"Auch die Architektur muss sich den Megatrends angliedern"

| 08.04.2019

Architekt Alexander Meissl skizziert im Interview das "Wohnen der Zukunft", gibt Einblicke in sein Schaffen und erklärt, warum es für ihn schön ist, wenn "alles noch so aussieht wie damals".

Das kreative und innovative Expertenteam von Meissl Architects liefert für seine Kunden in zweiter Generation – seit 1958 – Lösungen für die Zukunft und setzt  dabei auf eine ganzheitliche, nachhaltige und generationenübergreifende Herangehensweise. Luxury News hat Alexander Meissl zum Gespräch gebeten. 

Luxury News: Wohin geht die Reise in der Architektur?

Meissl: Es gibt mehrere Strömungen und Ansätze, und jeder Architekt ist davon überzeugt, dass der eigene Weg der richtige ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass sich auch die Architektur den Megatrends angliedern muss, denn diese Trends sind da, daran gibt es keinen Zweifel. Wer an den Megatrends vorbei plant, läuft Gefahr rasch austauschbar zu werden. Solche Gebäude haben nicht lange Gültigkeit.

Luxury News: Welche Geschichte sollen Ihre Gebäude den Menschen erzählen?

Meissl: Geschichten wollen wir gar nicht erzählen. Für mich ist es wichtig, wenn der Mensch sich in Gebäuden zurecht findet, ohne große Erklärungen zu bekommen.

Luxury News: Connected Home und Co: Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus?

Meissl: 
Wir sind überzeugt, dass ein no-tec Gebäude die Zukunft sein wird. Da es ganz ohne Technik nicht geht, ist für mich low-tec der aktuelle Maßstab.

Luxury News:  Welche Rolle spielt Innenarchitektur dabei?

Meissl: Für uns ist Interieur sehr wichtig und untrennbar mit dem Gebäude verbunden. Ziel muss es sein, eine Innenatmosphäre zu schaffen, die einerseits für Behaglichkeit und Nutzungskomfort sorgt und andererseits eine gestalterische Antwort auf das Gebäude gibt. Wir stehen also für einen respektvollen Umgang zwischen Innen- und Außendesign.

Luxury News: Was hat es mit „Healing architecture“ im Luxusbereich auf sich?

Meissl: Wenn wir Gesundheit als hohes Gut ansehen, dann müssen wir mit aller Kraft daran arbeiten, dass kranke Menschen schnell wieder gesund werden. Es gibt mittlerweile genug Erkenntnisse, dass eine qualitätsvolle Umgebung den Genesungsprozess beschleunigt, deshalb setzen wir auf eine hohe Aufenthaltsqualität in Spitälern. Leider sind öffentlich rechtliche Krankenanstalten in Österreich Versorgungseinheiten mit hoher medizinischer Qualität, aber für den stationären Aufenthalt wird gerade so viel Geld ausgegeben, dass ein wirtschaftlicher Mix aus Investitions- zu Erhaltungskosten entsteht.

Luxury News:  Können Sie uns die Herangehensweise an ein Projekt skizzieren?

Meissl: Aus meiner Sicht ist es ein großer Fehler, wenn Architekten nach dem ersten Bauherrenkontakt sofort mit dem Zeichnen beginnen. Unsere Herangehensweise ist da eine andere! Im ersten Schritt saugen wir alles auf, was Einflüsse auf das Projekt haben kann. Das umfasst sowohl die Bedürfnisse der Bauherren, bei gewerblichen Objekten die Bedürfnisse der Kunden, Umwelt und ökologische Aspekte und natürlich auch die Kraft des Ortes. Mit diesen Eindrücken produzieren wir ein Lookbook mit Impressionen, bildhaften Erklärungen und Designvorschlägen.

Luxury News: Was ist Ihnen besonders gut gelungen, worauf sind Sie stolz?

Meissl: Glücklich macht uns, wenn wir nach Jahren wieder in eines unserer realisierten Projekte kommen und „alles noch so aussieht wie damals“.

www.meissl.at

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