"Zu 100 Prozent individuell"

| 08.07.2019

Alexander Skrein im Interview über faires Gold, seine Stammkunden, eingetragene Partnerschaften und modernen Lifestyle. 


Alexander Skrein avancierte vom Pionier zum Gestalter der Schmuckbranche, sein Geschäft gilt ganz zu Recht als Wiens führende Schmuckwerkstatt. Handgemachter lässiger Luxus-Schmuck aus fairem Gold, Verlobungsringe, Eheringe und Diamant-Solitäre ziehen Kunden aus Nah und Fern in ihren Bann.

Luxury News: Sie haben 2013 in der Schmuckwerkstatt SKREIN* Ihre Einkaufspolitik in Sachen Gold kompromisslos umgestellt und verwenden seither ausschließlich faires Gold für Ihre Schmuckanfertigungen. Damit waren Sie in Österreich Pionier und mittlerweile ist das Thema in der Schmuckbranche angekommen. Deshalb sind Sie heuer auch vom TRIGOS Unternehmenspreis, bei dem 147 Unternehmen eingereicht haben, in der Kategorie „Vorbildliche Projekte“ als eines von drei Unternehmen nominiert worden.

Wie würden Sie denn die Kunden charakterisieren, die beim Luxusschmuck auf faires Gold oder nachhaltige Produktion wertlegen?

Alexander Skrein: Anfänglich war es so, dass wir die jungen Paare im Auge hatten, die ihr Leben miteinander teilen wollen. Paare, die miteinander respektvoll umgehen, legen besonderen Wert darauf, dass das Symbol ihrer ehrlichen Verbindung zueinander diese Fairness verkörpert. Das Design ist wichtig, aber vorausgesetzt wird, dass andere Menschen nicht an der Produktion gelitten haben, sondern diese Ringe mit Lebensfreude hergestellt wurden.

Luxury News: Wie erfolgreich waren Sie damit, Braut-Paare oder Paare mit eingetragener Partnerschaft anzusprechen?

Alexander Skrein: Es hat sich schnell herumgesprochen und manche sind auch extra aus den Bundesländern angereist. Die Brautleute gehen ganz bewusst an die Wahl ihrer Eheringe heran, ebenso wie gleichgeschlechtliche Paare. Nachdem wir die Ringdesigns gemeinsam entwickelt haben, möchten sie die Goldschmiedin kennenlernen, die die Ringe schmiedet. Ein Höhepunkt ist das Finish der Ringe: gemeinsam mit der Goldschmiedin macht das Paar in einem eigenem Werkstatt-Termin die Oberfläche und letzten Handgriffe für ihren Partner oder ihre Partnerin. Das ist immer sehr emotional – für alle, auch für uns.



Luxury News: Sie meinten „anfänglich“ wären nur Brautpaare zu Ihnen gekommen. Ich höre heraus, dass es nun auch darüber hinaus Interesse gibt …

Alexander Skrein: Tatsächlich beobachten wir, dass das Thema Nachhaltigkeit und fairer Umgang miteinander in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft angekommen ist. Seit etwa ein, zwei Jahren kommen Männer zu uns in die Schmuckwerkstatt und sagen, flapsig gesprochen: „Meine Frau schickt mich, weil ihr SKREIN*-Schmuck gefällt und sie sicher sein will, dass der Schmuck fair produziert wurde.“

Luxury News: Wie häufig kommt das vor?

Alexander Skrein: Alle zwei Wochen würde ich sagen. Das deckt sich auch mit einer Befragung zu Jahresbeginn, bei der Branchenmesse Inhorgenta. Etwa 2.000 Aussteller gaben bei einer Befragung an, dass „ökologische Nachhaltigkeit“ mit 45% und „fairer Handel“ mit 43% DIE Zukunftsthemen wären.

Diese Menschen haben mittlerweile ihr Leben darauf ausgerichtet, es ist modern und gehört zum Lifestyle. Sie ernähren sich vorwiegend mit Lebensmitteln aus der Region oder aus biologischem Anbau, sie tragen Kleidung, die – wenn möglich – möglichst fair hergestellt ist, sie bedenken bei ihrer Mobilität wie sie einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck hinterlassen können, ebenso beim Wohnen. Es geht um alle Lebensbereiche. Und das Interessante ist, dass Verzicht nicht die einzige Maxime ist, sondern eine verantwortungsvolle Nutzung, gerade wenn es um Luxus geht.

Luxury News: Womit wir beim Thema Schmuck und Lifestyle sind ….

Alexander Skrein: Schmuck ist ein Luxusgut, das man zwar nicht braucht, das aber zu den Grundbedürfnissen der Menschen gehört. Nur die Höhlenmalerei ist älter. Wer also Schmuck kauft, will etwas Besonderes – entweder für sich selbst oder für einen Menschen, den man in einer besonderen Weise Freude bereiten und durch dieses Schmuckstück ganz nahe sein möchte. Und es geht um Schönheit und um das Besondere und Außergewöhnliche. Also in zweifachem Sinn um Transzendenz.
Diese Schmuckkunden fragen nach den Hintergründen, wie und wo das Gold gefördert wurde und weshalb wir bei SKREIN* die Strategie bevorzugen, in einer vom RJC (Reponsible Jewellery Council) zertifizierten Scheideanstalt, nämlich der ÖGUSSA, Recycling-Gold anzukaufen, etc.

Luxury News: Sie sagten, Männer kommen, um für ihre Frauen ein Schmuckstück auszuwählen?

Alexander Skrein: Ja, und manchmal kommen sie gemeinsam mit ihren Töchtern, um für einen runden Geburtstag oder den 20. Hochzeitstag ein Familienschmuckstück auszuwählen. Den Männern an sich ist das Thema Nachhaltigkeit weniger wichtig. Sie werden sozusagen von den Frauen sozialisiert und weil sie den Respekt ihrer Töchter oder Frauen haben wollen, sind sie bei uns. Ich sehe da auch Analogien zur Bewegung #FridaysForFuture. Die Jungen haben mit dem Klimastreik begonnen und die Erwachsenen sind auf den Zug aufgesprungen und jetzt gehen sie gemeinsam demonstrieren und verändern etwas.

Luxury News: Gibt es eine spezielle Schmucklinie, die diese Kunden anspricht?

Alexander Skrein: Gute Frage. Wenn ich so nachdenke, ist eines auffallend: Es geht um Schmuckstücke, denen man ansieht, dass sie handgefertigt und zu 100% individuell sind. Zum Beispiel die Rocks-Kollektion. Jeder einzelne Farbstein ist ausgesucht und von einem Künstler so geschliffen, dass dieser Edelstein ein Unikat ist. Er bekommt eine handgefertigte Fassung, die es kein zweites Mal auf der Welt gibt. Allein das Aussuchen des Steines macht den Schenkenden und uns sehr viel Freude.

Bei unserer LAVA-Kollektion z.B. spürt man die weichen, freien und nahezu menschlichen Formen. Jeder sieht, dass diese Schmuckstücke handgemacht und keine Standard-Stücke sind, die man auch am Computer zeichnen könnte. Jeder Ring hat eine eigene „Persönlichkeit“, genauso wie die Frau, die ihn tragen wird.

www.skrein.at

 

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