte heuer das Jubiläum des sommer.frische.kunst Festivals feiern und mit der art:badgastein die erste Edition einer Invitational Art Fair präsentieren. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Luxury News hat die Kunst-Expertin zum Interview gebeten und mit ihr über die Faszination Bad Gastein, warum die Kunstszene in die Berge wanderte und wie es nun in Zeiten von Covid-19 mit der Kunst weitergeht gesprochen.

Luxury News: Bad Gastein ist wieder auf dem Weg in die seinerzeitige Weltberühmtheit?

Von Goetz und Schwanenfließ: Ganz anders denke ich- es haben ja immer die ganz großen Namen eine Rolle gespielt . Sissi, der Schah, Grillparzer, Lisa Minelli.
Gut Hugh Grant war gerade da. Aber unser Anliegen ist ein anderes: Wir wollen langfristig einen Ort schaffen, der besonders ist.  Der durch seine großartige Natur und Architektur und durch zeitgenössischen Kunst den Dialog zu gesellschaftsrelevanten Themen sucht.  Der für Offenheit und Visionen steht. Wo sich Menschen treffen, die etwas bewegen möchten. Gerade jetzt brauchen wir das mehr denn ja.

Luxury News: Warum und wie ist der zauberhafte Ort wieder so "in" geworden? Wie kam der Aufschwung?

Von Goetz und Schwanenfließ: Ich denke wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Der Leerstand, die schlechte Presse,  all das war der Nährboden für den Mut anders zu sein.

Es gab Platz für Ideen- neue Hotelkonzepte - Almhütte- Kunstprojekte. Und Idealisten mit einer Vision und einem sehr guten Netzwerk. Der Ort ist nicht perfekt und gerade das macht ihn so einzigartig. Außerdem haben Freunde, Künstler und Gäste den Spirit des Ortes in die Welt tragen.

Luxury News: Welche Leute kommen in "unserer Zeit" nach Bad Gastein?

Von Goetz und Schwanenfließ: Natürlich gibt es einen ganz normalen Österreich Tourismus, Winter wie Sommer. Aber auch viele Künstlerinnen und Künstler, Kreative aller Sparten und auch Stadtflüchter, die in den Bergen Natur tanken möchten und trotzdem nicht auf ein urbanes kulturelles Angebot verzichten wollen. Auch viele heimliche prominente Besucher, die in Ruhe genießen wollen, ohne den üblichen "Kitzbühel Trubel". 

Luxury News: Es siedeln sich immer mehr Galerien - zumindest als Pop-Ups - an. Wie ist es dazu gekommen?

Von Goetz und Schwanenfließ: So stimmt das noch nicht ganz. Aber es wird kommen. Momentan gibt es während der sommer.frische.kunst ein großes Angebot an Ausstellungen  und Kunst im öffentlichen Raum. Im Pavillon an der Kaiser Wilhelm Promenade organisiert das Hotelierspaar Ikrath ganzjährig Ausstellungen.

Luxury News: Wie ist eigentlich das Sommer.Frische.Kunstfestival entstanden?

Von Goetz und Schwanenfließ:  Als ich 2011 nach Bad Gastein kam wurden gerade die Weichen gestellt, um das Thema Sommerfrische zu "reaktivieren". Kunst, Jazz und kulturelle Veranstaltungen sollten die tragenden Säulen werden. Das war ein kleines Team von Hoteliers und Kreativen und der mutigen Doris Höhenwarter, die damalige Kurdirektorin.

Meine Idee war die Kunstresidenz: ein 4 wöchiges Stipendiaten Programm für junge Künstlerinnen und Künstler im Kraftwerk am Wasserfall . Das Kraftwerk am Wasserfall,  indem die Künstler ihre Studios hatten war noch im Dornröschenschlaf und stand jahrelang leer. Nun haben haben 50 Künsterlenenn und Künstler dem alten Gebäude Leben eingehaucht und es ist zu einem Haus der Kunst geworden.

Luxury News: Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass nun das zehn Jahre Jubiläum ansteht?

Von Goetz und Schwanenfließ:  Es sollte kein einmaliges Feuerwerk sein, sondern ein kleines feines Projekt, das organisch wächst und an Qualität und Aufmerksamkeit gewinnt. Und das ist uns gelungen. Um eine Idee erfolgreich werden zu lassen, braucht man einen langen Atem und Beständigkeit, gerade im peripheren Umfeld auf 1000 Höhenmetern. Die Kunstszene braucht neue Ideen und ist "open minded", da war noch Platz für die sommerfrischekunst. Die Kombination raus aus den Messehallen und der Stadt und rauf auf den Berg und trotzdem spannende Positionen an ungewöhnlichen Orten sehen zu könnten, das ist glaube ich die Mischung, die uns so erfolgreich macht. Das ist so ein bisschen das moderne Worpswede.

