"Mille Miglia ist für den Sport, L.U.C fürs Business und bei Happy Sport denke ich an lebenslustige Damen"

Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard, im Interview über Digitalisierung, den Kampf gegen Produktpiraterie und das große Jubiläum der "Happy Sport". 

An der Spitze des Luxuslabels Chopard - das größte von einer Familie geführte Unternehmen dieser Art - stehen Karl-Friedrich Scheufele und seine Schwester Caroline. Luxury News hat den Sir der Luxus-Uhrenbranche  zum Interview gebeten.

Luxury News: Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Luxusbranche allgemein und für Sie im Speziellen?

Karl Friedrich-Scheufele: Ja, die Digitalisierung ermöglicht einer Marke wie Chopard viel Neues und auch ungeahnte Möglichkeiten. Wir können unsere Produkte und deren Werdegang nun viel besser darstellen und auch kommunizieren. Das war vor zehn Jahren nicht in diesem Umfang möglich und deswegen ist es ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation.

Luxury News: Also sind Sie ein Vorreiter in diesem Bereich in der Luxusbranche?

Karl Friedrich-Scheufele: Na ja, ich glaube, wir sind jedenfalls in der Uhrenbranche eines der Unternehmen, das sich relativ früh damit beschäftigt hat und auf diesen Zug aufgesprungen ist.

Luxury News: Sind bei Ihnen der stationäre Handel und Onlinehandel schon verknüpft? Wie stehen Sie zu dieser Thematik?

Karl Friedrich-Scheufele: Wir sind schon seit drei Jahren im Onlinehandel, betreiben eine Online-Boutique in Amerika und jetzt noch eine in Großbritannien und wollen dies alles noch weiter entwickeln. Wir haben uns auch da nicht gescheut, relativ früh voll einzusteigen und jetzt gibt es einige Luxus-Firmen, die auch damit begonnen haben. Ich glaube, es ist sicher nicht die alleinige Zukunft, aber es ist die Kombination von online und offline. So erfolgt das „Touch and Feel“ oft in den Geschäften und dann eventuell die Kaufentscheidung später im Web oder umgekehrt - ich informiere mich und gehe dann ins Geschäft.

Luxury News: Ist das „Look an Feel“ im Luxusbereich wirklich so essentiell?

Karl Friedrich-Scheufele: Ja, das ist absolut so. Eine Uhr muss man auch ans Handgelenk legen, man muss sie anfassen und probieren können. Die perfekte Simulation online gibt es derzeit nicht – auch nicht mit Augmented Reality.

Luxury News: Wie entwickeln sich die Werbung und die Budgets im Onlinebereich?

Karl Friedrich-Scheufele: Das Onlinebudget erreicht heutzutage rund 25% der Spendings. Das ist aber nicht nur direkte Werbung, es ist vielfach auch informative Kommunikation, die ja die Printwerbung nicht leisten kann.

Luxury News: Setzen Sie auch auf Influencer und Blogger?

Karl Friedrich-Scheufele: Ja, wie gesagt, gibt es Dinge, die man nicht in eine Printanzeige packen kann. Hier punkten einfach auch die eigenen, selbstproduzierten Filme und Geschichten auf Instagram und Co. Das Schöne daran ist, dass man einfach mehr Geschichten erzählen kann und die Emotion der Produkte besser zum Ausdruck kommt.

Luxury News: Sind auch Fälschungen und Produktpiraterie ein Problem in der Branche?

Karl Friedrich-Scheufele: Gegen diese lästigen „Krankheiten“ kämpfen wir schon seit Jahren. Es hat sich auch schon einiges getan und manches gebessert, weil heute auch die Herkunftsländer selbst bereit sind, dagegen anzugehen. Aber es ist nach wie vor ein Thema.

Luxury News: Wie wollen sie diese Problematik eindämmen?

Karl Friedrich-Scheufele: Es empfiehlt sich online durch direkte Information, aber auch durch Hinweise, die direkt den potenziellen Käufer über das Risiko informieren, der da oder dort Produkte kauft, die Fälschungen sein könnten.