Luxury News: Ist es eigentlich schwierig, Künstler und Publikum "in die Berge zu bekommen“?

Von Goetz und Schwanenfließ: Nein, das war eigentlich von Anfang an kein Problem. Ich habe ein sehr gutes Netzwerk in der Kunstszene und man hat mir vertraut. Und nun ist es wirklich schön, wenn man auf die Namensliste guckt, wer schon alles hier war. Und auch die Entwicklung der einzelnen Stipendiaten verfolgt. Es macht mich stolz, dass wir schon für den ein oder anderen ein Sprungbrett waren. Und wir bleiben fast alle in Kontakt.

Luxury News: Heuer hätte die Art:Badgastein präsentiert werden sollen. Was hat es damit auf sich? Wie gestaltet sich die Situation angesichts Corona?

Von Goetz und Schwanenfließ: Das Interview hat ja schon vor Corona stattgefunden und im Nachhinein ist die jetzige Situation genau die, die hoffentlich am Ende ein Umdenken bewirkt. Es war einfach auf allen Ebene zuviel. Von Messe zu Messe und das im Galopp.

Mein Motto unseres Jubiläumsmagazins ist "We have to slow down". Und das ist ja gerade kollektiv passiert. die artbadgastein sollte genau das bringen - Ruhe und Zeit, um sich mit Kunst auseinanderzusetzen und ein Abschalten in der Natur sollte den Prozess bestärken.

Aber wenn man etwas herbeibeschwör,t muss man auch selbst die Konsequenzen in Kauf nehmen: Das tun wir und haben sowohl das 10-jährige Jubiläum als auch die artbagastein auf 2021 verschoben.

Allerdings gibt es ein kleines Spezial Wochenende vom 14 bis 16.August 2021 und als Highlight wird Philipp Hochmair mit Jedermann Reloaded ein Open Air Konzert in Sportgastein performen. Es wird gigantisch in dieser Natur.

Luxury News: Was soll das Invitational Messeformat bewirken? An wen richtet es sich?

Von Goetz und Schwanenfließ: Bewirken soll es auf der einen Seite eine Entschleunigung für alle Seiten . Den Sammler, den Künstler und den Galeristen. Gemeinsam am Morgen auf den Berg gehen und am Mittag auf der Messe über die ausgestellten Künstler sprechen.  Außerdem brauche ich Verbündete, die mit ihrem Netzwerk die sommer.frische.kunst noch größer werden lassen. Jede Galerie hat ihre Sammler und Künstler udn  lädt sie ein. Ich hoffe, dass wir damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Luxury News: Zählen auch Sammler zur Klientel?

Von Goetz und Schwanenfließ: Ja, genau die wollten oder wollen wir 2021 ansprechen. Viele sind begeistertet von der Idee Kunst in Verbindung "Seele baumeln lassen" zu kombinieren. Zeitgenössische Kunst abseits der Großstädte zu erleben und trotzdem renommierte Künstler zu sehen, ist ein sehr beliebtes Thema. Und wir waren einer der ersten die das besetzt haben 

Luxury News: Wie lassen sich die Visionen und Pläne von Bad Gastein kurz in Worte fassen?

Von Goetz und Schwanenfließ: Ich denke wir sind da schon ganz weit vorne. Die sommer.frische.kunst hat sich als fester Bestandteil etabliert. Das wird dies Messe hoffentlich auch. Das Zentrum ist in der Entwicklung und verkauft. Nun muss man eher schon hoffen, dass die Einzigartigkeit bestehen bleibt und Bad Gastein durch den ganzen finanziellen Aufschwung nicht dem Mainstream verfällt. Denn aus der Not ist was Großartiges entstanden und alle kreativen Geister des Ortes haben an einem Strang gezogen um Bad Gastein zu einem Sehnsuchtsort vieler werden zu lassen.

Luxury News: art moves mountains - was bedeutet das für Sie?

Von Goetz und Schwanenfließ: Die Kunst hat viel für den Ort getan. Mit einem kleinen Projekt und unfassbar vielen enthusiastischen Unterstützern haben wir den Ort Bad Gastein wieder erweckt. Und ich hoffe damit auch nur die guten Geister .

Luxury News: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Kunstmarkt?

Von Goetz und Schwanenfließ: Klar trifft Corona hart. Und das alle, aber auf unterschiedliche Art und Weise. Viele kämpfen ums Überleben, viele werden schließen. Aber es gibt auch Chancen für Neues. Ideenreichtum und Flexibilität sind da sehr gefragt, man sieht ja, was gerade digital passiert: Podcast, Online Viewing Room etc.

Ich denke, damit kann man sich als Künstler oder Galerist ganz gut präsentieren, aber am Ende ist das Erleben von Kunst ein sehr emotionales, was in der realen Welt verankert ist. 

www.vgs-art.com

artbadgastein.com

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