Luxury News: Sie feiern heuer ein Jubiläum mit der "Happy Sport". Welche Aktivitäten haben Sie geplant?

Karl Friedrich-Scheufele: Also wir wollen in einigen Ländern „Happy Sport“ hochleben lassen -Ausstellungen und kleine Events sind geplant, die lokal immer wieder an den Werdegang erinnern sollen. Die „Happy Sport“ ist eine Uhr, die sich stark durchgesetzt hat, immer noch unheimlich aktuell ist und die dieses Jahr noch dazu mit einem Automatik-Werk ausgestattet wurde.

Luxury News: Wer ist der typische Chopard-Kunde? Und wer ist der typische „Happy Sport“-Träger?

Karl Friedrich-Scheufele: Also der typische Chopard-Träger ist schwer einzukreisen, denn derjenige, der jetzt eine L.U.C kauft könnte auch ein Mille Miglia Kunde sein. Mille Miglia ist für den Sport, L.U.C ist eher fürs Business und bei „Happy Sport“, das ist für mich eine unternehmungslustige Dame zwischen 25 und 45. Die Happy Sport ist ja wirklich eine eigenwillige Uhr, die mit ihren beweglichen Diamanten einmalig auf der Welt ist.

Luxury News: Seit 30 Jahren ist Chopard offizieller Zeitnehmer der Mille Miglia. Nun feiert das legendäre Autorennen seinen 90. Geburtstag. Wie feiert Chopard das Ereignis? Wie sind sie allgemein im Sponsoring unterwegs?

Karl Friedrich-Scheufele: Ja, die Mille Miglia hat eine sehr lange erfolgreiche Verbindung mit uns, wir haben damals ja eigentlich diese Rallye entdeckt. Da war sie schon ein unglaubliches Event in ganz Italien, aber noch nicht so bekannt. Wie sind als erste Marke zu den Oldtimern gekommen und haben die Mille Miglia in den Jahrzehnten weltberühmt gemacht - und gleichzeitig die Uhr, die dazu passt. Heute sammeln so und so viele Enthusiasten diese Uhren, wir bringen jedes Jahr auch eine Limited Edition heraus - das ist bei Chopard nicht mehr weg zu denken.

Luxury News: Was zeigt ein kurzer Ausblick in die Zukunft der Luxusindustrie und die Zukunft der Luxusuhren?

Karl Friedrich-Scheufele: Die Luxusbranche allgemein ist in den vergangenen 10, 20 Jahren nachhaltig gewachsen. Es gab Jahre mit mehr und auch weniger Wachstum. Bei der Uhrenbranche waren die letzten zwei Jahre etwas schwieriger, aber schon gegen Ende des Jahres zeigte sich wieder ein deutlicher Aufschwung, der sich nun fortsetzt.

Luxury News: Wie laufen die Geschäfte bei Chopard im Allgemeinen, verspricht auch 2018 ein Erfolgsjahr zu werden?

Karl Friedrich-Scheufele: Der Ausblick ist positiv, die Geschäfte im Allgemeinen laufen sehr gut. 2018 wird noch stärker werden. Insgesamt hat die Luxusbranche ein großes Potenzial, wobei für mich Luxus auch nachhaltige Qualität und hohe Handwerkskunst beinhaltet. So betone ich auch gerne, dass wir ganz im obersten Bereich unterwegs sind und dass gerade diese Qualität und die Nachhaltigkeit zählen.

Luxury News: Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit in der Unternehmensphilosophie?

Karl Friedrich-Scheufele: Nachhaltigkeit ist in unserer Philosophie ganz tief verankert. Das Gold, das wir jetzt ab Juli verwenden werden, wird auch denen eine faire Existenz bringen, die nur unsere Rohmaterialien produzieren. Und so verkünden wir in unserer Goldinitiative gerne, dass derjenige, der sich eine schöne Chopard-Uhr oder ein Schmuckstück kauft, auch mit dem Bewusstsein lebt, dass das Rohmaterial – in diesem Falle Gold - unter fairen Bedingungen produziert wurde.

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